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Wladimir Putin Der König der Überraschungstaktik

Erst das Dementi, nun das plötzliche Vorpreschen: Putin lässt in der Syrien-Krise die Waffen sprechen. Der russische Präsident verfolgt dabei zwei Hauptziele.
30.09.2015 - 20:10 Uhr 16 Kommentare
Der russische Präsident ist politisch schwer auszurechnen. Quelle: dpa
Wladimir Putin

Der russische Präsident ist politisch schwer auszurechnen.

(Foto: dpa)

Moskau Überraschungen bleiben sein Markenzeichen: Wladimir Putin hat sich vom Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments, zu einem Militäreinsatz außerhalb der russischen Grenzen ermächtigen lassen. Die russischen Senatoren billigten die Entscheidung einstimmig, alle 162 Anwesenden hätten mit „Ja“ gestimmt, teilte der Leiter der Präsidialadministration, Putins Langzeit-Vertrauter Sergej Iwanow mit.

„Es geht nicht um das Erreichen irgendwelcher außenpolitischen Ziele oder die Befriedigung irgendwelcher Ambitionen, derer uns unsere westlichen Partner dauernd beschuldigen, sondern ausschließlich um das nationale Interesse“, betonte er dabei.

Worin das nationale Interesse Russlands liegt, führte Iwanow nicht weiter aus. Doch Russland verfolgt in Syrien zwei Hauptziele. Erstens ist Putin am Machterhalt von Präsident Baschar al-Assad gelegen, der trotz gelegentlicher atmosphärischer Störungen zwischen Moskau und Damaskus ein treuer Verbündeter Russlands ist und so den Einfluss Russlands in der Nahostregion sicher stellt. Dies beinhaltet sowohl den Besitz einer Militärbasis als auch potenziell die Möglichkeit zur Erschließung der Öl- und Gaslagerstätten vor der syrischen Küste durch russische Konzerne. Andere Verbündete hat Russland in dem Land nicht.

Zweitens ist der Islamische Staat (IS), gegen den das russische Militär allem Anschein nach nun Luftschläge führen wird – ein Bodenkrieg ist zu verlustreich und riskant für Moskau – eine ernsthafte Bedrohung für die innere Sicherheit Russlands. Zahlreiche Kämpfer stammen aus Russland und der GUS, im Kreml wird ihre Rückkehr als Destabilisierungsfaktor speziell für den Kaukasus befürchtet.

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    Unklar bleibt dabei auf den ersten Blick, warum Putin erst vor wenigen Tagen in einem Interview ein militärisches Engagement in Syrien völlig ausschloss. „Russland wird sich nicht an Militäroperationen auf dem Territorium Syriens oder anderer Staaten beteiligen, zumindest planen wir das zum heutigen Tag nicht“, sagte er in einem Interview.

    Die Überraschungstaktik ist allerdings seit jeher ein Merkmal der Putin'schen Politik. Über ein Jahrzehnt lang hat er mit Personalentscheidungen im Kreml alle politischen Experten überrumpelt, sei es mit dem Rauswurf seines Premiers Michail Kassjanow kurz vor seiner ersten Wiederwahl oder der jüngsten Entlassung des mächtigen Eisenbahnchefs Wladimir Jakunin, sei es mit Kandidaten, die vorher niemand auf dem Zettel hatte, wie Michail Fradkow (Premier 2004 – 2007) oder sei es mit seinem eigenen Abgang samt Wiederkehr auf den Präsidentenposten.

    Dementis und Verschleierungen gehörten auch zum Krim-Szenario Anfang 2014. Die damals ebenfalls im Expressverfahren durchgezogene Genehmigung des Militäreinsatzes durch den Föderationsrat ließ die internationalen Spannungen im März 2014 auf den Höhepunkt steigen.

    Mit diesen Waffen rüstet Putin in Syrien auf
    Gute Freunde kann niemand trennen
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    Der Großteil der Welt hat sich von Baschar al-Assad abgewandt. Doch der russische Präsident Wladimir Putin hält dem syrischen Diktator weiterhin die Treue. Eine Lösung des Syrien-Konfliktes ohne Assad sei nicht möglich, erklärte Putin immer wieder. Mittlerweile scheint auch Merkel das so zu sehen.

    (Foto: ap)
    Unterstützung für Assad
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    Um die Position seines Protegés zu stärken, versorgt Putin den syrischen Machthaber schon länger mit Waffen. Nun hat Russland nach Informationen des Recherchenetzwerkes Bellingcat auch mehrere Flugzeuge nach Syrien verlegt.

    (Foto: ap)
    Kampfjet Su-30 M
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    Das Flugzeug ist eines der Prunkstücke der russischen Luftwaffe. Im direkten Luftkampf soll es sogar amerikanischen Modellen überlegen sein. Vier Su-30 sollen sich aktuell auf dem russischen Truppenstützpunkt in Latakia an der syrischen Westküste befinden.

    (Foto: dpa)
    Su-25 „Frogfoot“
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    Im Gegensatz zum Su-30 ist der „Froschfuß“ eher für den Einsatz gegen Ziele am Boden geeignet. Etwa ein Dutzend dieser Flugzeuge soll die russische Armee in Syrien stationiert haben.

    (Foto: Reuters)
    Su-24-Kampfflugzeuge
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    Die Sukhoi Su-24-Jets wiederum sind für den Einsatz gegen weit entfernte Ziele gedacht. In Syrien sind 24 davon stationiert.

    (Foto: dpa)
    Russische Militärhubschrauber
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    Außerdem haben die Russen 15 Transport- und fünf Kampfhubschrauber vor Ort. Diese Luftwaffen-Kombination könnte auf ein weitreichendes Engagement der russischen Armee in Syrien hindeuten. „Sie werden nicht bloß herumsitzen und nur ihren Flugplatz verteidigen“, sagte Jeffrey White vom Washingtoner Institut für Nahostpolitik der Nachrichtenagentur AFP.

    (Foto: ap)
    Teil der Lösung oder Teil des Problems?
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    Bisher hat Assad keinen Zweifel daran gelassen, dass er seinen Posten nicht freiwillig räumen wird. In Europa und den USA wird nun darüber diskutiert, ob man nicht zumindest mit ihm reden sollte.

    (Foto: dpa)

    Diesmal ist eine ähnliche Reaktion nicht zu erwarten. Auch der Westen kämpft in Syrien gegen den IS. Dass Putin erst nach seiner Rückkehr aus den USA die überraschende Wende verkündet, zeugt eher davon, dass der Kremlchef Eigenständigkeit in der Frage demonstrieren will.

    Trotz des gemeinsamen Kampfes gegen den IS bleiben die Vorstellungen über die Zukunft Syriens nämlich nach wie vor weit voneinander entfernt. Wenn es Assads Truppen mit russischer Luftunterstützung und russischen Panzern vom Typ T-90 gelingen sollte, die antike Oasenstadt Palmyra von den IS-Kämpfern zurückzuerobern, wäre das für Putin ein grandioser PR-Erfolg.

    Internet-Videos von Putins Angriffen in Syrien aufgetaucht

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    16 Kommentare zu "Wladimir Putin: Der König der Überraschungstaktik"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wäre ja auch dumm gewesen, den "Zu Bekämpfenden" in Syrien eine noch längere Vorwarnzeit zu geben. Oder?

    • So ne Überraschung war es auch nicht. Er hatte den israelischen Ministerpräsidenten vor 2 Wochen in Moskau. Da war schon klar, dass etwas größeres unterwegs ist.
      Und der hat "les Amies" unterrichtet. Und die die Nato. Die Presse natürlich nicht.

    • @Herr Andreas Hobi, "welche Interessen verfolgt Obama ?"
      Welche Interessen verfolgt Netanyahu ! Anscheinend konnte bei dessen Moskau-Besuch ein Interessen-Abgleich gefunden werden.

    • Putin weist nach, dass Russland keine Regional- sondern Weltmacht ist. Zugleich stärkt er mit seiner Intervention die verbliebene staatliche Struktur, die als einzige eine Chance hat, IS Paroli zu bieten und ein Machtvakuum verhindern kann. Es geht nicht primär um Assad selbst. Im Vordergrund stehen der Einfluss im Nahen Osten sowie die Eindämmung und Zurückdrängung von IS. Es wäre gut, wenn die Großmächte beim Letzteren kooperieren. Wie die Region nach IS aussieht sollte dann geregelt werden.

    • Wenn man über deutsche Politik redet heißt es die Deutschen kriegen die Politiker die sie verdienen. In Syrien soll es aber am Besten ein Friedensnobelpreisträger sein.
      Über die eigenen Landsleute zu reden, kann es gar nicht rassistisch genug sein.
      Äußert man sich aber über unsere hochqualifizierten lieben ausländischen Mitbürger nicht genau so wie es die Hofberichterstattungswortklauberei gerade vorgibt, wird man an den Pranger gestellt. Solcherart Dämlichkeit ist der Schmierfilm auf der Rutschbahn mit der es mit Deutschland geradewegs in den Gulli der Geschichte geht. Hej, das Wort zum Donnerstag.

    • Putin ist der umsichtigste, klügste und handlungsfähigste, also beste Staatslenker, den die Welt zur Zeit hat. Man kann also davon ausgehen, daß er das Eingreifen in Syrien nicht gebilligt hat, ohne daß zuvor in allen möglichen Risiko- und Folgenanalysen seine Stäbe die möglichen Szenarien sorgfältig bedacht haben.

      Wie ein guter Schachspieler hat er dann im richtigen Zeitpunkt seinen Zug gemacht.

      Daß er den Westen dabei auf dem falschen Fuß erwischt hat, ist offenkundig. Er hat es eben im Weißen Haus mit einem Laienschauspieler zu tun.

      Rußland hat gute Aussicht, in Syrien militärisch erfolgreich zu sein. Gegenüber der US-Luftwaffe hat die russische ja den unschätzbaren Vorteil, daß ihre Angriffe mit einer schlagkräftigen Streitmacht auf dem Boden, nämlich der syrischen Armee, abgestimmt werden kann. Das sollte dazu führen, daß der russische Kampf gegen die Terroristen effektiver ist als der der USA.

      Bei alledem achtet Putin im Gegensatz zu den das Völkerrecht verachtenden USA äußerst penibel darauf, daß Rußland sich im Rahmen des Völkerrechts bewegt. Er stimmt die Bombardierungen seiner Luftwaffe daher mit der legitimen Regierung Syriens ab.

      (Auch der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation hat er erst zugestimmt, nachdem das Volk der Krim in einem demokratischen Referendum mit über 90% dafür gestimmt hatte.)

      Was die geostrategischen Hintergründe betrifft, so verweise ich auf den vollkommen zutreffenden Post von Christoph Weise um 8,15 Uhr.

    • HB : " – ein Bodenkrieg ist zu verlustreich und riskant für Moskau."
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      Russland bekämpft mit seinen Luftschlägen A L L E , die gegen Assad kämpfen. Das dürfte reichen, um der syrischen Armee die Rückeroberung verlorener Gebiete zu ermöglichen.
      Dass dabei Gruppierungen zu Schaden kommen, die von den USA ausgebildet und unterstützt werden ist nur logisch. Assad wurden von den USA "Maßnahmen" für den Fall angedroht, wenn diese Gruppierungen zum Ziel von Luftschlägen Assads werden sollten. Den Job Assads hat nun Russland übernommen und die USA beklagen erste Verluste von ausgebildeten CIA-Kämpfern.
      Fazit : Der Krieg in der Ukraine dürfte wohl in nächster Zeit intensiver werden und weitere Flüchtlinge "produzieren", da Russland das Konzept der USA in Syrien durchkreuzt. (Beseitigung des Assad-Regimes durch islamische Milizen, die durch Bombenangriffe der Anti-IS-Allianz nur geschwächt aber nicht vernichtet werden)

    • Putin ist ein gefährlicher Diktator und damit Machtmensch.
      Assad ist ein Schlächter, der sein eigenes Volk ermordet.

      Die Gefahr für Putin sind nicht die USA.
      Russland wird sich ganz schnell in einem offenen Bürgerkrieg befinden, denn IS und Konsorten werden von Osten ( muslimisch geprägte Satelliten-Staaten ) in Russland destabilisierend einwirken.
      Da helfen auch keine Panzer und Bomber.

      Über die USA muss ich mich wohl nicht äußern, deren Politik spricht Bände.
      Deutschland ist und bleibt ein politischer Zwerg...dank Merkel & Co.

    • Herr Wüst, wenn Sie "Osten" durch "Westen" ersetzen merken sie sicherlich was

    • Ich war noch nie in Syrien und kenne es aus den Medien.

      Während der Zeit "unter" Assad war es anscheinend ein ruhiges Land in dem Religionen friedlich nebeneinander Leben, Schiiten und Sunniten mit Christen und Aleviten.

      Das Land hat(te) einen sehr hohen Bildungsstandard wenn man den Medien und auch den aktuellen Flüchtlingsstatistiken glauben darf der wohl unter Assad entstanden sein dürfte.

      Seit dem durch die USA und die Türkei geförderten Bürgerkrieg zur Abschaffung Assads funktioniert nichts mehr. Das Land ist zerstört und die Menschen verlassen es.

      Wem ist wohl gedient, wenn Assad das Schicksal von Gaddhafi und Hussein erleidet?

      Welche Interessen verfolgt Obama? Gute?

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