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Wolodimir Selenski

In seiner äußerst erfolgreichen Serie „Diener des Volks“ spielt Selenski den Geschichtslehrer Wasyl Holoborodko, der zufällig Präsident der Ukraine wird.

(Foto: action press)

Wolodimir Selenski Dieser Comedian könnte der nächste Präsident der Ukraine werden

Der TV-Star kämpft in dem Land gegen den Ruf als Oligarchen-Günstling. Trotzdem geht er als Favorit in die Stichwahl am 21. April.
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BerlinGleich nach Schließung der Wahllokale wurden in Kiew die Töne rauer: Im zweiten Wahlgang habe ihm das Schicksal als Gegner „eine Marionette Kolomojskis beschert“, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Abend seinen Anhängern, und er fügte kämpferisch hinzu: „Wir lassen Kolomojski keinen Meter.“ Der Oligarch Ihor Kolomojski ist der Besitzer des ukrainischen TV-Senders 1+1, auf dem der Sieger des ersten Wahlgangs, der Comedian Wolodimir Selenski, seine Shows ausstrahlt.

Selenski hatte am Sonntag den ersten Wahlgang mit gut 30 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Poroschenko kam auf 16,6 Prozent und überholte damit die in Umfragen bis zuletzt zweitplatzierte Ex-Premier Julia Tymoschenko, die auf 13,3 Prozent kam. Aber als Favorit geht der 41-jährige TV-Produzent, Schauspieler und studierte Jurist Selenski in die Stichwahl am 21. April.

Allerdings werden es drei harte Wochen voller Anwürfe für den Gründer der Film- und Fernsehproduktionsfirma „Studio Kwartal 95“. Denn Selenski, der aus der südostukrainischen Stahl- und Chemiemetropole Kriwy Risch stammt, erfüllt zwar aus Sicht vieler Ukrainer ihren Wunsch nach einer unverbrauchten und hoffentlich nicht korrupten Führungsfigur, bietet aber gerade bei Letzterem große Angriffsflächen wegen seiner Verbindung zu Kolomojski.

Der Unternehmer Jewgeni Tschernjak, Aufsichtsratschef der Global Spirits Holding, postete auf Facebook ein Foto des breit lachenden Kolomojski mit den Worten: „Das Leben ist ein Supermarkt. Nimm, was du willst, aber vor der Kasse!“

Kolomojski war von Poroschenko als Gouverneur der Dnjepr-Industrieregion Dnipro abgesetzt worden. Auch seine Privatbank ließ Poroschenko verstaatlichen. Das größte Finanzinstitut des Landes wurde Ende 2016 nationalisiert, nachdem Kolomojski und seine Geschäftspartner das Geldhaus durch faule Kredite an verbandelte Firmen in Schieflage gebracht und sechs Milliarden Dollar ins Ausland geschafft haben sollen. 41 Millionen Dollar sollen als Kredit an Selenskis TV-Produktionsfirma gegangen sein.

Viele fragen sich nun, ob Selenski nach seiner Wahl Kolomojski dessen Bank zurückgeben würde. Selenski beantwortete den Vorwurf gegen Kolomojski und ihn mit einem Witz mit antisemitischem Unterton: Der Oligarch sei so reich geworden, da er kein Geld verschenke – Kolomojski hat neben einem ukrainischen auch einen israelischen Pass.

Geübt für das mögliche neue Amt hat Selenski schon seit Jahren: In seiner erfolgreichen Serie „Diener des Volks“ gibt Selenski den Geschichtslehrer Wasyl Holoborodko, der zufällig Präsident der Ukraine wird – als ehrlicher, fleißiger und offener Mann. Am Ende – so viel sei verraten – eint er, zumindest im Fernsehen, seine zerrissene Heimat.

Neben dem Vorwurf der Oligarchen-Nähe könnte Selenski schaden, dass der Erzfeind Russland zuletzt ganz unverhohlen hofft, Poroschenko loszuwerden. Aber von Kremlchef Wladimir Putin wollen sich die allermeisten Ukrainer nichts mehr vorschreiben lassen. So treffen Vorwürfe, er sei der „Kandidat Moskaus“, Selenski hart. Der heute 41-Jährige ist russischsprachig aufgewachsen und hat erst in seiner Jugend Ukrainisch gelernt.

Er wechselt aber im Fernsehen wie im Gespräch mit Wählern leicht und selbstverständlich zwischen beiden slawischen Sprachen hin und her. Einen Akzent kann nur heraushören, wer sich besondere Mühe gibt, ein besonderes Raspeln in seiner Reibeisenstimme zu hören.

Und den Kreml hat Selenski noch in der Wahlnacht gegen sich aufgebracht: Er werde sich als Präsident mit Putin treffen und ihm sagen, „endlich haben Sie unsere Gebiete zurückgegeben“. Sichtlich angesäuert erklärte Putins Sprecher danach: Russland habe die Halbinsel Krim nicht annektiert und betreibe im Donbass keine Invasion.

Analysten diskutieren in Kiew schon eine Frage: Werde TV-Star Selenski im Amt eher wie der italienische Komiker Beppe Grillo, der einstige Reality-TV-Star Donald Trump oder wie Hollywood-Haudegen Ronald Reagan? Letzterer immerhin gewann seine Präsidentschaftswahlen jeweils mit gewaltigem Vorsprung.

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