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World Economic Forum Digitales Davos: Virtuelles Brainstorming zum großen Neustart der Weltwirtschaft

Die Pandemie zwingt das World Economic Forum in die virtuelle Welt. Für WEF-Gründer Klaus Schwab ist das auch eine wirtschaftliche Herausforderung.
25.01.2021 - 14:56 Uhr Kommentieren
Das Bildschirmfoto zeigt den Gründer und Vorstandsvorsitzenden des Weltwirtschaftsforums bei seiner virtuellen Begrüßungsrede. Quelle: dpa
Klaus Schwab

Das Bildschirmfoto zeigt den Gründer und Vorstandsvorsitzenden des Weltwirtschaftsforums bei seiner virtuellen Begrüßungsrede.

(Foto: dpa)

Berlin Leicht ist es Klaus Schwab nicht gefallen. Bis zuletzt hatte der 82-jährige Gründer des World Economic Forums (WEF) im vergangenen Jahr gehofft, dass das Coronavirus den jährlichen Höhepunkt seines Wirkens verschonen würde. Zu sehr genießt der Deutsche die große Weltbühne und den direkten Kontakt mit den „Movern and Shakern“ aus Wirtschaft und Politik.

Als jedoch klar war, dass ein Treffen von mehreren tausend Führungskräften aus aller Welt mitten in der Pandemie unmöglich sein würde, haben Schwab und seine Vermarktungskünstler im WEF-Hauptquartier am Genfer See aus der Not eine Tugend und aus einem Forum zwei gemacht: diese Woche ein Mega-Webinar mit 140 Online-Veranstaltungen, Ende Mai soll sich die globale Elite dann wieder persönlich in Singapur treffen. In der Hoffnung, dass der asiatische Stadtstaat dann coronafrei ist.

„Ich begrüße alle Teilnehmer zur Davos-Agenda diese Woche“, eröffnete Schwab am Sonntagabend allein in seinem Büro sitzend den ersten Teil, das virtuelle Weltwirtschaftsforum. Unterdessen rieselte auf dem von der globalen Elite gemiedenen Zauberberg in Davos leise der Schnee. Fünf Tage lang wollen Top-Manager, CEOs und Wissenschaftler online vor allem über die Folgen der Pandemie sprechen: über ihre Bekämpfung, ihre wirtschaftlichen Auswirkungen und auch über ihre Chancen.

Dass Schwab das virtuelle Brainstorming zum Anlass für „The Great Reset“, also den großen Neustart, nehmen will, ist kein Zufall: Der gelernte Maschinenbauer plädiert seit Jahrzehnten dafür, die Weltwirtschaft fairer, digitaler und kooperativer zu machen. Noch kurz vor Ausbruch der Pandemie sagte Schwab in einem Interview: „Die Welt braucht Davos heute mehr denn je.“

Schwabs Motto für das digitale Davos und sein gleichnamiges Buch „The Great Reset“ geriet zwischenzeitlich sogar in den Strudel weltweiter Verschwörungstheorien, die Schwab und Microsoft-Gründer Bill Gates für die Übel der Welt verantwortlich machen und hinter Schwabs Neustart einen Geheimplan für den Griff der globalen Elite zur Weltmacht vermuten.

Wie der Neustart genau funktionieren soll, hat Schwab in seinem neuen Buch „Stakeholder-Kapitalismus: Eine globale Wirtschaft, die dem Fortschritt, den Menschen und dem Planeten dient“ aufgeschrieben, das er auf dem Forum präsentierte. Viele Gedanken darin stammen bereits aus dem Jahr 1971, als der WEF-Gründer erstmals 444 Manager nach Davos rief, um über den Unsinn einer engstirnigen Unternehmensführung zu diskutieren, die sich nur am „Shareholder-Value“ orientiert.

Xi Jinping als Stargast des Forums

Inzwischen geht es bei Schwabs Stelldichein längst nicht mehr nur um eine bessere Corporate Governance. Es geht um nicht weniger als um „die Zukunft der Menschheit“. So wurde auf dem WEF bereits seit Jahren vor den globalen Gefahren einer Pandemie gewarnt.

Der chinesische Präsident ist der Stargast bei virtuellen Davos. Quelle: AFP
Xi Jinping (r.) mit Klaus Schwab

Der chinesische Präsident ist der Stargast bei virtuellen Davos.

(Foto: AFP)

Im Zentrum der meisten Diskussionen steht jedoch die Digitalisierung, die Schwab als die „Vierte Industrielle Revolution“ bezeichnet. Überlagert und erschwert werden die Pandemie und der digitale Umbau der Weltwirtschaft von geopolitischen Spannungen, insbesondere der wachsenden Rivalität zwischen den USA und China.

Schwabs Stargast diese Woche ist auch deshalb zweifellos Chinas starker Mann Xi Jinping – auch weil der neue US-Präsident Joe Biden dem Chinesen die WEF-Bühne überlassen hat und sich um die Bekämpfung der Pandemie zu Hause kümmern muss. Xi war zuletzt 2017 in Davos und versuchte, sich im Kontrast zu dem damals gerade gewählten Donald Trump als Garant der Globalisierung zu profilieren. Vier Jahre später hat es China nicht nur mit einem multilateral denkenden US-Präsidenten zu tun, sondern auch mit einer Welt, die Chinas Machtpolitik zunehmend skeptisch gegenübersteht.

Digitales Davos kommt einem Stakeholder-Forum näher

Dabei sind auch der französische Präsident Emmanuel Macron und Davos-Dauergast Angela Merkel. Wobei das Dabeisein eben relativ ist: Die Mächtigen der Welt sitzen daheim an ihren Bildschirmen, ihre Worte werden per Zoom übertragen. Zur Aura von Davos gehört jedoch auch eine große Portion Exklusivität. Die aber lässt sich in der virtuellen Welt weitaus weniger herstellen als auf dem militärisch abgesperrten Zauberberg in Davos.

Schon immer stieß sich Schwabs Ideal einer „Stakeholder-Gesellschaft“ an dem exklusiven Charakter seines Elite-Forums. Dass das WEF nun zwangsweise zur „Virtual Reality“ wird, macht es offener und demokratischer. Aber geschäftlich eben auch weniger lukrativ.

Im nächsten Jahr, so hat es der Wahl-Schweizer versprochen, soll das WEF nach Davos zurückkehren. Auch, weil der direkte Kontakt mit und zwischen den Mächtigen der Welt durch ein virtuelles Treffen nicht ersetzt werden kann. „Das Networking ist ein wichtiger Teil von Davos“, sagt Schwab. Das gilt nicht nur für die zahlreichen „Davos Men“ und „Davos Women“, wie die Teilnehmer oft spöttisch genannt werden, sondern auch für den Übervater des Forums selbst. Schwabs Bühne ist eben auch seine eigene.

Mehr: World Economic Forum: Es geht um die Zukunft der Menschheit

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