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Xi-Staatsbesuch in Athen Wie China mit Investitionen in Griechenland seinen Einfluss auf Europa vergrößert

Häfen, Kraftwerke, Netze, Immobilien: Chinesische Investoren geben sich in Griechenland die Klinke in die Hand. Am Sonntag kommt Staatschef Xi Jinping nach Athen.
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Der Hafen ist Chinas Leuchtturm-Projekt in Griechenland. Quelle: AFP
Piräus

Der Hafen ist Chinas Leuchtturm-Projekt in Griechenland.

(Foto: AFP)

Athen Lange hat Griechenland auf den ersten offiziellen Besuch von Xi Jinping warten müssen. Im Juli 2014 landete der Regierungs-Jumbo des chinesischen Staatschefs schon einmal auf der griechischen Insel Rhodos. Das war zwar ein Tankstopp auf dem Weg nach Brasilien. Aber der damalige griechische Premier Antonis Samaras ließ es sich nicht nehmen, eigens nach Rhodos zu eilen, um den chinesischen Durchreisenden zu begrüßen.

Diesmal rollen die Griechen dem Gast aus Peking den roten Teppich aus. Nach der Ankunft am Sonntagabend beginnt am Montag das offizielle Programm mit der Kranzniederlegung am Grabmal des Unbekannten Soldaten auf dem Athener Syntagmaplatz, ein Muss für jeden Staatsgast.

Wenn Xi Jinping dann wenig später den griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis in der Villa Maximos trifft, dessen Amtssitz, ist es nicht der erste Händedruck der beiden Männer. Sie haben sich erst Anfang der Woche in Schanghai getroffen, wo der griechische Regierungschef auf der Handelsmesse Expo um chinesische Investoren warb. „Griechenland ist offen für Geschäfte“, verkündete Mitsotakis in einem Interview des Staatsfernsehens CGTN. Das braucht er den Chinesen nicht zweimal zu sagen. Die haben Griechenland längst entdeckt.

Wenn Air China-Flug CA 863 aus Peking morgens um kurz nach acht auf dem Athener Flughafen Eleftherios Venizelos landet, warten gleich hinter dem Zoll die Herren in den dunklen Anzügen. Sie geleiten ihre Gäste zu den schwarzen Minibussen, die an der Vorfahrt bereitstehen.

Die Herren vom Empfang sind keine Fremdenführer und die Gäste aus China keine Touristen. Sie interessieren sich nicht für den Parthenon, sondern für Immobilien der klassischen Art: Apartments und Büros. Und für jene Papiere, mit denen Griechenland Immobilienkäufer aus Nicht-EU-Staaten belohnt: die begehrten Goldenen Visa.

Wer in Hellas mindestens 250.000 Euro in eine Immobilie investiert, hat Anspruch auf das Visum, das zum Aufenthalt in Griechenland und zu Reisen in alle Länder des Schengen-Raums berechtigt. Seit Beginn des Programms vor sechs Jahren hat Griechenland 15.369 solche Aufenthaltsgenehmigungen an Immobilienkäufer und ihre Angehörigen vergeben. Zwei Drittel davon, nämlich 10.198, gingen an Chinesen.

Chinas Leuchtturmprojekt in Griechenland

Wie seine Landsleute, die mit den Linienmaschinen anreisen, interessiert sich Xi für Investitionen. Aber in größerem Stil. Rund 7,5 Milliarden Euro hat China seit 2005 in Griechenland investiert, mehr als jedes andere Land. Am Montagnachmittag besucht der chinesische Staatschef Piräus, „seinen“ Hafen.

Piräus ist Chinas Leuchtturmprojekt in Griechenland. 2008 fasste der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco mit einem Pachtvertrag Fuß in Griechenlands größtem Hafen, acht Jahre später übernahm Cosco die Mehrheit der bis dahin staatlichen Hafengesellschaft Piraeus Port Authority.

Zielstrebig bauen die Chinesen den Hafen zu ihrem Tor nach Europa aus: Hier werden die aus Asien kommenden Container von den großen Mutterschiffen zur Verteilung auf andere Mittelmeerhäfen auf kleinere Frachter umgeladen oder per Schiene nach Mittel- und Osteuropa transportiert. Unter der Regie von Cosco hat sich der Containerumschlag in Piräus seit 2008 mehr als verzehnfacht.

Die Übernahme des griechischen Hafens ist Teil eines großen, weit in die Zukunft angelegten Gesamtplans, des One Belt, One Road-Projekts und der neuen Seidenstraße, mit der China in Europa Märkte erobern und politischen Einfluss gewinnen will. Das gigantische, auf 800 Milliarden Dollar veranschlagte Vorhaben umfasst 900 Einzelprojekte in 64 Ländern Asiens, Afrikas und Europas. Piräus spielt dabei eine Schlüsselrolle. Chinesische Analysten sprechen von dem Hafen als dem „Kopf des chinesischen Drachen in Europa“.

Ein weiterer Schwerpunkt der chinesischen Investitionen in Griechenland ist der Energiesektor. Ende 2016 übernahm die chinesische State Grid Corporation, der weltgrößte Stromversorger, 24 Prozent des griechischen Netzbetreibers ADMIE. Die Teilprivatisierung von ADMIE gehörte zu den Auflagen, die Griechenland im Gegenzug zu den internationalen Hilfskrediten umsetzen musste, die das Land vor der Pleite retteten. Ausgerechnet die Euro-Krise hat also den Chinesen die Tür nach Griechenland geöffnet.

Dabei war der damalige Premier Alexis Tsipras für Peking ein interessanter Partner, denn er versuchte, die europäischen Gläubiger gegen die Chinesen auszuspielen. Während in jenen Jahren andere ausländische Investoren einen großen Bogen um das Krisenland machten, griffen die Chinesen zu. So war es auch in Piräus: Der einzige andere Interessent für den Hafen, der dänische Logistikkonzern Maersk, zog sich aus dem Bieterverfahren zurück. So blieb Cosco als einziger Bewerber übrig.

Mitsotakis will Investoren entgegenkommen

Und immer neue Deals kommen hinzu. Die staatliche Shenhua Group übernahm vor zwei Jahren 75 Prozent an drei Windparks der griechischen Copelouzos Group. Gemeinsam wollen die beiden Firmen jetzt rund drei Milliarden Euro im Energiesektor investieren. Auch weitere chinesische Unternehmen wie Sky Solar Holdings, Yangtze Power Investment und Hanergy investieren in erneuerbare Energieproduktion in Griechenland.

Im Telekom-Sektor fassen die Chinesen ebenfalls Fuß. Der chinesische Telekommunikationsausrüster ZTE ist ein wichtiger Lieferant für Hellenic Telecom und plant jetzt den Aufbau eines Technologieparks in Griechenland. Auch Huawei ist gut im Geschäft. Das Unternehmen liefert nicht nur Technik, es kooperiert mit griechischen Universitäten und vergibt Stipendien.

Der neue Premier Mitsotakis will ausländischen Investoren entgegenkommen. Darauf möchte Xi Jinping bei seinem Athen-Besuch eingehen. Denn die Chinesen haben noch viel vor in Griechenland. Rechtzeitig zum Besuch des Staatschefs eröffnete jetzt die Bank of China eine Niederlassung in Griechenland. Die chinesischen Banker residieren nicht irgendwo, sondern im Athens Tower, dem höchsten Gebäude der griechischen Hauptstadt. Das unterstreicht die Ambitionen der Chinesen.

Vor allem mit Piräus haben sie große Pläne. Cosco will 800 Millionen Euro in den Ausbau des Hafens investieren und so die Umschlagskapazität von gegenwärtig 7,5 Millionen Containereinheiten (TEU) binnen drei Jahren auf zehn Millionen im Jahr steigern. Schon jetzt ist Piräus der größte Containerhafen im Mittelmeer.

Mit dem Ausbauprogramm würde er, gemessen an der heutigen Rangfolge, Hamburg und Bremerhaven überholen und zur Nummer drei in Europa aufsteigen. Auch finanziell eilt Piräus unter der Ägide der Chinesen von Rekord zu Rekord: Im vergangenen Jahr verdoppelte die Hafengesellschaft ihren Gewinn vor Steuern von 21,2 auf 42,3 Millionen Euro.

Die Investitionen in Griechenland bringen aber Peking nicht nur finanziellen Profit, sondern auch eine wertvolle politische Rendite: 2017 blockierte der damalige Premier Tsipras aus Rücksicht auf die chinesischen Investoren im Menschenrechtsrat der Uno eine kritische Resolution der 28 EU-Staaten zur Menschenrechtssituation in China. Peking lobte öffentlich Griechenlands „korrekte Haltung“.

Mehr: Seit dem Kauf durch chinesische Investoren eilt Griechenlands größter Hafen von einem Rekord zum nächsten. Das hat Auswirkungen bis nach Nordeuropa.

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