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Zahlreiche Siedler protestieren Abzug aus dem Gaza-Streifen begonnen

Begleitet vom Widerstand jüdischer Siedler hat Israel um Mitternacht offiziell mit seinem Abzug aus dem Gaza-Streifen begonnen. Zugleich drohte Ministerpräsident Ariel Scharon den Palästinensern mit harten Vergeltungsschlägen, sollten die Angriffe auf Israelis auch nach der Räumung anhalten.
Schilder warnen Israelis vor einem Betreten des Gaza-Streifens. Foto: dpa

Schilder warnen Israelis vor einem Betreten des Gaza-Streifens. Foto: dpa

HB NEWE DEKALIM/JERUSALEM. Tausende Polizisten und Soldaten waren im Einsatz, um den etwa 8500 Siedlern Räumungsbefehle zuzustellen, wonach diese das Palästinensergebiet spätestens an diesem Dienstag verlassen sollen. Wegen mehrerer Straßenblockaden lief die Übergabe schleppend an, ohne zunächst in Gewalt umzuschlagen. „Wir werden nicht stürmen. Unsere Politik ist es, auf allen erdenklichen Wegen Hilfe anzubieten“, sagte Verteidigungsminister Schaul Mofas. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bezeichnete den Abzug als historischen Tag für die Palästinenser.

Die jüdischen Siedler erhielten eine letzte Aufforderung, das Gebiet bis Mittwoch freiwillig zu verlassen. Trotz zahlreicher Proteste und Blockaden waren am Abend bereits einige Siedlungen vollständig geräumt. Offiziellen Angaben zufolge harren derzeit aber noch mehr als die Hälfte der 8500 Siedler im Gaza-Streifen aus. Sie werden von 5000 ultranationalistischen Israelis verstärkt, die die Räumung verhindern wollen. Es ist das erste Mal, dass Israel Land aufgibt, das die Palästinenser für ihren künftigen Staat beanspruchen. An den Abzug sind Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses verknüpft.

Israel hatte den Gaza-Streifen und das Westjordanland im Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzt. Nach der Geste der Israelis warte die Welt nun auf eine angemessene Antwort der Palästinenser, sagte Scharon in einer fünfminütigen Fernsehansprache. „Auf eine zum Frieden ausgestreckte Hand sollten wir mit einem Oliven-Zweig antworten. Aber auf einen Angriff werden wir mit dem härtesten Feuer überhaupt reagieren“, fügte er mit Blick auf möglicherweise anhaltende Angriffe radikaler Palästinenser auf Israelis hinzu. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas lobte den Abzug als wichtigen und historischen Schritt. Dieser dürfe aber nicht auf den Gaza-Streifen beschränkt bleiben, sondern müsse auch das Westjordanland einbeziehen, sagte er.

Die israelische Regierung bestätigte am Montag die Räumung des Siedlungsblocks Gusch Katif im Süden des Küstenstreifens. Insgesamt sollen dort bis Anfang September alle 21 Siedlungen geräumt werden. Im Westjordanland werden den Plänen zufolge vier der 120 Siedlungen aufgegeben. Zwei davon - Ganim und Kadim - seien inzwischen leer, erklärte die Armee am Montagabend. Die Siedler haben noch bis Dienstag um Mitternacht Zeit, freiwillig zu gehen, bevor die Zwangsräumungen beginnen. 50 000 israelische Soldaten und 7500 palästinensische Sicherheitskräfte überwachen den Abzug.

Bei den Palästinensern begannen derweil die Planungen für die Zeit nach dem Abzug. Die Regierung von Abbas legte dem Chefunterhändler Saeb Erekat zufolge den 21. Januar als Termin für die Parlamentswahlen fest - rund ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant.

Abbas forderte zudem die Bevölkerung auf, mit friedlichen Feiern ein zivilisiertes Bild in die Welt zu senden. In Gaza gab es bereits Freudenkundgebungen. Nach Augenzeugenberichten zogen Dutzende von Bewaffneten durch die Stadt. Einige feuerten Freudenschüsse in die Luft, andere knieten dankbar nieder.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte den als historisch bezeichneten Abzug in einem monatelangen politischen Ringen durchgesetzt. Israel will im Gazastreifen binnen weniger Wochen alle 21 jüdischen Siedlungen, im nördlichen Westjordanland vier Siedlungen abbauen. Gleichzeitig will Israel die großen jüdischen Siedlungsblocks im Westjordanland für die Ewigkeit beanspruchen.

Unterdessen haben unbekannte Palästinenser am Montag in Gaza-Stadt einen französischen Fernsehjournalisten entführt. Der bei dem Sender France drei beschäftigte Tontechniker sei mit seinem Team auf dem Weg ins Hotel gewesen, als ihn drei bewaffnete Männer bedroht und in ein Auto gezerrt hätten, teilten Kollegen des Entführten mit. Zu der Entführung des Franzosen algerischer Abstammung bekannte sich zunächst niemand. Frankreich forderte die sofortige Freilassung des Journalisten. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Zwischenfall und kündigte eine harte Bestrafung der Entführer an.

In mehreren Siedlungen verschanzten sich Siedler und angereiste Jugendliche hinter versperrten Toren und Barrikaden vor der Polizei. „Unser Ziel ist, sie zu stören“, sagte Elia Strassel (17), ein Demonstrant in der Siedlung Newe Dekalim, einem der Brennpunkte der Auseinandersetzung. Die Polizei verhandelte stundenlang, bevor sich Beamte durch eine Nebenstraße Zugang verschafften. Später fuhren zivile Lastwagen ein, um den Umzug der Familien zu übernehmen, die dem Räumungsbefehl befolgen wollten. Bis zum Beginn des Abzugs waren etwa 300 der insgesamt rund 1700 jüdischen Siedlerfamilien aus dem Gazastreifen abgereist.

In einem formalen Akt beschloss die israelische Regierung am Montag die zweite Phase des Abzugs. Der israelische Rundfunk berichtete, 16 Minister hätten für die Räumung aller Siedlungen im Gusch-Katif-Block gestimmt. Dagegen votierten vier Minister. In dem monatelangen Streit um den Abzug war vereinbart worden, dass das Kabinett jeweils eine endgültige Zustimmung geben muss.

Unterdessen gab es Berichte, wonach israelische Soldaten verlassene Häuser geplündert haben. Zwei Soldaten seien gefasst worden, als sie in Peat Sadeh Gegenstände entwenden wollten, berichtete die Tageszeitung „Haaretz“. Der Fernsehsender Kanal zehn filmte drei Soldaten, die aus einem anderen Haus einen Kühlschrank stahlen.

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