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Zeitumstellung Wird die Schweiz jetzt eine europäische Zeitinsel?

EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker will die Zeitumstellung abschaffen – innerhalb der EU. Doch was bedeutet das für die Schweiz?
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Wird die Schweiz jetzt eine europäische Zeitinsel? Quelle: dpa
Wird die Schweiz eine Zeitinsel?

Innerhalb der EU soll die Sommerzeit gelten. Nun müssen die Eidgenossen entscheiden, ob sie nachziehen.

(Foto: dpa)

ZürichDie geplante Abschaffung der Zeitumstellung in der EU setzt auch die Nachbarländer unter Zugzwang – darunter die Schweiz. Die Eidgenossen hatten sich der Sommerzeit nur widerwillig angeschlossen. 1978 lehnten sie die Sommerzeit mit einem Referendum ab, später kam sie dann aber doch durch die Hintertür. Die Ankündigung von EU-Kommissionspräsident Juncker sorgt deshalb nun auch in der Eidgenossenschaft für hitzige Debatten.

Als die Europäische Gemeinschaft Ende der 1970er-Jahre einheitliche Regeln für die Zeitumstellung plante, wollte die Regierung der Schweiz mitziehen. Das so genannte „Zeitgesetz“ sollte die Sommerzeit einführen, um ein Chaos zu vermeiden – doch Bern hatte die Rechnung ohne die Bürger gemacht.

Gegen das Gesetz regte sich scharfer Widertand: Fünf Landwirte kämpften gegen die „unnatürliche Zeit“ – und sammelten schnell zehntausende Unterschriften. Die Sommerzeit sei schlecht für die Menschen, aber auch für die Tiere. Sie fürchteten etwa, dass Kühe dann weniger Milch geben. Auch sei die Sommerzeit ein Diktat aus dem Ausland. Die Kampagne der Sommerzeit-Gegner wirkte: 1978 lehnte die Mehrheit der Schweizer das Zeitgesetz ab.

Die Folge: Die Schweiz wurde zur Zeitinsel. Als die europäischen Nachbarn im Frühjahr 1980 erstmals die Uhren zur Sommerzeit umstellten, gingen die Uhren in der Schweiz buchstäblich anders – mit bizarren Folgen: Die schweizerische Eisenbahn fuhr nach einem Sonderfahrplan, der für Millionen Franken an Mehrkosten sorgte. Und Mitarbeiter, die an der Grenze arbeiteten, mussten länger arbeiten.

Ein Jahr später führte die Regierung die Zeitumstellung dann doch ein – trotz der eindeutigen Volksabstimmung. Der große Protest blieb aus, mit der Sommerzeit konnten sich viele Schweizer dennoch nicht anfreunden. 1982 versuchte der damals junge SVP Politiker Christoph Blocher, eine neue Initiative gegen die Zeitumstellung zu lancieren – doch sie kam nicht zustande.

Mit seiner Ankündigung, die Sommerzeit einzuführen, hat Kommissionspräsident Juncker auch die Schweizer überrascht. Viel spricht aber dafür, dass sie bei der Abschaffung mitziehen dürften – um nicht noch einmal zur Zeitinsel zu werden.

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1 Kommentar zu "Zeitumstellung: Wird die Schweiz jetzt eine europäische Zeitinsel?"

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  • Die Schweizer koennen machen was sie wollen. Und da die Kuehe keine schweizer Uhren
    nutzen, werden sie gleichviel Milch produzieren, die Laenge der Tage aendert sich nicht.