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Zensusdaten 2021 Chinas Bevölkerung wächst so langsam wie seit Jahrzehnten nicht

Das Land verzeichnet das langsamste Wachstum seit der Aufzeichnung. Der rasche demografische Wandel wird enorme Auswirkungen auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt haben, warnen Experten.
11.05.2021 - 09:37 Uhr Kommentieren
Mitte April hatten chinesische Staatsmedien bereits berichtet, dass acht Städte in der Volksrepublik einen Bevölkerungsrückgang verkündet hätten. Quelle: Reuters
Fußgängerzone in Nanjing, Schanghai

Mitte April hatten chinesische Staatsmedien bereits berichtet, dass acht Städte in der Volksrepublik einen Bevölkerungsrückgang verkündet hätten.

(Foto: Reuters)

Peking Die Plätze in dem kleinen, mit weißem Marmor verkleideten Saal sind bis auf den letzten alle besetzt, als Ning Jizhe, Direktor des chinesischen Statistikamts, die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der jüngsten Volkszählung bei einer Pressekonferenz in Peking verkündet. „Die Daten zeigen, dass die Bevölkerung in der letzten Dekade weiterhin leicht gewachsen ist“, sagt Ning.

Allerdings ist es das langsamste Wachstum seit der Aufzeichnung der Zensusdaten Anfang der 50er-Jahre, wie die Zahlen zeigen. In den vergangenen zehn Jahren hat die Bevölkerung demnach im Durchschnitt nur noch 0,53 Prozent pro Jahr zugelegt und liegt nun bei 1,41 Milliarden Menschen. Beim letzten Zensus im Jahr 2010 betrug die jährliche Wachstumsrate noch 0,57 Prozent.

Die Ergebnisse der neuesten Volkszählung, die nur alle zehn Jahre stattfindet, sollten eigentlich bereits Anfang April veröffentlicht werden. Der Zensus gibt einen Einblick darüber, wie schnell die Bevölkerung in der Volksrepublik altert – ein Wandel, der auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt enorme Auswirkungen hat. Entsprechend heikel sind die Zahlen auch für die chinesische Staatsführung.

In einem Bericht der „Financial Times“ hatte es kurz vor der Veröffentlichung der offiziellen Statistik unter Berufung auf Insider geheißen, dass die Bevölkerung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt erstmals seit 60 Jahren geschrumpft sei. Das wäre - ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Kommunistischen Partei - ein fatales Signal gewesen.

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    Vertreter der Statistikbehörde begründeten die Verzögerung der Daten am Dienstag mit einer besonderen Sorgfalt bei deren Auswertung. Experten zweifeln jedoch an der Echtheit der Zahlen – und vermuten, dass die Bevölkerung schon jetzt schrumpft.

    Mitte April hatten chinesische Staatsmedien berichtet, dass acht Städte in der Volksrepublik bereits einen Bevölkerungsrückgang verkündet hätten. Personen, die dem Nationalen Statistikbüro nahestehen, sagten laut „Financial Times“, dass die ursprüngliche Bevölkerungszahl bei weniger als 1,4 Milliarden lag, aber nach oben korrigiert wurde.

    Zensus in China: Zweifel an den Zahlen

    Das Statistikamt hatte bei der Vorlage des Zensus keine Angaben bezüglich Geburten- und Sterberate gemacht. Auf eine Frage bei der Pressekonferenz teilten Vertreter der Behörde mit, dass die Geburtenrate pro Frau bei 1,3 lag. Eigentlich hatte die chinesische Führung mit dem Ende der Ein-Kind-Politik im Jahr 2016 das Ziel ausgegeben, 2020 auf eine Geburtenrate von 1,8 Kindern pro Paar zu kommen.

    Die geringe Geburtenrate sei auf den anhaltenden Rückgang der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter und die allmähliche Abschwächung des „Zweit-Kind-Effekts“ beeinflusst worden, sagte Statistikamt-Direktor Ning.

    Laut Angaben von chinesischen Behörden sank die Zahl der registrierten Geburten im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf rund zehn Millionen. Auch in den Jahren zuvor war sie bereits zurückgegangen.

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    Der Anteil der Menschen über 60 Jahre wuchs laut den neusten Zensusdaten auf 18,7 Prozent. Im Jahr 2010 waren es noch 13,3 Prozent gewesen. Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter schrumpfte hingegen um 6,79 Prozentpunkte.

    „Die wahre Bevölkerungszahl hat 2020 höchstwahrscheinlich die 1,28 Milliarden nicht überschritten – weit weniger als die offiziell genannten 1,4 Milliarden“, sagte der Familienplanungsexperte Yi Fuxian von der Universität von Wisconsin der Nachrichtenagentur dpa. Die Statistik sei stark nach oben manipuliert worden. „Das Problem ist sehr ernst“, so Yi. „Es bedeutet, dass Chinas Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung und Verteidigung auf falschen Bevölkerungsdaten basiert.“

    Rückgang der Erwerbspersonen

    Die alternde Bevölkerung Chinas und wie schnell der demografische Wandel sich ereignet, hat enorme Auswirkungen auf sehr vielen Ebenen und ist entscheidend für das Wachstum der Volksrepublik. Zum einen rechnen Experten damit, dass die erwerbsfähige Bevölkerung in den kommenden Jahren immer weiter schrumpfen wird.

    So prognostizierte das Londoner Wirtschaftsforschungsinstitut Capital Economics jüngst, dass die erwerbsfähige Bevölkerung um 0,5 Prozent jährlich zurückgehen könnte.

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    Auf weniger berufstätige Menschen kommen auf der anderen Seite mehr Rentner – eine Belastung für die Pensionskassen. Derzeit wird daher eine Anhebung des im internationalen Vergleich sehr niedrigen Renteneintrittsalter diskutiert.

    Der Wandel in der Demografie wird auch Auswirkungen auf den Konsum haben – dabei hat die chinesische Staatsführung das Ziel ausgegeben, diesen in den nächsten Jahren zu steigern.

    Selbst offizielle Vertreter sind skeptisch, dass der Wandel in der Bevölkerungsstruktur durch eine bessere Ausbildung oder mehr Innovationen wettgemacht werden kann. „Bildung und technologischer Fortschritt können den Rückgang der Bevölkerung nicht ausgleichen“, schrieb die chinesische Zentralbank jüngst in einem Arbeitspapier.

    Die chinesische Regierung hofft auf eine Anhebung der Geburtenrate. Der Anteil der Kinder an der Gesamtbevölkerung sei erneut gestiegen, sagte Statistikamt-Direktor Ning am Dienstag. So sei der Anteil der Altersgruppe von null bis 14 im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2010 um 1,35 Prozentpunkte gestiegen.

    „Das zeigt, dass die Anpassung der Fertilitätspolitik positive Ergebnisse erzielt hat“, so Ning. Die chinesische Regierung hatte die über Jahrzehnte drakonisch durchgesetzte Ein-Kind-Politik im Jahr 2016 weitgehend beendet und Paaren erlaubt, bis zu zwei Kinder zu bekommen.

    Mehr: Die Vergreisung im Eiltempo wird für Chinas Wirtschaft zum Problem

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