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Zentralamerika Migrantenstrom zieht weiter Richtung USA – und Washington verschärft den Ton

Die Regierung in Mexiko geht den Streit um Migranten auf dem Weg in die USA gelassen an. Trump hingegen wütet im Netz – das könnte die Stabilität in Zentralamerika gefährden.
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Rund 1200 Kilometer südlich an der Grenze zu Guatemala haben Hunderte Migranten die Grenze zu Mexiko überwunden. Quelle: AFP
Flüchtlingsstrom

Rund 1200 Kilometer südlich an der Grenze zu Guatemala haben Hunderte Migranten die Grenze zu Mexiko überwunden.

(Foto: AFP)

Mexiko-StadtDer Konflikt um das Thema Migration zwischen den USA und Mexiko geht gerade in eine neue Runde. Und es bahnt sich ein größerer Konflikt zwischen den beiden Nachbarstaaten an. Auslöser ist einer Karawane von rund 4000 zentralamerikanischen Migranten, die sich auf dem Weg in die USA befindet.

Bei einem Besuch in Mexiko forderte US-Außenminister Mike Pompeo von Mexiko am Freitag nachdrücklich, die Karawane zu stoppen, bevor sie mexikanisches Territorium betritt. „Wir stehen vor einer Migrationskrise“, sagte Pompeo bei einer gemeinsamen Presskonferenz mit seinem mexikanischen Amtskollegen Luis Videgaray.

Pompeo und Videgaray hätten über die Bedeutung gesprochen, die mittelamerikanischen Migranten zu stoppen, bevor sie die Grenze der USA erreichten. Videgaray hingegen beharrte auf Mexikos Souveränität beim Umgang mit den Flüchtlingen. „Die Migrationspolitik Mexikos bestimmt Mexiko“, sagte der Außenminister, der betonte, dass man die „humanitären Rechte“ der Migranten wahren werde.

Migranten stoßen mit Polizei zusammen

Die Forderung von Pompeo war kaum verhallt, da überwanden rund 1200 Kilometer südlich an der Grenze zu Guatemala Hunderte Migranten die Grenze zu Mexiko. Dabei kam es zu Tumulten mit Polizisten. Zäune wurden niedergedrückt, die Migranten warfen Steine auf die Sicherheitskräfte. Mehrere Menschen, darunter auch Polizisten und Journalisten, erlitten Verletzungen oder Schwächeanfälle. Die Menschen riefen: „Wir Migranten sind keine Kriminellen, wir sind internationale Arbeiter“.

Am Freitagabend dann wandte sich ein sichtlich verärgerter Präsident Enrique Peña Nieto in einer Rede an die Nation und sagte, sein Land werde nicht tolerieren, dass sich Menschen „gewaltsam und ohne die notwendigen Papiere“ Zutritt verschafften. „Das ist eine völlig neue Situation“. Der Präsident betonte, dass die Polizei die Ordnung an der Grenze inzwischen wieder hergestellt habe und dass die Behörden in „respektvoller Form“ mit den Flüchtlingen reden würden.

Die mexikanischen Behörden begannen nach eigenen Angaben, Flüchtlinge in Migrationszentren zu bringen. Dutzende Frauen und Kinder seien in Bussen in Unterkünfte gebracht worden, wo sie bleiben, bis ihre Papiere geprüft sind, teilte die Migrationsbehörde des Landes mit.

US-Präsident Donald hatte dem südlichen Nachbarn am Donnerstag in einer Serie von wütenden Tweets mit scharfen Konsequenzen wie der Grenzschließung gedroht, sollte Mexiko nicht die Menschen stoppen, die angesichts der Hoffnungslosigkeit in ihren Ursprungsländern Honduras, El Salvador und Guatemala in den Vereinigten Staaten eine neue Lebensperspektive suchen.

Trump bezeichnet die zentralamerikanischen Migranten als Bedrohung für sein Land und rückte die Gruppe in die Nähe Krimineller und Drogendealer. Bei den Menschen handelt es sich aber zu großen Teilen um Frauen, Kinder und Alte. Viele wollen zu ihren Männern in die USA, die dort bereits als Migranten ohne Papiere leben. Nach Angaben der US-Regierung sind 2017 aus Zentralamerika 225.000 Menschen in die Vereinigten Staaten eingereist. Die ganz große Mehrheit ohne die notwenigen Papiere.

Mexikos in sechs Wochen aus dem Amt scheidende Regierung reagiert aber weitgehend teilnahmslos auf die Drohungen aus Washington. Peña Nieto schickte lediglich 250 Bundespolizisten an die Südgrenze zu Guatemala, um den Übertritt der Zentralamerikaner über den Grenzfluss Suchiate oder den Landweg zu erschweren.

Daher drohte Trump am Donnerstag damit, die 3000 Kilometer lange Grenze zu Mexiko zu schließen und das Militär dort zu stationieren, sollten die Einwanderungsbehörden die Durchreise der Zentralamerikaner nicht verhindern. Der US-Präsident machte in seinen Botschaften über den Kurznachrichtendienst Twitter zudem klar, dass ihm das Thema der Zuwanderung deutlich wichtiger sei als das Handelsthema.

Gerade erst hatten sich die USA und Mexiko und später auch Kanada auf Druck Trumps auf ein neues Handelsabkommen mit Namen USMCA geeinigt, welches das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA von 1994 ablösen soll.

Der US-Staatschef hatte auch El Salvador, Guatemala und Honduras mit der Einstellung der Hilfszahlungen gedroht, wenn sie die Karawane nicht stoppen können. Die Länder Zentralamerikas sind in hohem Maße von Hilfsgeldern abhängig und alleine kaum lebensfähig.

Diese Staaten sind wirtschaftlich abgehängt und sozial gebeutelt von der Gewalt der Jugendbanden, die in Ländern wie El Salvador beinahe mächtiger sind als die Regierungen und die Bevölkerung tyrannisieren. Der Dreiklang aus Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit treibt die Menschen zu Hunderttausenden in die Flucht.

Neuer Staatschef kündigt neue Linie an

Mexikos künftiger Staatschef Andrés Manuel López Obrador kündigte am Donnerstag eine Wende in der Migrationspolitik an, die etwas Druck aus dem schwierigen Zuwanderungsthema zwischen Mexiko und den USA nehmen könnte. Der Linkspolitiker, der am 1. Dezember sein Amt antritt, wird mit Beginn seines Mandats Arbeitsvisa an zentralamerikanische Migranten ausgeben.

Dies habe er auch mit Trump besprochen, sagte López Obrador. Außerdem will er den US-Präsidenten von einem gemeinsamen Entwicklungsplan für Zentralamerika überzeugen, mit dem die Fluchtursachen in den dortigen Staaten beseitigt werden sollen. „Wer dennoch auswandern will, soll in Mexiko eine Chance bekommen“, versprach der künftige mexikanische Präsident.

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1 Kommentar zu "Zentralamerika: Migrantenstrom zieht weiter Richtung USA – und Washington verschärft den Ton"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sollte man jeden einfach ohne Kontrolle ins Land lassen? = Nein (Hier stimmt mir hoffentlich jeder zu)
    Sollte man Menschen denen es schlechter geht als uns helfen = Ja

    Funktioniert das, wenn man einfach die Leute die losmarschieren und sich nicht an die Regeln halten belohnt?

    Bei der Frage scheinen sich die Leute nicht einig zu sein, was ich nicht nachvollziehen kann. Es gibt Regeln und die werden offensichtlich nicht eingehalten. Belohnt man so ein Verhalten werden mehr Leute diesem Beispiel folgen.