Zoff zwischen China und Nordkorea Kim Jong Un geht in die Offensive

Kim Jong Un hat es sich mit China verscherzt. Nun hat Peking im Rahmen von Uno-Sanktionen einen Teil der Kohleimporte aus Nordkorea eingestellt. Pjöngjang wehrt sich mit einer Schimpftirade. Was ist los in Ostasien?
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Einige Experten glauben, dass Kim, der Führer, seinen Halbbruder umbringen ließ, um einen möglichen Rivalen um den Thron auszuschalten. Quelle: Reuters
Kim Jong Un

Einige Experten glauben, dass Kim, der Führer, seinen Halbbruder umbringen ließ, um einen möglichen Rivalen um den Thron auszuschalten.

(Foto: Reuters)

TokioNordkoreas Propagandamaschine schlägt wieder zu. Doch dieses Mal sind nicht die USA, Südkorea oder Japan die Adressaten der einfallsreichen Schimpftiraden aus Pjöngjang, sondern Schutzmacht und Finanzier China. In einer Art offenem Brief wirft Nordkoreas Führer Kim Jong Un dem großen Bruder vor, gemeinsame Sache mit dem Feind zu machen. Denn China hatte es sich erlaubt, nach einem verbotenen Raketentest die Kohleimporte aus Nordkorea für den Rest dieses Jahres einzustellen.

Der Artikel in der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA ist so verächtlich, dass er China nicht einmal beim Namen nennt. Die Schutzmacht wird lediglich als „benachbartes Land“ tituliert, das sich „als freundlicher Nachbar“ bezeichne. Und dieser Nachbar habe immer behauptet, dass die Sanktionen der Vereinten Nationen (Uno) den Alltag des Volks nicht treffen dürfen, so die KCNA, das Sprachrohr von Kims Regierung. „Aber seine jüngsten Maßnahmen entsprechen den Machenschaften der Feinde, das soziale System der DPRK zu stürzen.“

Das Fazit ist dementsprechend vernichtend. „Jenes Land, das sich selbst zur Großmacht stilisiert, tanzt nach der Musik der USA.“ Es sei extrem kindisch zu denken, dass Nordkorea die Herstellung von Atomwaffen und Interkontinentalraketen einstellen würde, nur weil ein paar Penny weggeschnitten würden, so die KCNA.

Die chinesische Übersetzung des offenen Briefs Nordkoreas soll sich noch ein wenig schärfer lesen, sagen einige Experten. Doch auch die westliche Variante macht klar, dass Peking mit seinen neuen Sanktionen einen empfindlichen Nerv des Nordens getroffen hat: die Deviseneinnahmen. Voriges Jahr machte Kohle immerhin 42 Prozent von Nordkoreas Ausfuhren aus. Der chinesische Importstopp könnte daher ein Loch von einer Milliarden Dollar bedeuten, meint Alison Evans vom Risikoberater IHS Country Risk. „Aber der wirtschaftliche Schaden dürfte größer sein, da China eine der wenigen Devisenquellen Nordkoreas ist“.

Pjöngjang – Tristesse in Grau
Bauklotz-Tristesse
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Wie unsortiert aufgestellte Bauklötze ragen die Hochhäuser in Pjöngjang in die Luft. Viele von ihnen sind trotz den frischen Anstrichen heruntergekommen, einige wirken gar verwahrlost.

Bunt und doch verwahrlost
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Knapp 2,9 Millionen Nordkoreaner leben in der Hauptstadt Pjöngjang, die zugleich auch die größte Stadt des Landes ist. Viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

Ungepflegte Häuser sind normal
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Betrachtet man die Häuser aus der Nähe, sieht man, wie ungepflegt die Wohnblöcke aussehen. Umgerechnet gerade einmal 100 Euro verdient ein durchschnittlicher Arbeiter. Zu wenig, um das eigene Zuhause zu renovieren.

Besserung in kleinen Schritten
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Dabei sieht die Stadt heute moderner und oftmals gepflegter aus als noch vor zehn Jahren. In diesem Viertel etwa leben besser verdienende Schichten, wie etwa Wissenschaftler und Ingenieure. Vereinzelt sind auch Autos zu sehen. Ein Bild, das die Verantwortlichen vermutlich gerne nach außen dringen lassen.

Im Netz
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Seit einigen Jahren gibt es in der Diktatur sogar Zugänge zu Computern und auch dem Internet. Knapp 7.000 Menschen surfen regelmäßig, weniger als 50 Internetadressen sind verfügbar.

Prunk nach außen
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Besonders stolz ist die Regierung in Nordkorea auf die modernen sauberen Metrostationen in Pjöngjang. Die Metro gilt als eine der tiefsten der Welt.

Grau, Grauer, Pjöngjang
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Abseits der Propagandabilder von Metrostationen und moderner Technik bietet sich das wahre Bild von Pjöngjang: Graue Tristesse, eingehüllt in grau-weißen Smog, der sich über die Plattenbauten der Stadt legt. Im Mittelpunkt des Fotos: Das Monument der Parteigründung.

Stephen Haggard vom Peterson Institute of International Economics, einem amerikanischen Thinktank, sieht in Chinas Schnitt daher „möglicherweise eine der wichtigsten Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel” seit 2002. Damals startete Nordkorea sein Atomwaffenprogramm neu. „China scheint zu signalisieren, dass es genug hat“, meint Haggard. Offen bleibt, ob der Bann eine wirkliche Wende in Chinas Nordkorea-Politik der schützenden Hand darstellt und vor allem warum China ausgerechnet jetzt so reagiert.

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