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Zug wird am Dienstag in Gorleben erwartet Tödlicher Zwischenfall bei Castor-Transport

Beim Atommülltransport aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Deutschland ist es trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen am Sonntag zu einem schweren Unfall gekommen.

HB NANCY/DANNENBERG. Bei dem Castor-Transport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben ist erstmals ein Atomkraftgegner bei einer Protestaktion ums Leben gekommen. In der Nähe von Avricourt in Lothringen kurz vor der deutschen Grenze überrollte der Zug mit den zwölf Atommüllbehältern einen 21-jährigen Franzosen, der sich an die Gleise gekettet hatte. Das bestätigte der Bundesgrenzschutz im niedersächsischen Dannenberg, der mit den französischen Behörden in Nancy in ständigem Kontakt steht. Dem Mann wurden nach Angaben der Polizei in Nancy beide Beine abgefahren. Die Feuerwehr hatte vergeblich versucht, den Mann wiederzubeleben.

Wenige Stunden nach dem Unfall setzte der Zug mit den hoch radioaktiven Glaskokillen seine Fahrt fort. Er sollte nach Angaben der Polizei im rheinland-pfälzischen Wörth gegen 20.15 Uhr die deutsche-französische Grenze passieren.

Nach Angaben der Bahngesellschaft SNCF in Paris ereignete sich das Unglück in einer Kurve. Der Führer der ersten Lokomotive habe die kleine Gruppe Demonstranten zu spät gesehen. Er habe sofort die Notbremse gezogen, den schweren Zug aber nicht mehr rechtzeitig stoppen können. Für den Transport ist die Bahn zuständig. Ein Sprecher des Kerntechnikkonzerns Cogema sagte, der Transport werde nur von einem Cogema-Mitarbeiter begleitet. Die Cogema bedauerte den „dramatischen Unfall“.

Im niedersächsischen Hitzacker versammelten sich am Abend mehrere hundert Menschen zu einer spontanen Trauerkundgebung. Ausgestattet mit Kerzen und Laternen forderten sie die „Stilllegung aller Atomanlagen weltweit“. Die Grünen forderten in Berlin die lückenlose Aufklärung des Unglücks. Zudem appellierten der Parteivorstand an die Demonstranten, sich bei den Protesten nicht in Gefahr zu begeben. Auch die Anti-Atom-Kampagne „X- tausendmal quer“ mahnte ihre Anhänger zur Besonnenheit.

Der Transport war am Samstagabend am Verladebahnhof Valognes bei La Hague gestartet. Nach dem ursprünglichen Zeitplan wurde er am Nachmittag in Deutschland erwartet. Mit der Ankunft der Atommüllbehälter im Zwischenlager Gorleben wurde spätestens am Dienstag gerechnet. Zuvor müssen die Behälter in Dannenberg von den Eisenbahnwaggons auf Tieflader umgesetzt werden.

Der Zug war bereits bei Laneuveville-devant-Nancy zwei Stunden lang aufgehalten worden, weil sich dort zwei Demonstranten ebenfalls an die Gleise gekettet hatten. Die beiden Umweltschützer wurden in Nancy der Polizei übergeben.

Am Samstag hatten sich zum Auftakt der Proteste an einer Demonstration in Dannenberg nach Angaben der Atomkraftgegner 5500 Menschen aus ganz Deutschland beteiligt. Die Polizei zählte etwa 4500 Menschen. „Es war eine sehr friedliche Demonstration“, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg. Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sprach von einem „riesigen Erfolg“. Auch am Sonntag kam es zu kleineren Protesten und vereinzelten Straßenblockaden im Wendland. Auch im rheinland-pfälzischen Wörth, wo der Zug ursprünglich am Nachmittag erwartet wurde, gab es eine Demonstration.

Trotz eines Demonstrationsverbotes an der Transportstrecke kündigten die Atomkraftgegner Proteste auf Straßen und Schienen an. „Wir werden uns die Möglichkeit, öffentlichkeitswirksam Aktionen zu machen, nicht nehmen lassen“, sagte Jürgen Sattari von der Umweltorganisation Robin Wood. Die Initiativen „X-tausendmal quer“ und „WiderSetzen“ planen nach Angaben von Sprechern vor allem für die Schlussphase des Transportes zwei große Sitzblockaden auf der Straße Richtung Gorleben.

Am Samstag hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg das von der Bezirksregierung verhängte Demonstrationsverbot auf Straßen und Schienen bestätigt. Es hob damit eine vorausgegangene Entscheidung des Verwaltungsgerichtes auf, das ein Demonstrationsverbot auf der Schiene für zulässig, auf den Straßen aber für „unverhältnismäßig“ erklärt hatte.

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