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Zukunft der Arbeit Uno-Organisation ILO will Standards für Digitalarbeit einführen

Eine Expertenkommission macht Vorschläge für zukünftige Arbeitsverhältnisse – besonders „Clickworker“ oder Lieferfahrer müssten geschützt werden.
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Essenslieferdienste, wie Foodora oder Deliveroo, basieren auf der Plattformökonomie. Die Fahrer sind oft Minijobber oder Selbstständige. Quelle: Bloomberg
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Essenslieferdienste, wie Foodora oder Deliveroo, basieren auf der Plattformökonomie. Die Fahrer sind oft Minijobber oder Selbstständige.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Die Arbeitswelt von morgen lässt sich nur mit globalen Mindeststandards für die Plattformökonomie und klaren Regeln für den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) human gestalten. Das sind zwei Schlussfolgerungen der Globalen Kommission zur Zukunft der Arbeit, die für die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) einen rund 80 Seiten dicken Bericht erstellt hat. Er wird am Dienstag am Sitz der Uno-Unterorganisation in Genf vorgestellt und liegt dem Handelsblatt vor.

Gravierende Umbrüche wie der demografische Wandel und die Digitalisierung müssten aktiv gestaltet werden, weil Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten sonst leicht die Gesellschaften und das internationale Gefüge erschüttern könnten, schreibt das 27-köpfige Gremium aus Politikern, Wissenschaftlern, Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaftern. Es steht unter dem Vorsitz des südafrikanischen Präsidenten Matamela Cyril Ramaphosa und des schwedischen Premiers Stefan Lövfen.

Erforderlich sei eine am Menschen orientierte Agenda für die Gestaltung der Arbeitswelt, betont der SPD-Bundesgeschäftsführer und frühere Staatssekretär im Arbeitsministerium, Thorben Albrecht, der für Deutschland in der Kommission saß.

„Das gilt von einem universellen Anspruch auf lebenslanges Lernen über Unterstützung bei Übergängen im Arbeitsleben bis zu unserer Forderung, dass in der Arbeitswelt der Mensch die Letztentscheidung behalten muss und diese nicht an Künstliche Intelligenz abgegeben werden darf“, sagte Albrecht dem Handelsblatt.

Deutschland hat sich vor allem für internationale Crowdworking-Mindeststandards starkgemacht. Über Plattformen wie Amazon Mechanical Turk, Jovoto oder Local Motors werden Aufträge ins Netz gestellt, um die Interessenten konkurrieren können. Das Spektrum reicht von einfachen Rechercheaufträgen bis hin zum Autodesign.

Während das Phänomen in Deutschland mit geschätzt gut einer Million „Clickworkern“ noch ein Nischendasein fristet, ist es laut Albrecht in den USA oder einigen Schwellenländern schon weiter verbreitet. Zur Plattformökonomie zählen aber auch Bringdienste wie Deliveroo oder Foodora, die ihre Fahrer oft als Selbstständige oder auf Minijob-Basis beschäftigen.

Die Globale Kommission sieht hier Handlungsbedarf, damit Arbeit nicht zergliedert und für Centbeträge in alle Welt verteilt wird: „Crowdwork-Plattformen und über Apps vermittelte Tätigkeiten, die die Plattformwirtschaft bilden, könnten die Arbeitspraktiken des 19. Jahrhunderts wieder aufleben lassen und künftige Generationen von ,digitalen Tagelöhnern‘ hervorbringen“, heißt es in dem Bericht.

Gefahr der Überwachung

Die Kommission macht sich deshalb für internationale Mindeststandards stark, wie sie die ILO etwa schon für die Seeschifffahrt durchgesetzt hat. Diese Regeln müssten anschließend ständig auf Anpassungsbedarf überprüft werden.

Mit Blick auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz oder digitaler Assistenzsysteme erkennen die Autoren des Berichts zwar die vielfältigen sich bietenden Chancen an. Gleichzeitig mahnen sie aber, beim Einsatz von Sensoren oder intelligenter Kleidung den Datenschutz zu wahren und die Beschäftigten vor permanenter Überwachung zu schützen.

Trotz einer Vielzahl von Studien, die vor zum Teil gravierenden Jobverlusten durch die Digitalisierung warnen, werde den Menschen die Arbeit aber nicht ausgehen, erwartet die Kommission. Arbeit helfe nicht nur, materielle Bedürfnisse zu erfüllen, sondern könne ein Gefühl von Identität und Zugehörigkeit vermitteln.

Umso wichtiger sei es aber, allen Menschen trotz der erwarteten Umbrüche eine Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, heißt es in dem Bericht. Erforderlich sei deshalb etwa ein universeller Anspruch auf lebenslanges Lernen.

Die Finanzierung könnte etwa durch neue Fonds gesichert werden. Die Kommission macht sich aber auch für einen zur Bestreitung des Lebensunterhalts angemessenen Lohn, mehr Zeitsouveränität für die Beschäftigten oder ein Recht auf kollektive Interessenvertretung stark.

Im Weltmaßstab sind die Herausforderungen immens. Schon um die Arbeitslosigkeit auf null zu senken, müssten weltweit 190 Millionen neue Jobs geschaffen werden. Angesichts des erwarteten Bevölkerungswachstums sind darüber hinaus bis 2030 weitere 344 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze erforderlich.

Zwei Milliarden Menschen weltweit verdienen ihren Lebensunterhalt in der informellen Wirtschaft, also in der Regel ohne Versicherungsschutz oder abgesicherte Rechte. 300 Millionen Arbeitnehmer müssen mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag auskommen.

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