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Zum Tod von Kofi Annan Ein Hauch von Heiligkeit

Der frühere UN-Generalsekretär wird nach seinem Tod nahezu vorbehaltlos verehrt. Doch seine Friedensbilanz fällt eher gemischt aus.
Update: 19.08.2018 - 16:14 Uhr Kommentieren
Er führte die Vereinten Nationen mit ruhiger Hand durch zehn sehr wechselhafte Jahre. Quelle: AFP
Kofi Annan

Er führte die Vereinten Nationen mit ruhiger Hand durch zehn sehr wechselhafte Jahre.

(Foto: AFP)

GenfSchon zu Lebzeiten galt Kofi Annan als Lichtgestalt. In dem langjährigen Generalsekretär der Vereinten Nationen schienen sich alle Tugenden zu bündeln. Der afghanische Staatschef Hamid Karsai huldigte Annan als „Präsidenten der Welt“. Und Timothy Wirth von der UN-Stiftung wollte einen „Hauch von Heiligkeit“ bei dem Charismatiker mit der Wohlfühlstimme erkennen.

Auch jetzt, nachdem Annan am vergangenen Samstag im Alter von 80 Jahren nach kurzer Krankheit in Bern gestorben ist, häufen sich erneut die Superlative. Annan der Geduldige. Annan der Galante. Annan der Gute. Die nahezu grenzenlose Verehrung für den Friedensnobelpreisträger von 2001 ist erstaunlich.

Zwar erzielte der erste Generalsekretär aus Schwarzafrika Erfolge bei der UN-Reform. Und im kollektiven Gedächtnis seiner Anhänger bleibt Annans mutiger Widerspruch gegen die US-geführte Invasion in den Irak 2003 fest verankert. Ein Krieg ohne UN-Mandat sei illegal, beschied der Generalsekretär damals.

Mit Annans Name verbinden sich aber ebenso wolkige Reden, Schlappen und Tragödien. Der siebte Generalsekretär stieß schnell an die Grenzen des „unmöglichsten Jobs der Welt“, wie der erste UN-Generalsekretär Trygve Lie den Posten einmal nannte.

Annan blieb denn auch vage, als er zum Ende seiner Amtszeit (1997 bis 2006) seine Errungenschaften nennen sollte. „Eines der wichtigen Dinge, auf die wir uns in den vergangenen zehn Jahren konzentriert haben, ist die Armut und die ökonomische Entwicklung“, sagte er.

Unter seiner Ägide hatten die UN die sogenannten Millenniums-Entwicklungsziele proklamiert. Die Habenichtse im Süden sollten bis 2015 am Wohlstand teilhaben. Regierungen versprachen, Seuchen niederzuringen und die Tore der Bildungsanstalten für alle zu öffnen.

Zentrale Vorgaben wurden jedoch nicht erreicht. Das Elend der Welt ließ sich nicht in einigen wenigen Jahren ausmerzen, wie Annan seinen Zuhörern oft erzählte.

Annans Friedensbilanz fällt ebenfalls eher gemischt aus. Der „extrem aktive internationale Führer“, wie der frühere UN-Untergeneralsekretär Brian Urquhart seinen Freund Annan nannte, schaltete sich zwar erfolgreich in die Unabhängigkeitsbestrebungen Ost-Timors von Indonesien ein.

Rückschlag im Irak

Schwere internationale Krisen wie diejenige um Irans mutmaßliches Atomwaffenprogramm konnte der erste Mann des UN-Sekretariats aber nicht entschärfen. Der Afrikaner Annan mühte sich auch vergeblich, die Gemetzel in Sudans Provinz Darfur zu stoppen.

Einen seiner Tiefpunkte erlebte Annan 1998 in Bagdad. Er wollte erreichen, dass der Irak mit den UN-Waffeninspektoren kooperiert. Der Diktator Saddam Hussein empfing den Generalsekretär in einem Palast, man schmauchte Zigarren, Annan ließ sich vom rauen Charme des Herrschers betören. „Kann ich Saddam Hussein trauen?“, fragte Annan, um die Antwort gleich zu geben: „Ich kann mit ihm Geschäfte machen.“

Saddam aber scherte sich nicht um seine Zusagen. Die Iraker missbrauchten ein humanitäres UN-Programm. Generalsekretär Annan erhielt bei den Untersuchungen des Skandals nicht die besten Noten.

Auch die Aufarbeitung zweier blutiger Gemetzel hatte für Annan lange keine Dringlichkeit. Annan habe dem Völkermord 1994 in Ruanda und dem Massenmord der Serben an wehrlosen Muslimen 1995 in Srebrenica nur zugeschaut, behaupteten Kritiker. Seinerzeit dirigierte Annan in der New Yorker Zentrale die Blauhelmeinsätze.

Annan erblickte 1938 als Adelsspross an der Goldküste im Westen Afrikas das Licht der Welt, dem heutigen Ghana. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Management in den USA, er verfeinerte seine Kenntnisse der internationalen Politik am Uni-Institut HEI in Genf. Je mehr der junge Mann von der Welt und ihren Malaisen erfuhr, umso mehr wuchs sein Verlangen, diese Welt zu heilen.

In der Weltgesundheitsorganisation in Genf begann 1962 sein Aufstieg. Es folgen Stationen auf drei Kontinenten. Mit jedem Job wurde der Junge von der Goldküste geschmeidiger, geschickter, ehrgeiziger.

Schließlich fanden die USA Gefallen an ihm und machten aus ihm den UN-Generalsekretär. Nach seinem Abschied von den UN kehrte Annan 2012 noch einmal zurück. Er versuchte als UN-Sondergesandter den Syrien-Krieg zu lösen. Schnell erkannte der Krisenmanager jedoch, dass dieser Konflikt zu komplex ist. Nach wenigen Monaten schmiss Annan den UN-Job hin.

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