Zum Tode Margaret Thatchers Das Vermächtnis der Eisernen Lady

Margaret Thatcher hat eine neue Ära des Kapitalismus begründet. Die Zauberworte: Schlanker Staat und Deregulierung. Ein Irrweg, wie die Finanzkrise zeigte. Das Modell Thatcher ist vor der Person Thatcher gestorben.
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Die verstorbene frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher hat eine Ära geprägt. Quelle: ap

Die verstorbene frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher hat eine Ära geprägt.

(Foto: ap)

DüsseldorfHeute ist Margaret Thatcher gestorben – ihr Wirtschaftsmodell aber ist schon seit fünf Jahren tot. Gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan begründete Thatcher eine neue Ära. Ihre Schlagworte waren: Schlanker Staat, Deregulierung und Shareholder-Value. In der Geldpolitik räumte ihre Regierung der Inflationsbekämpfung Vorrang ein. Bis zur Pleite der Investmentbank Lehmann Brothers im September 2008 war der Thatcherismus das bestimmende Dogma in der globalen Wirtschaftspolitik.

Seine Geburtsstunde schlug 1979, als Großbritannien wirtschaftlich tief in der Krise steckte. Eine zweistellige Inflationsrate, langwierige Streiks und schwaches Wachstum, waren die Kennzeichen.

Dann kam Thatcher und brach die Macht der Gewerkschaften. Sie privatisierte Unternehmen wie British Telecom oder die Fluggesellschaft British Airways und befreite mit dem so genannten Big Bang den Londoner Finanzsektor von gesetzlichen Regeln.

Heute hat sich der britische Staat aus der Wirtschaft weitgehend zurückgezogen und der Finanzsektor massiv an Bedeutung gewonnen. Von der britischen Industrie ist wenig übrig geblieben. Der dramatische Wandel geht ganz wesentlich auf Margaret Thatcher zurück. Die Chemikerin hat aber nicht nur Großbritannien verändert, sondern die ganze Welt.

Sie war das große Vorbild für wirtschaftliche Reformer. Die Privatisierung von Telekom, Post und Lufthansa in Deutschland hätte es ohne Thatchers Vorbild vermutlich nicht gegeben. Ebensowenig die lasche Regulierung des Finanzsektors.

Einige Reformen haben sich bewährt
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47 Kommentare zu "Zum Tode Margaret Thatchers: Das Vermächtnis der Eisernen Lady "

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  • "Der Thatcherismus als Ideologie ist lange tot".
    Diese Schlußfolgerung ist doch absoluter Humbug. Wir erinnern uns, die 'Krise' wurde zu ihrem Ausgang noch (und in richtiger Weise) als 'sub prime loan crisis' bezeichnet, d.h. die sehr stark politisch gewollte und forcierte Kreditvergabe an Schuldner mit geringer oder keiner Kreditwürdigkeit. Ein Paradebeispiel einer staatlich erzwungenen Kapitalfehlallokation. Auch der Verlauf der Krise folgt dem gleichen Schema: Statt nicht mehr marktfähigen Unternehmen den Marktaustritt zu gestatten wird per staatlicher Intervention ('Rettungspakete') Insolvenzverschleppung und damit Krisenverlängerung/ausweitung betrieben. Dass dies über staatlichem Zwangszugriff in die Taschen der Bürger erfolgt ist noch ein ganz anderes Thema. Bitte mehr Markt.

  • Für mich war sie eine sehr schrille, unangenehme Person, die mit dem Jahren unausstehlicher wurde, so dass selbst ehrwürdige Tory-Grandees und loyale Minister wie Geoffrey Howe (weniger Michael Heseltine) nach Treffen mit ihr Depressionen bekamen.
    Sie erinnert mich ein bisschen an die russische Gewichtsheberin und Olympionikin Tamara Press (nach ihrer Exhumierung stellte sich heraus, dass sie ein Mann war). Als Freundin von Faschisten wie Pinochet war sie das ganze Gegenteil des liebenswürdigen, ein klein wenig schrulligen britischen Charakters.
    Ihr Nachfolger John Mayor war ein vergleichsweise netter Kerl, mit dem man sich humorvoll unterhalten konnte - das ging mit Maggie nicht. Maggie begann ihre Amtszeit mit einem Zitat des Heiligen Franziskus und musste zeternd aus Downing Street herausgetragen werden. Im House of Commons war es der nuschelnde Sir Geoffrey, von dem man sagte, seiner Kritik zuzuhören, vermittle einem das Gefühl, von einem toten Schaf angefallen zu werden, der in einer fulminanten, erbosten Rede ihr Ende einläutete.
    Trotzdem: "Tough as old boots" kam nur deshalb an die Macht, weil die Labour-Party zwischen traditionellen Rechten und dogmatischen Anhängern Tony Benns (auch 1925 geboren) gespalten war und die eigene Basis nicht mehr begeistern konnte.
    Außerdem schadet es jeder Demokratie, wenn dieselbe Partei zu lange an der Macht ist. Im großen Streik der Bergarbeiter schwächten sich die Gegner Thatschers, weil ihr Führer Scargill ein traditioneller Kommunist war, der demokratische Abstimmungen - die er gewonnen hätte - ablehnte. Später schaffte Maggie sogar die demokratische Volksvertretung der 12-Million-Stadt London ab.
    Nein, sie war ein Desaster für die Demokratie; seit ihrer Herrschaft lastet ein Fluch auf dem Vereinigten Königreich.

  • "Seit der Liberalisierung des Telekommarktes in Deutschland sind die Tarife auf ein Hundertstel des früheren Niveaus gefallen."
    Der ist gut! Die flächendeckende versorgung Deutschlands mit schnellem Internet ist dank der Privatsierung gescheitert! Stattdessen teures LTA auf dem Lande für 50€/Monat bei (20GB).
    Ein erbärmliches Ergebnis der Privatisierung.

  • @ Sozialarbeiter

    "Was Marx geäußert hat, ist nicht nur sachlich falsch, es ist zutiefst menschenverachtend. Es brachte nichts als Terror, Folter, Hunger. Marx zu huldigen verhöhnt die Opfer des Marxismus. Das ist unerträglich. "

    Sie unterliegen einem völligen Irrtum! Marx hat NUR das bestehende System analysiert. Diese Analyse ist zu 100% korrekt.
    Wenn man sich seine Erkenntnisse durchliesst, wundert man sich, daß die bereits damals so war. Parallelen zu heute sind beachtlich.

    Später kamen dann Leute wie Lenin usw, die seine Erkenntnisse gedeudet haben, ihre Systeme daraus entwickelt haben.
    Übrgens, der Kapitalismus in Deutschland (im 2.WK) hat auch für nicht wenige Opfer gesorgt. Ebenso die Überfälle der USA auf verschieden Länder.

    Hingegen stammen ihre 150Mio irgendwelchen Propagandazahlen.

  • "Thatcher hat immer für ihr Land gekämpft"
    Sie hat nur die Interessen der Reichen vertreten. Mehr nicht. Die Bürger waren die Leidtragenden!

  • "da der Zug genau in die andere Richtung fährt, nämlich in Richtung Sozialismus."

    Blödsinn! Wäre das der Fall, würden die Büger die Gewinne der Banken und Unternehmen bekommen. Sie tragen aber nur die Schulden!

    Oder ?

  • @ RDA
    Sie haben vollkommen recht.
    Gleiches sieht man in UK. Die Wasserversorgung wurde zwangsprivatisiert. Mit dem Ergebnis, daß nur Preise erhöht wurden, das Netz ließ man verfallen. Nun werden Stimmen laut, die einen Rückkauf des Netzes fordern. Diese Privatisierungen sind gescheitert. Ähnliches Bahnnetz, Stromnetz. Die Reichen kauften dies, plünderten es aus und nun müssen die Bürger alles nochmal zahlen. In der Zwischenzeit hatten sie schon die hohen Kosten.

  • "In allen Bereichen, in denen staatliche Unternehmen im Wettbewerb mit privaten Unternehmen stehen, sind, gleiche Wettbewerbsbedingungen vorausgesetzt, die Staatsunternehmen die Verlierer."
    Dann fahren sie dort mal mit dem Zug, oder Versuchen sie es im Sommer mal mit Wasser (die Netze sind marode, es standen im letzten Jahr Wasserwagen zur Notversorgung nördlich von York rum!!! Das Stromnetz ist desaströs! Der Winter im letzten Monat hat das Land fast zum erliegen gebracht!

    In UK kann man wie sonst fast nirgends schon sehen, wie die Privatisierung von Infrastruktur scheitert!

  • In UK wurde alles privatisiert. Mit dem ergebnis, dass nichts mehr geht. Die Züge fahren kaum noch nach Plan, das Wasser- und Stromnetz sind marode und ständig defekt.

    Das technische Niveau - soweit ich das gesehen habe - mittlere 60er Jahre.

    Die Alte hat UK zerstört! Und die Wlet krank heute noch daran (Finanzkrise)!!

  • Es gibt wirklich Menschen, die so etwas glauben.

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