Zwangsvertreibung 350.000 Menschen flüchten aus Afghanistan

Die Zahl der Binnenflüchtlinge in Afghanistan nimmt rasant zu. Laut eines UN-Berichts sollen seit Jahresbeginn 350.000 Afghanen aus ihren Heimatorten geflohen sein. Ein Ende des Zustroms wird vorerst nicht erwartet.
2 Kommentare
Flüchtlinge: 350.000 Menschen flüchten aus Afghanistan Quelle: AFP
Binnenflüchtlinge

Afghanische Kinder schöpfen Wasser aus einem Brunnen in einem Flüchtlingslager. Seit Jahresbeginn sind 350.000 Menschen heimatlos geworden, im gesamten Jahr 2016 waren es sogar über 660.000.

(Foto: AFP)

Kabul In Afghanistan sind seit Jahresbeginn knapp 350.000 Menschen vor Gefechten zwischen radikalislamischen Taliban und Sicherheitskräften aus ihren Heimatorten geflohen. Das geht aus einem in der Nacht zum Dienstag veröffentlichten Bericht der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor. Zwischen dem 1. Januar und dem 19. November sind demnach 343.958 Afghanen heimatlos geworden.

Im früher als eher ruhig geltenden Norden und Nordosten, wo bis 2013 die Bundeswehr Schutzmacht war und wo sie immer noch ein großes Feldlager führt, würden mittlerweile 32 Prozent aller Kriegsvertriebenen registriert, melden die UN. In Afghanistan sind allein im vergangenen Jahr mehr als 9441 Menschen dem Terror zum Opfer gefallen. Für einen Großteil sind die radikal-islamistischen Taliban verantwortlich.

So deutlich sind die Spuren des Terrors

Der regelmäßig veröffentlichte Bericht, der auch detaillierte Schilderungen von Kampfhandlungen enthält, verzeichnet zum Beispiel für die schwer umkämpfte Provinz Kundus allein in der vergangenen Woche fast 16.000 Binnenflüchtlinge.

Im vergangenen Jahr waren mehr als 660.000 Afghanen aus ihren Dörfern geflohen. Für 2017 hatten die UN zu Jahresbeginn noch mindestens 450.000 weitere Zwangsvertriebene erwartet. Das Land, in das immer noch Flüchtlinge aus Deutschland abgeschoben werden, landet im Global Terrorism Index der Londoner Denkfabrik Institute for Economics and Peace 2016, immer noch auf Platz zwei, gleich hinter dem Irak.

In diesen Ländern fordert Terror die meisten Toten
Platz 5: Pakistan
1 von 10

Pakistan landet zwar immer noch auf dem fünften Platz weltweit, hat aber drei Jahre in Folge schon einen Rückgang der Terrorattacken zu verzeichnen. 2016 sind 956 Menschen (minus 12 Prozent) durch Anschläge ums Leben gekommen, das ist die geringste Anzahl an Toten seit zehn Jahren. Das ist besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass sich Pakistan seit 2007 immer mindestens unter den Top vier der terrorismusgeplagten Länder befand. Die meisten Anschläge verüben immer noch die pakistanischen Taliban, aber auch der IS ist hier aktiv. Dass die Zahl der Anschläge abnimmt, wird besonders einer Operation der pakistanischen Armee zugeschrieben.

Indisch-pakistanischer Konflikt
2 von 10

Seit der Subkontinent 1947 geteilt wurde, schwelt der Streit um das von Muslimen bewohnte, einstige Fürstentum Kaschmir in Asien. Seit 1989 kämpfen Rebellen für die Unabhängigkeit, viele von ihnen letztlich für den Anschluss an Pakistan. Ein Waffenstillstand wurde 2003 ausgehandelt, doch immer wieder gibt es Attentate und Ausschreitungen. Der zweite Konflikt spielt sich zwischen Sunniten und Schiiten ab, die sich in Parachinar an der Grenze zu Afghanistan immer wieder Gefechte liefern.

Platz 4: Syrien
3 von 10

Der Terrorismus in Syrien hängt mit dem Bürgerkrieg zusammen, der seit 2011 im Land tobt. Vorher war das die arabische Nation auf Platz 57 des Global Terrorism Index. Im vergangenen Jahr sind mehr als 2100 Menschen durch Anschläge ums Leben gekommen, der Großteil von ihnen Zivilisten. Bei weitem die meisten Terrorattacken gehen vom IS aus, aber auch die syrische Al-Nusra-Front ist noch immer aktiv. Insgesamt ist aber auch in Syrien ein Rückgang der Toten durch Terror zu verzeichnen: Minus 24 Prozent. Wie viele Menschen in den vergangenen sechs Jahren insgesamt ums Leben gekommen sind, lässt sich nicht genau beziffern. Schätzungen gehen von bis zu einer halben Million Toten aus.

Homs
4 von 10

Der Syrien-Krieg hat bisher eine halbe Million Menschenleben gefordert und zirka 12-14 Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Das syrische Regime konnte, gestärkt durch seine Alliierten Russland und Iran, wieder Boden gut machen und die oppositionellen Gruppen zurückdrängen. Der spektakulärste Erfolg war die vollständige Einnahme Aleppos im November 2016. Die militärischen und politischen Verhandlungen finden inzwischen an zwei Orten statt: Astana (Kasachstan) und Genf. Eine tragfähige politische Lösung scheint indes immer noch weit entfernt.

Platz 3: Nigeria
5 von 10

Auch Nigeria verlor 9000 Menschen an den Terror. Nach einem rasanten Anstieg im Vorjahr ist die Zahl der Terrortoten allerdings massiv gesunken. Hier ging die Zahl der Todesfälle, die der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zugeschrieben werden, im Jahr 2016 um 80 Prozent zurück, Grund dafür sei vor allem eine internationale Militäroperation gegen die Miliz, heißt es in dem Bericht. Boko Haram ist nach dem IS die gefährlichste aller Terrorgruppen, in Nigeria selbst allerdings haben die Fulani-Extremisten die meisten Todesopfer zu verschulden, die in über der Hälfte der Fälle Zivilisten sind. Insgesamt gibt es 13 verschiedene terroristische Gruppierungen, die in Nigeria aktiv Anschläge verüben.

Islamistischer Terror
6 von 10

Die Terrorgruppe Boko Haram kämpft seit 2009 gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. In dem Konflikt wurden bereits mehr als 20.000 Menschen getötet und 2,6 Millionen in die Flucht getrieben.

Platz 2: Afghanistan
7 von 10

Afghanistan, das Land, in das immer noch Flüchtlinge aus Deutschland abgeschoben werden, hat im vergangenen Jahr mehr als 9441 Todesopfer durch den Terror zu beklagen. Für einen Großteil sind die radikal-islamistischen Taliban verantwortlich, aber auch der afghanische IS-Ableger Khorasan Chapter verübte Attentate. Besonders häufig wurden Polizisten Opfer von Anschlägen. Es gab zwar insgesamt weniger Terrortote (minus 23 Prozent) als im Vorjahr, aber nur, weil die Taliban sich mehr auf traditionelle Kämpfe gegen das afghanische Militär konzentrierten, in denen 2016 rund 18.000 Menschen ums Leben kamen.

  • dpa
  • kwi
Startseite

Mehr zu: Zwangsvertreibung - 350.000 Menschen flüchten aus Afghanistan

2 Kommentare zu "Zwangsvertreibung: 350.000 Menschen flüchten aus Afghanistan"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Afghanistan ist traditionell ein politisch unruhiges Land. Das war schon so als die Engländer erfolglos einmarschierten um dieses Land zu kolonialisieren.

    Die Auswanderung, bzw. Einwanderung in die europäischen Sozialhilfesysteme wird durch die Einladung seitens Fr. Merkel und anderer Staaten forciert die ihre Bevölkerungen austauschen möchten.

    Die wenigsten Herrscher Afghanistans waren glücklich über die in Afgahnischen lebenden Volksstämme die sich schlecht beherrschen lassen. Insofern ist es faszinierend dass Fr. Merkel und Genossen darin ihr Glück sehen.

  • Unsere Bundeskanzlerin könnte weitere Punkte in der Welt sammeln, wenn sie eine erneute Einladung aussprechen würde. Sozusagen, Humanität hoch 3.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%