Merkel in China

Merkel hält sich zu einem zweitägigen Besuch in der Volksrepublik China auf.

(Foto: dpa)

Zweite Station Merkel erlebt zum Schluss ihrer China-Reise eine „Druckbetankung Zukunft“

China arbeitet mit Hochdruck an künstlicher Intelligenz und neuen Technologien. In Shenzhen entdeckt Kanzlerin Merkel die Geschwindigkeit.
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Shenzhen Was Angela Merkel in Shenzhen erlebt, gleicht einer „Druckbetankung Zukunft“. Schon als die Kanzlerin am Freitagmorgen vom Flughafen in das Shangri-La-Hotel der chinesischen Provinzstadt fährt, gleicht die Kulisse einer Baustelle: Überall wird an neuen Hochhäusern gebaut.

„Diese Stadt steht stellvertretend für diese Öffnung“, sagt Merkel wenig später in einem Siemens-Werk, in dem für den chinesischen und amerikanischen Markt modernste Computertomografen gebaut werden. In nur 40 Jahren habe sich das Fischerdorf mit 30.000 Einwohnern zu einer Metropole mit 21 Millionen Menschen entwickelt.

Damit auch die Deutschen von dieser Dynamik profitieren können, hat die Kanzlerin einen „Innovations-Hub“ der Auslandshandelskammer eröffnet. Dann besichtigt sie das chinesische Start-Up IcarbonX, weil Shenzhen eben auch Symbol für die rasante Digitalisierung geworden ist.

Überhaupt ist „Tempo“ das Leitmotiv der Merkel-Reise. Schon in Peking hat sie in Gesprächen mit der Regierung Eindruck davon bekommen, dass das langjährige Partnerland gerade in ziemlicher Geschwindigkeit vorbeizieht.

China sei „eine unglaubliche Gesellschaft, die sich der Technologie der Zukunft widmet“, meint auch VW-Chef Herbert Diess im ZDF. Eigentlich ist das für die Kanzlerin nichts Neues. Im Gegenteil: Gerade weil sie seit langem von der Dynamik im Reich der Mitte fasziniert sei, versuche sie auf jeder ihrer China-Reisen neben den politischen Terminen in Peking immer noch eine zweite Station zu besuchen, betont sie auch in Shenzhen.

Denn der mentale Kontrast zu Deutschland ist besonders dort spürbar. Immerhin ist Merkel von Berlin aus angereist – und dort bietet die Dauerbaustelle des Flughafens das mittlerweile weltweit bekannte Symbol für deutsche Langsamkeit.

Und während in Deutschland beim Testlauf zur Gesichtserkennung im Berliner Südkreuz-Bahnhof über Datenschutz gestritten wird, stehen in China längst mehrere Dutzend Millionen Gesichtserkennungskameras. Nicht jede Entwicklung sieht Merkel dabei als wünschenswert an, mahnt in China öffentlich und hinter den Kulissen die Einhaltung von Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit an.

Aber das chinesische Tempo kontrastiert eben mit einer deutschen Behäbigkeit gerade bei Großprojekten und politischen Entscheidungen, was die Kanzlerin selbst immer häufiger als ernstes Problem kritisiert. Dass etwa die elektronische Gesundheitskarte seit Beginn ihrer Amtszeit diskutiert wird, aber immer noch nicht eingeführt wurde, hat sie zigfach bemängelt.

Umgekehrt reagierte Merkel schon früher fasziniert, wenn ihr chinesische Provinzpolitiker erklärten, wieviel tausend Autobahn- oder Zugkilometer sie pro Jahr bauen müssen, um mit der rasanten Entwicklung des Landes überhaupt mithalten zu können.

In Merkels eigenem Bundesland, Mecklenburg-Vorpommern, erregt dagegen ein kleines abgesacktes Stück Autobahn auf der A20 die Gemüter für Monate. Und Shenzhen wird wahrscheinlich den neuen 5G-Standard bei der Kommunikation bereits eingeführt haben, bevor in Deutschland die von der Bundesregierung beschlossene Versteigerung der Frequenzen über die Bühne gegangen ist.

In Chinas kommunistischer Kommando-Wirtschaft wird auch der Kontrast zu den komplizierten Machtstrukturen in Deutschland und Europa besonders augenfällig. Mehrfach hat Merkel in den vergangenen Monaten etwa eine europäische Batterieproduktion angemahnt, weil Koreaner und Chinesen in dieser Zukunftstechnologie für die künftige Mobilität davongezogen sind.

Warnungen, dass die Europäer zwischen den Hochgeschwindigkeitsgesellschaften USA und China zermahlen werden könnten, gehören mittlerweile zum Standard-Repertoire der Kanzlerin. Nach China-Visiten, die Merkel elektrisieren, klingt dies immer noch ein bisschen dringlicher.

In Peking bittet die Kanzlerin deshalb um eine Absichtserklärung, dass China mit Deutschland beim autonomen Fahren zusammenarbeitet – um überhaupt noch den Anschluss bei der Verarbeitung von Big Data zu halten. Noch vor wenigen Jahren waren es dagegen die Chinesen, die um Kooperationen bettelten.

Da wirkt es geradezu symbolisch, dass sich der Abflug der Kanzlerin nach Shenzhen auf dem Flughafen in Peking erst einmal eine Viertelstunde verzögerte – auch wenn dies einen profanen Grund hatte: VW-Chef Herbert Diess hatte die Kolonne zum Flughafen verpasst und musste mit Polizeieskorte durch den dichten Pekinger Verkehr bugsiert werden. Die Kanzlerin wartete.

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