Zypern Bankkunden müssen Rettungsplan mittragen

9,9 Prozent: Mit diesem Maximalsatz werden zyprische Bankkunden künftig für die Rettung des Landes zur Kasse gebeten. Die Eurogruppe forderte diesen beispiellosen Schritt – eingenommen werden so Milliarden.
Update: 16.03.2013 - 09:14 Uhr 243 Kommentare
Ein Mann vor einer Filiale der Bank of Cyprus in Nikosia. Quelle: dpa

Ein Mann vor einer Filiale der Bank of Cyprus in Nikosia.

(Foto: dpa)

Brüssel/MoskauZur Rettung Zyperns vor der drohenden Staatspleite werden in einem beispiellosen Schritt auch Bankkunden kräftig zur Kasse gebeten. Bei Einlagen unter 100.000 Euro wird eine Abgabe von 6,75 Prozent fällig, bei höheren Summen sind es 9,9 Prozent. Das soll geschätzte 5,8 Milliarden Euro einbringen, kündigte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach der Einigung der Finanzminister auf das Hilfspaket am Samstagmorgen in Brüssel an.

„Wir haben die Lastenverteilung sehr sorgfältig geprüft“, versicherte der Niederländer. „Wir bestrafen Zypern nicht.“ Das Hilfspaket soll ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro haben. Der Mittelmeerinsel droht ohne die Unterstützung der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Staatspleite. „Die Eurogruppe hat ihre Mission erfüllt“, verkündete der französische Ressortchef Pierre Moscovici beim Online-Dienst Twitter.

Die Geldgeber griffen ein, obwohl das Land nur 0,2 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Eurozone beiträgt. „Zypern ist systemrelevant für die Eurozone“, resümierte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Dies bedeutet, dass eine Staatspleite die gesamte Eurozone gefährden würde. Der Deutsche Bundestag und mehrere andere nationale Parlamente müssen dem Hilfspaket noch zustimmen. Der Bundestag sollte noch am Samstag unterrichtet werden. Das Paket soll in der zweiten April-Hälfte endgültig unter Dach und Fach gebracht werden.

Die einmalig Belastung der Bankkunden sei als außerordentliche Maßnahme nötig, weil das zyprische Banksystem gemessen an der gesamten Wirtschaft überdimensioniert sei, hieß es. Die Abgabe soll sowohl für in Zypern ansässige als auch für ausländische Bankkunden gelten. Sie können der sogenannten Solidaritätsabgabe nicht mehr entgehen: Der fällige Betrag werde ab sofort auf den Konten eingefroren, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen nach rund zehnstündigen Marathonverhandlungen.

„Bevor die Banken wieder öffnen, wird die Abgabe abgezogen. Der Rest des Geldes ist frei verfügbar“, sagte Asmussen. Verantwortlich für das Verfahren seien die Zyprer. Ein solches Vorgehen drohe in anderen Krisenländern des Kontinents nicht.

Infografik

Zypern

Basisdaten

BIP-Wachstum und Haushaltssaldo

in Prozent


Zyperns Finanzminister Michalis Sarris sprach ohne konkrete Details die Möglichkeit eines Umtauschs der Gebühr in Aktien der betroffenen Institute an. Als Finanzminister sei er nicht glücklich über die Gebühr. „Aber die Aufgabe, den Wohlstand der Menschen und die Stabilität des Systems zu schützen, ließ uns keine andere Wahl.“

Rund ein Drittel der Einlagen in Zypern sind in der Hand ausländischer Kontoinhaber - vor allem reicher Russen und Briten. Seit längerem halten sich Vorwürfe, Zypern locke mit niedrigen Firmensteuern und einer lockeren Finanzaufsicht Schwarzgeld an. Zypern bestreitet dies. Die Mittelmeerinsel ist zweitgrößter Auslandsinvestor in Russland.

Scharfe Maßnahmen gegen Geldwäsche
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243 Kommentare zu "Zypern: Bankkunden müssen Rettungsplan mittragen"

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  • Das zyprische Parlament hat es abgelehnt, Bankkonten auszuplündern. Es hat sich nicht zum Bankraub anstiften lassen. Merkbar unterstützt von ihren Bürgern.

    Etliche deutsche Befürworter des Bankraubs haben sich inzwischen zu erkennen gegeben. Als Direktkandidat werden sie meine Wahlstimme nicht bekommen. Wenn sie auf der Kandidatenliste ihrer Parteien auftauchen sollten, werde ich dieser Partei meine Zweitstimme nicht geben. Höchstwahrscheinlich werde ich wieder einmal meiner eigenen Partei die Zweitsimme verweigern müssen.

  • neinsagen, 18.03.2013, 18:40 Uhr,

    Gesellschaften sind vornehmlich verschuldet, weil es viel zu vielen Parlamentariern leichter fällt, Kreditaufnahmen (Zinsgeschenke) zu bewilligen als höhere Steuern festzusetzen.
    Statt von den eigenen Bürgern mit sehr hohem Einkommen höhere Einkommensteuern zu erheben, setzen sie auf geliehene Einnahmen und streichen oder kürzen lieber die Finanzmittel für dringende gesellschaftliche Aufgaben.

    Stöbern Sie doch auch mal auf der Seite http://www.stop-esm.org/home unter Dokumente/Presse.

  • staatsanleihen (Anleihengläubiger) die Missere entsteht wenn z.b. Zypern Staatsanleihen annimmt und Zinsen zahlt die nie erwirtschaftet werden können bis das Kapital also der Betrag den das Land angenommen hat aufgebraucht ist. Da die Sicherheit = Anleihebetrag immer geringer wird verringert sich auch die Bonität - Ratingbewertung. Nach Wikipedia ist das Problem dadurch für das betreffende land zu lösen indem sie einen Staatsbankrott machen. Somit entfallen die Zinsen und der kapitalbetrag. Dann wäre zum Beispiel Zypern alle Geldsorgen los. Ha ist doch geniall

  • ich finde nirgends die Ursachendarstellung, wie konnte es überhaupt soweit kommen, wo kann man die Ursachen nachlesen? ohne das die Ursachen auf dem Tisch liegen kann man die Probleme auch nicht lösen

  • Ric 16.03.2013, 21:59 Uhr,

    danke. Ein lesenswerter Link

  • Ric 16.03.2013, 21:59 Uhr,

    danke. Ein lesenswerter Link.

  • Der Handelsblattartikel handelt von offener gemeinsamer Anstiftung zum Bankraub.

    Begangen von den zustimmenden Mitgliedern der sogenannten Eurogruppe und von den im Artikel namentlich genannten Befürwortern. Man sollte sich die Namen merken. Sie erwarten, daß europäische Parlamente sich daran beteiligen werden. Sicherlich nicht vergeblich. Die Verweigerer unter den Bundestagsabgeordneten sollte man sich gut als wählbar merken.

    Das zyprische Parlament soll angestiftet werden. Verlockt, erpreßt,

  • Zitat aus WiWo : Bei den Verhandlungen gehe es um die Möglichkeit, Konten mit weniger als 100.000 Euro nur mit 3,0 statt wie geplant mit 6,7 Prozent zu belasten. Zum Ausgleich solle die Belastung für größere Guthaben auf 12,5 Prozent von den bislang vereinbarten 9,9 Prozent steigen, hieß es weiter.

    Da müssen sich die EUtopia-Dilettanten doch ein EIGENTOR geschossen haben ?

    Warum hat man den die größeren Guthaben nicht gleich mit 15 % besteuert und die Kleinsparer unangetastet gelassen ? Das zeigt doch die ganze Dämlichkeit und Arroganz dieser Eurokraten !

    So eine arithmetische Formel ist auch unserem Finanz-Gnom nicht eingefallen....?

    Unfassbar, diese EU-Euro - F L A S C H E N !!!!

  • 'nehme_den_Draht_auf' sagt
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    Nun hat man also bewiesen, dass die berühmte Einlagensicherung auch nur Schall und Rauch ist, was zu einem weiteren Vertrauensverlust der EU Bürger gegenüber der Politik und den Banken führt.
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    "Vertrauensverlust" allenfalls bei Ignoranten die bisher nicht kapiert haben, daß die Einlagsicherungssysteme eben nur so sicher sein können wie die Zahlungsfähigkeit der sie betreibenden Staaten.

    Es gibt eben keine EU-Einlagesicherung, sondern Einlageesicherungen Land für Land.

    Und das ist auch gut so.

    +++

    'nehme_den_Draht_auf' sagt
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    Ehrlich gesagt, die EU Lösungen erscheinen doch von der Qualität her impulsgesteuert, dilletantisch und nicht wirklich durchdacht.
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    Mit Verlaub, das erscheint mir bei Ihrer Kritik derselber eher der Fall zu sein.

    Die derzeit gefundene Lösung scheint mir ein vertretbarer Kompromiß zwischen den konfliktierenden Zielen die eine solche Maßnahme verfolgen muß, und die man nie gleichzeitig vollständig erreichen kann.

    +++

    'nehme_den_Draht_auf' sagt
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    Die jetzige Lösung ist somit auch nicht unbedingt fair, da man Kriminelle zu Lasten von Steuerzahlern und Sparern gerettet hat, um die zypriotische Wirtschaft zu stützen.
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    Jede denkbare Lösung hat ihre Probleme - auch, aber nicht nur, hinsichtlich Fairniß.

    Das Ihnen besonders am Herzen liegende Geldwäscheproblem kann man nicht über's Knie brechen, ohne auch die berechtigten Interessen ehrlicher Einleger massiv zu beeinträchtigen.

    Eine Überprüfung der Geldwäscheproblematik ist ja Teil der Vereinbarungen.

    +++

    'nehme_den_Draht_auf' sagt
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    Ein Eigentor der EU, würde ich sagen.
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    Mal abwarten, ob die Zyprioten nicht morgen ein Eigentor schießen.

    Dann hätte sich diese Diskussion erledigt.

  • 'nehme_den_Draht_auf' sagt
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    Dennoch hätte man eine wesentlich billigere Lösung zur Stützung der zypriotischen Wirtschaft finden können ohne Enteignung der Kleinsparer, wenn man sich nur ein bisschen angestrengt hätte.
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    Das sagt sich so leicht daher.

    Ist aber schwer zu machen, ohne Anreize zu Betrug und teuere Mitnahmeeffekte zu erzeugen.

    Und "Enteignung der Kleinsparer" ist völliger Unsinn.

    6.75% ist eher eine Bagatellsteuer.

    +++

    'nehme_den_Draht_auf' sagt
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    Die Gewinner sind die Steuerhinterzieher und die russische Maffia, die mit einem relativ kleinen Obulus davonkommen und den Rest weiterhin behalten (siehe auch die von Ihnen angedeutete Alternative, nämlich der Totalbankrott).
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    Es ist eben wesentlich einfacher und in drei Tagen machbar von jedem 6,75% zu kassieren als festzustellen wer "Steuerhinterzieher und die russische Maffia" ist.

    ENTWEDER sind die bis dahin über alle Berge samt Geld, ODER man muß erst einmal ALLE Einlagen konfiszieren und kann sie erst nach Beweiß der nichtmafosität freigeben.

    Und damit sind dann auch erhebliche Härten für ehrliche Einleger verbunden, die bei Lichte betrachtet mit einem 6.75% Obulus oft besser dran sind als mit monatelangem Einfrieren ihrer Gelder.

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