Zypern „Man will uns unser Geld stehlen“

Nikosia am Dienstag: Die Cafés sind leer, die Geschäfte verwaist. Den Zyprern ist das Geld ausgegangen. Die Wirtschaft der Insel ist gelähmt. Die Menschen sind verzweifelt – und sie zittern um ihr Erspartes.
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Die Menschen in Zypern zittern um ihr Geld - vor allem die Rentner. Quelle: ap

Die Menschen in Zypern zittern um ihr Geld - vor allem die Rentner.

(Foto: ap)

NikosiaEs ist kühl an diesem Dienstagmorgen auf der Platia Eleftherias, dem Freiheitsplatz am Rand der verwinkelten Altstadt der zyprischen Inselhauptstadt Nikosia. Der Name erinnert an die Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft Ende der 1950er-Jahre und die die Unabhängigkeit der Inselrepublik 1960. Aber jetzt fühlen sich viele Zyprer erneut unterjocht. Eine „neo-koloniale“ Strategie fahre die EU, einen „Rachefeldzug“ führe sie gegen den Finanzplatz Zypern, klagt Markos Kyprianou, der Chef der kommunistischen Akel-Partei. Er meint das am vergangenen Wochenende von den Euro-Finanzministern beschlossene Rettungspaket, mit dem Zypern vor dem drohenden Staatsbankrott bewahrt werden soll – und vor allem die Zwangsabgabe, mit der die Kunden der zyprischen Banken an der Rekapitalisierung der praktisch insolventen Geldhäuser beteiligt werden sollen.

Noch trüber als der wolkenverhangene Himmel ist die Stimmung auf der Platia Eleftherias. Einige Dutzend Männer, vorwiegend Rentner, bevölkern den Platz. In kleinen Gruppen stehen sie herum, diskutieren. Viele lassen ein Komboloi durch Finger gleiten. So heißen die Perlenketten, die einem Rosenkranz ähnlich sehen. Sie sollen die Sorgen vertreiben, heißt es. Aber die werden immer größer statt sich zu verflüchtigen.

„Man will uns unser Geld stehlen“, sagt Andreas Theophanis. Der Pensionär sitzt auf einer Bank an der Platia und füttert die Tauben. Etwas trockenes Brot kann er für die Vögel noch erübrigen, aber ansonsten geht es ihm schlecht. Knapp 4.000 Euro hat er auf der Bank. Die geplante Zwangsabgabe von rund 30 Euro könnte er zwar verkraften. „Aber dabei wird es nicht bleiben“, glaubt Theophanis. „Unser Geld ist nicht mehr sicher bei den Banken“, sagt er. Und die staatliche Einlagensicherung für Guthaben bis zu 100.000 Euro? Der Rentner schüttelt den Kopf: „Wer nach dem vergangenen Wochenende noch an solche Märchen glaubt, ist doch naiv!“ Am liebsten würde er deshalb seine Konto komplett auflösen und die Banknoten mit nach Hause nehmen. Aber das geht nicht. Denn auch am Dienstag blieben die Bankfilialen in ganz Zypern geschlossen.

„Mitgehangen, mitgefangen – das Motto der Währungsunion“

An der Platia Eleftherias gibt es zwei Geschäftsstellen, eine der Bank of Cyprus und eine der Laiki Bank. Ausländische Fernsehteams filmen die geschlossenen Eingänge. „Closed“ steht auf den Schildern in den Glastüren. In den Kassenräumen kann man schemenhaft Sicherheitspersonal ausmachen. Wenigstens funktionierten am Dienstag die meisten Geldautomaten wieder. Am Sonntag war in vielen Automaten das Geld ausgegangen, in der Nacht zum Dienstag wurden sie aber wieder aufgefüllt. Die zyprische Zentralbank habe ausreichende Bargeldbestände für die Automaten, heißt es.

Trotzdem macht sich Geldknappheit bemerkbar. Auf der Ledra-Straße, der sonst belebten Einkaufsmeile in Nikosias Altstadt, waren nur wenige Menschen unterwegs. „Heute kam der erste Kunde gegen Mittag“, sagt ein Ladeninhaber. Untätig stehen die Taxifahrer neben ihren Autos - keine Fahrgäste. In den Restaurants und Cafes sind nur wenige Tische belegt. Die Wirtschaft der Insel wirkt zunehmend gelähmt.

Wann die Banken wieder öffnen, weiß niemand
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54 Kommentare zu "Zypern: „Man will uns unser Geld stehlen“"

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  • Kann ich bestätigen.

    http://cnetral.banktunnel.eu/20130920-dns-amp-ddos-frankfurt.dynip.name.jpg

  • Warum werden nicht die Aktionäre der maroden Banken herangezogen? Ich denke da ganz gezielt an einen russischen Oligarchen, welcher dort Hauptaktionär ist.

  • Dann passt diese Meldung auch noch dazu:
    "+++ 18.20 Uhr Parteichef wirft Eurogruppe Erpressung vor +++
    Der Chef der Regierungspartei Diko, wirft der Eurogruppe vor, Zypern zu erpressen. In der Parlamentsdebatte fordert er, die "Entscheidungen der Eurogruppe" zurückzuweisen. "Unser Land ist einem ungerechten und vorsätzlichen Angriff ausgesetzt", sagt Marios Karoyian."

  • Es ist interessant Liveticker und Devisen- und Goldmarkt zu verfolgen.

    In den Augen von Herrn Schäuble: Banditen

    Es fragt sich nur wen er meint.
    Aktuell Gold 1615,10 und der Euro bei 1,2852 USD (19.03.2013, 18:03 Uhr)

  • Schäuble hat kein Mitleid.

    Leute, die wahrscheinlich Jahrzehnte gebraucht haben, um rd. 100.000 Euro auf ihr Bankkonto zu sparen, um diese paar Kröten fürs Alter oder als Notgroschen in Reserve zu haben kann wohl niemand als Anleger bezeichnen. Lt. Presseinfos soll Schäuble gesagt haben, dass er kein Mitleid hat. Das ist Menschenverachtung.

  • @Eurofehler

    der <Euro selber war nie stabil

    nur die Industrie der BRD machte den Euro stabil oder besser der Garant die Deutsche Bevölkerung, wenn was Schief gehen sollte.

    Schief gegangen ist es ja schon mit dem ESM, der ist viel zu klein um alle Staaten zu retten. Und sollten die Garantien gezogen werden, die Frau Merkel abgegeben hat dann ist Deutschland pleite.

    Aber ich denke das es einen Süd-Bankenrün geben wird und dann ist das eh alles völlig egal.

    Den kein Italiener oder Portogiese oder Spanier wird sein Geld noch auf einer dieser Banken lassen, wenn man damit rechnet enteignet zu werden. Warten wir auf Do.

    Merkel in Ihrer Tolpatschigkeit hat unbewußt die Büchse der Pandora geöffnet.

  • Und ist dazu noch diesen Drecks-Euro los.

    Sehr guter Beitrag, vielen Dank auch von mir!

  • Zyperns Regierungspartei soll soeben den "Rettungsvorschlag" abgewiesen habe, voila ! Es wird nun interessant wie in dieser bewundernswert einfach denkenden EU in BRUESSEL reagiert wird.Groessenwahn zahlt sich nicht immer aus !

  • N-TV meldet:
    +++ 17.00 Uhr Zyprischer Finanzminister reicht Rücktritt ein +++
    +++ 17.05 Uhr Euro verliert an Wert +++
    +++ 17.20 Uhr Sky News: Briten fliegen Euros nach Zypern +++
    Großbritannien hat nach Informationen von Sky News ein Flugzeug mit einer Million Euro Bargeld an Bord auf den Weg nach Zypern geschickt. Mit dem Geld solle sichergestellt werden, dass die auf Zypern stationierten britischen Soldaten weiterhin über genügend Bargeld verfügen. Sollten Soldaten oder ihre Angehörigen an Geldautomaten kein Geld mehr erhalten und Kreditkarten nicht mehr funktionieren, könnten sie Geld leihen, zitiert der Sender Angaben aus dem Verteidigungsministerium.

    Gold notiert bei 1.614,44 USD/Uz
    der Euro bei 1,2876 (19.03.2013, 17:45 Uhr)

  • @Zecke

    wenn Du das Geld auf der Bank läßt biste selber Schuld; dann hast Du einen Vertrag mit der Bank bis in den gemeinsamen Bankrott nach Sept. 2013.

    Dann wird GROKO gewählt.

    Jetzt wird eh bei allen 17 Ländern die Reise nach Jerusalem gespielt wer zuerst den EURO verläßt zahlt am wenigsten.

    Nur ein Süd-Bankenrun könnte schneller sein.

    Wer zu spät am Bankschalter ist, den Bestraft das Leben.

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