Zyperns Einigungsplan Kampf gegen die Ängste der Vergangenheit

Zypern ist geteilt: Blutige Konflikte haben die Griechen und Türken auf der Insel entzweit. Doch der türkisch-zyprische Chefdiplomat Özdil Nami glaubt an eine baldige Lösung der Zypernfrage. Seinen Job wäre er dann los.
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Ein Plakat weist auf die Zone hin, die den türkischen und griechischen Teil in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia voneinander trennt. Quelle: dpa

Ein Plakat weist auf die Zone hin, die den türkischen und griechischen Teil in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia voneinander trennt.

(Foto: dpa)

NikosiaDas Zypernproblem ist älter als Özdil Nami. „Seit 50 Jahren steht das Thema auf der Tagesordnung der Uno, ein halbes Jahrhundert“, sagt Nami. „Es ist an der Zeit, eine Lösung zu finden!“ Als der Zyperntürke 1967 in London geboren wurde, lag der Beginn der blutigen Konflikte, die Griechen und Türken auf der Insel entzweiten, bereits drei Jahre zurück. 1974 besiegelte die Türkei mit der militärischen Besetzung des Inselnordens die Teilung.

Heute ist Özdil Nami Außenminister der „Türkischen Republik Nordzypern“ (KKTC). An der Stirnwand des riesigen Ministerbüros stehen die türkische Flagge und die Fahne der KKTC, rote Mondsichel und Stern auf weißem Grund. Der wuchtige Edelholz-Schreibtisch ist aufgeräumt, das iBook zugeklappt. Der auch in Nordzypern allgegenwärtige türkische Staatsgründer Atatürk blickt in Namis Büro von einem großen Porträt streng auf den Besucher.


Trotz der Insignien der Macht: Die KKTC wartet auch mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung auf internationale Anerkennung. Nur Ankara unterhält mit Nord-Nikosia diplomatische Beziehungen. Aber vielleicht gibt es die KKTC ja in ihrer heutigen Form schon bald gar nicht mehr – wenn die Zypernteilung überwunden wird.

Nami wäre dann seinen Posten als Außenminister los. Dennoch arbeitet er für eine Zypernlösung. 2004 scheiterte der Einigungsplan des damaligen Uno-Generalsekretärs Kofi Annan am Nein der Inselgriechen. Jetzt kommen die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung neu in Gang. „Seit 2004 sind wir alle zehn Jahre älter und hoffentlich weiser geworden“, sagt Nami im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Chefdiplomat Özdil Nami. Quelle: EPA/KATIA CHRISTODOULOU

Chefdiplomat Özdil Nami.

(Foto: EPA/KATIA CHRISTODOULOU)

Der Volks- und Betriebswirt Nami ist für die Verhältnisse Zyperns, wo überwiegend die alte Garde das Sagen hat, ein Politiker neuen Typs: Absolvent der Universität Berkeley in Kalifornien, ein Mann ohne Scheuklappen, weltläufig. Zwei Worte fallen immer wieder in der einstündigen Unterhaltung mit Nami: Realismus und Vernunft. „Wir haben auf dem geteilten Zypern so viel Ineffizienz, so viel Verschwendung von Ressourcen, eine immense Militärpräsenz, politische Ungewissheit – all das ist unvernünftig und kontraproduktiv für Investitionen“, klagt Nami.

„Unvernünftig und kontraproduktiv“
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