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Zyperns Milliarden-Geschäft mit Pässen Andrej auf den Spuren der Aphrodite

Die Kriseninsel Zypern lockt Immobilen-Investoren mit EU-Reisepässen. Das Angebot richtet sich vor allem an reiche Russen und Chinesen. Doch die Einbürgerungspraxis ist umstritten.
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Für die zyprische Wirtschaft hat sich das umstrittene Pass-Programm ausgezahlt. Quelle: dpa
Badestrand auf Zypern

Für die zyprische Wirtschaft hat sich das umstrittene Pass-Programm ausgezahlt.

(Foto: dpa)

Athen Eine reiche Geschichte, schöne Strände, gutes Wetter – die Mittelmeerinsel Zypern ist ein beliebtes Urlaubsziel. Knapp 3,2 Millionen ausländische Gäste kamen 2016 in den griechischen Süden der geteilten Insel, fast vier Mal so viele wie es dort Einwohner gibt. Nach den Briten, die als ehemalige Kolonialherren traditionell die meisten Besucher stellen, haben sich die Russen im vergangenen Jahr mit knapp 780.000 Touristen als zweitgrößte Urlaubernation auf Zypern etabliert. Aber nicht alle kommen wegen der 300 Sonnentage oder wegen der Mythen, laut denen an der Südwestküste der Insel einst die Liebesgöttin Aphrodite nackt dem Meer entstiegen sein soll. Einige Russen haben es auf ein kleines Büchlein abgesehen.

Andrej hat das begehrte Dokument bereits. ΕΥΡΩΠΑΙΚΗ ΕΝΩΣΗ – ΚΥΠΡΙΑΚΗ ΔΗΜΟΚΡΑΤΙΑ steht in goldenen Buchstaben auf dem weinroten Einband – ein Reisepass der Republik Zypern. Andrej heißt in Wirklichkeit anders, aber nicht einmal seinen echten Vornamen möchte er nennen. Zu dem Gespräch in einem Straßencafé an der Uferpromenade von Limassol hat er sicherheitshalber einen zyprischen Anwalt mitgebracht, als Zeugen.

Diese Städte machen Mieter arm
Die Studie
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Wie viel muss man für das Leben in ein den größten Metropolen der Welt bezahlen? Diese Frage stellte sich die Deutsche Bank und verglich die Preise in 47 Städten weltweit verglichen. Neben Mietpreisen wurden auch andere Lebenshaltungskosten berücksichtigt, wie zum Beispiel Kosten für Sprit, die Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder für ein Date. Fest steht: Für das Metropolenflair müssen die Städter einen hohen Preis bezahlen. Die Ergebnisse der Studie in Übersicht.

Quelle: Deutsche Bank

(Foto: dpa)
Platz 19: Frankfurt
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Die Metropole am Main ist ein teures Pflaster: Um 20 Prozent legten die Preise im Vergleich zum vergangenen Jahr zu – unter den Top 30 des Deutsche-Bank-Ratings ist das der höchste Mietanstieg. Kein Wunder – schließlich wird Frankfurt nach dem Brexit alternativ zu London als Standort für Banken gehandelt. Der Bedarf an Wohnraum nimmt also zu. 1463 US-Dollar zahlen Mieter für eine durchschnittliche Dreizimmerwohnung. Unter die Top 10 der teuersten Städte hat es jedoch keine deutsche Stadt geschafft...

(Foto: dpa)
Platz 10: Tokio
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... dagegen ein japanische. Wer in Tokio leben möchte, muss im Schnitt 2010 Dollar für die Miete berappen. Bei den weiteren Lebenshaltungskosten sticht Tokio vor allem in einem ungewöhnlichen Bereich hervor: Fitnessstudios. Diese sind in Tokio im Schnitt am teuersten. Gut 129 Dollar zahlt man da, um nach dem Feierabend zu schwitzen. In Frankfurt sind es gerade einmal gut 45 Dollar.

(Foto: AFP)
Platz 9: Sydney
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Die australische Metropole gilt als eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit – dementsprechend hoch sind auch die Lebenshaltungskosten. Für eine Dreizimmerwohnung in mittlerer Lage muss man im Schnitt 2134 Dollar monatlich aufwenden.

(Foto: AFP)
Platz 8: Boston
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Die US-Metropole an der Atlantikküste ist vor allem für ihr Massachusetts Institute of Technology (MIT) bekannt, welches vor den Toren der Stadt an der University of Cambridge beheimatet ist. Aber auch die Lebenshaltungskosten können sich sehen lassen. Im Schnitt zahlt man für die Dreizimmerwohnung 2225 Dollar Miete.

(Foto: AP)
Platz 7: Paris
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Die Stadt der Liebe hat neben ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten auch eine sehr hohe Lebensqualität zu bieten. Entsprechend hoch sind auch die durchschnittlichen Monatsmieten, die man in Paris für eine Dreizimmerwohnung in mittlerer Lage zahlen muss: 2289 Dollar.

(Foto: dpa)
Platz 6: Edinburgh
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In Sachen Lebensqualität steht Edinburgh sehr gut da. Platz zwei auf der Deutsche-Bank-Rangliste ist demnach vor allem der Gesundheitsversorgung und der geringen Zeit, die Pendler im Verkehr stecken, geschuldet. Die monatlichen Kosten für die Dreizimmerwohnung aus dem Index kommt allerdings schon fast an New Yorker Verhältnisse heran. 2361 Dollar kostet die entsprechende Miete.

(Foto: Reuters)

Auch der möchte anonym bleiben. „Diskretion ist alles“, sagt Andrej. 2008 kam er als Manager eines staatlichen russischen Energiekonzerns auf die Insel. Als sein Vertrag auslief, machte sich der 52-Jährige als Unternehmensberater auf Zypern selbständig. Jetzt ist er zyprischer Staatsangehöriger – und EU-Bürger. In 146 Länder kann Andrej mit dem zyprischen Pass ohne Visum reisen. Das Dokument hat allerdings seinen Preis: knapp 2,5 Millionen Euro hat der Russe in ein Penthouse und zwei Büroetagen in Limassol investiert. „Ehrlich verdientes Geld, ordentlich versteuert“, beeilt sich der Anwalt zu versichern. Vier Monate später hatte Andrej seinen Pass. „Mir hat es immer schon auf Zypern gefallen, aber jetzt fühle ich mich hier richtig zuhause“, sagt der Russe zufrieden.

Ausländer, die in Zypern mindestens zwei Millionen Euro plus Mehrwertsteuer in Immobilien investieren und mindestens drei Jahre lang nicht weiterverkaufen oder 2,5 Millionen in zyprische Staatsanleihen stecken, können die Staatsbürgerschaft der Inselrepublik beantragen. Bedingung: Der Investor darf nicht vorbestraft sein. Mit dem Einbürgerungsmodell wollte die Regierung des konservativen Inselpräsidenten Nikos Anastasiades die krisengeplagte Wirtschaft ankurbeln. Das hat funktioniert. Rund 2000 Reisepässe habe man bisher an ausländische Investoren vergeben, berichtete Finanzminister Harris Georgiades kürzlich. Rund vier Milliarden Euro flossen so im vergangenen Jahr ins Land. Das entspricht mehr als einem Fünftel des letztjährigen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: Mit dem Tourismus verdiente die Insel „nur“ 2,4 Milliarden.

Vor allem die schwer gebeutelte Bauindustrie profitiert von dem Pass-Programm. Als die Insel wegen ihres aufgeblähten Bankensektors 2012 in den Strudel der Griechenlandkrise geriet, brachen die Immobilienpreise um 30 bis 40 Prozent ein. „Aber seit 2015 geht es wieder aufwärts“, berichtet der Immobilienberater Vasilis Iosif. „Die Nachfrage zieht an, die Preise steigen“, sagt der Experte. „Vom Preisniveau des Immobilienbooms nach dem EU-Beitritt Mitte der 2000er Jahre sind wir aber noch weit entfernt“, so Iosif. Billig ist die Insel dennoch nicht. Für eine neue Wohnimmobilie in Küstennähe muss man auf Zypern etwa 3000 bis 5000 Euro pro Quadratmeter ausgeben, mitunter werden 8000 Euro und mehr verlangt. „Vor allem die russischen und chinesischen Käufer treiben den Markt“, weiß Iosif. „Für viele von ihnen ist der Preis zweitrangig, ihnen geht es vor allem um den Pass.“

Rund die Hälfte der 2000 bisher vergebenen Pässe ging an Russen. Aber auch Chinesen, Libanesen und Israelis nutzen das Programm. Auch andere EU-Staaten wie Malta und Portugal locken ausländische Investoren mit der Staatsbürgerschaft. „Aber auf Zypern geht es besonders schnell“, weiß Andrejs Anwalt: „Normalerweise sind die Prozeduren in drei Monaten nach Unterzeichnung der Kaufverträge erledigt und der Pass wird ausgestellt.“

Andrej ergänzt: „Für Zypern spricht außerdem, dass wir hier willkommen sind.“ Rund 30.000 Russen leben auf der Insel. Ihre Präsenz ist nicht zu übersehen. Gleich neben dem Straßencafé befindet sich eine Filiale der Russian Commercial Bank, an der nächsten Straßenecke gibt es eine Lukoil-Tankstelle. Es gibt einen russischen Radiosender und eine russische Zeitung. Viele Geschäfte und Restaurants werben mit kyrillischer Schrift um Kunden. In den Bars von Limassol hat der Wodka längst den Brandy Sour verdrängt, das traditionelle Getränk aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft.

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