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Bundesbanker in Düsseldorf Ein rotes Trikot für Axel Weber

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Weber wirkt frisch und kämpferisch

An diesem Abend in Düsseldorf ist Axel Weber ein Publikumsmagnet: Nie zuvor seit ihrer Gründung 1970 hat die Akademie in Düsseldorf einen ähnlichen Besucherandrang erlebt. 400 Plätze fasst der große Saal, 650 aber wären nötig gewesen, um alle Gäste aufzunehmen, darunter Manfred Neumann, Alt-Präsident der Akademie, Wirtschaftsnobelpreisträger Reinhard Selten und der Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium Helmut Dockter. So wird Webers Rede „Schuldenkrise im Euro-Raum: Erkenntnisse und Schlussfolgerungen“ über Video auch in die gut gefüllten Nebenräume übertragen.

Respektvoll schauen die Gäste auf den Zentralbankchef, aber auch neugierig. Wie gibt er sich nach seinem Rückzug? Ist er angeschlagen? Oder befreit?

Tatsächlich ist Weber ganz in seinem Element, er wirkt agil, frisch und kämpferisch. So als habe er den Stress der vergangenen Tage gut überstanden. Seine Worte zeigen, dass er noch immer für die gleiche Sache kämpft. „Die Grundfesten der Währungsunion sind ein unabhängiges Europäisches Zentralbankensystem, das für eine gemeinsame Geldpolitik verantwortlich ist, die vorrangig das Ziel der Preisstabilität verfolgt“, sagt Weber.

In seinem knapp einstündigen Vortrag skizziert er die Ursachen der Schuldenkrise, kritisiert die mangelnde Haushaltsdisziplin der Euro-Staaten und  ungenügende Sanktionsmaßnahmen der Politik. Weber: „Um die Währungsunion dauerhaft zu stabilisieren ist es erforderlich, die finanzpolitischen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und zukünftigem Fehlverhalten entschiedener entgegenzutreten.“ Die finanzielle Solidarität der europäischen Bürger dürfe nicht überfordert werden.

Die Aufarbeitung der Krise vergleicht der passionierte Läufer mit seinem Lieblingssport: „Verglichen mit einem Marathonlauf haben die Problemländer  die ersten zehn oder 15 Kilometer geschafft. Die schmerzhaftesten Passagen kommen zu einem späteren Zeitpunkt.“

Klare Bilder, klare Argumentation. So etwas will man von Weber, der seit vergangenem Jahr Mitglied der Akademie ist, in Düsseldorf an diesem Abend offenbar hören. Die Gäste sind angetan. Akademie-Präsident Hatt hat ihn zu Beginn als einen „Mann der offenen Worte, der sich für die Karriere nicht weichspülen lässt“, angepriesen.

Unausgesprochen hängt die Frage im Raum: Was wird aus der Bundesbank, wenn mit Weber der Hüter der Währungsstabilität, der geldpolitische Falke geht? Von Kritik an seiner Person, dass er die Bundesbank im Stich lässt und Deutschland der Chance beraubt, einen aussichtsreichen Kandidaten für die EZB-Spitze ins Rennen zu schicken, ist in Düsseldorf wenig zu spüren.

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