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Chile Ein beliebtes Einfallstor nach Südamerika

Chile zieht Auslandsinvestoren vor allem mit guten Rahmenbedingungen an. Wenig Korruption, ambitionierte Ziele und die Mitgliedschaft in der OECD sind starke Argumente für potentielle Geldgeber.
02.09.2012 - 14:06 Uhr Kommentieren
Stetig steigendes Wachstum macht Chile bei den Exportnationen beliebt. Quelle: AFP

Stetig steigendes Wachstum macht Chile bei den Exportnationen beliebt.

(Foto: AFP)

Diese Widerstandskraft ist erstaunlich: Weder das katastrophale Erdbeben im Januar 2011 noch die sinkenden Rohstoffpreise oder die Stagnation in den Industrieländern konnten die chilenische Wirtschaft aus der Balance bringen. Nach sechs Prozent Wachstum im vergangenen Jahr wächst sie auch dieses Jahr in einem ähnlichen Tempo. Die steigende Beschäftigung und die Einkommenszuwächse der 17 Millionen Chilenen haben einen Konsumboom ausgelöst. Die interne Nachfrage kompensiere derzeit die "externe Wachstumsschwäche", sagt Joseph Ramos, Ökonomieprofessor an der Universität von Chile. Dabei ist das Land doch als führender Kupferexporteur besonders stark von der Lage der Weltwirtschaft abhängig.

Doch Chile hat sich längst mit einer antizyklischen Wirtschafts- und Finanzpolitik auf stark schwankende Exporteinnahmen eingestellt. Ein ausgeglichenes Staatsbudget ist Verfassungsziel. Ein Expertenrat legt anhand der jährlichen Ausgaben und langfristigen Einnahmenprognosen für das wichtigste Exportprodukt Kupfer fest, wie viel die Regierung ausgeben darf. Der Lohn ist eine Staatsverschuldung von nur 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das lateinamerikanische Musterland ist für Auslandsinvestoren auch dank niedriger Steuersätze seit langem attraktiv. Korruption spielt hier eine kleinere Rolle als bei den Nachbarn. Chile ist ein beliebtes Einfallstor nach Südamerika und als einziger Staat des Teilkontinents Mitglied im Industrieländer-Club OECD.

Wo die Bric-Staaten schwächeln
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Brasilien: Die Industrie des Landes hat ihre Kraft verloren
Die sechstgrößte Volkswirtschaft leidet unter der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen. Wachstumsraten von sieben Prozent – das war einmal.
Gleich zwei schlechte Nachrichten schockten die zuletzt erfolgsverwöhnte brasilianische Wirtschaft. Wie die nationale Statistikbehörde jetzt mitteilte, wuchs die sechstgrößte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr nur noch magere 2,7 Prozent, nach 7,5 Prozent im Jahr 2010. Und im Januar ist die Industrie des Landes um 2,1 Prozent geschrumpft gegenüber Dezember – das schlechteste Ergebnis seit der Krise 2008.

Die Industrie ist inzwischen der Bremsklotz der brasilianischen Konjunktur. Denn mit dem katastrophalen Jahresstart stagniert sie nun schon seit mehr als zwei Jahren. Hält die Schwäche an – und die Chance für eine kurzfristige Erholung im verbleiben Rest des ersten Vierteljahrs ist eher gering –, dann könnte Brasiliens Industrie erstmals vier Quartale in Folge schrumpfen, befürchtet das Finanzinstitut Banco Itaú. Die Regierung versucht schon seit längerem, mit Steuerbefreiungen für einzelne Branchen (Konsumgüter) und erhöhte Importsteuern (etwa für Pkw) gegenzusteuern.

(Foto: dapd)
Biodiesel Produktion im nordosten Brasiliens
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„Sollte das Wachstum jetzt geringer ausfallen, wird die Regierung alle Instrumente nutzen, um eine Konjunkturabkühlung zu verhindern“, erwartet José Carlos de Faria, Chefökonom der Deutschen Bank in São Paulo. Unterstützung erhält die Konjunktur dadurch, dass derzeit staatliche und private Infrastrukturprojekte für umgerechnet rund 180 Milliarden Euro bis 2014 umgesetzt werden. Und Brasilien verfügt über Spielraum für weitere Stimulierungen. Die Devisenreserven sind hoch, ausländisches Kapital strömt weiter ins Land, und auch die Notenbank kann die Zinsen noch senken. Doch Wachstumsraten von über sieben Prozent wie 2010 sind außer Sichtweite: Nach einer Umfrage der Zentralbank rechnen die führenden Investmentbanken damit, dass Brasilien 2013 rund vier Prozent wachsen wird. Alexander Busch

(Foto: action press)
VIP-Taxis in Moskau
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Russland: Abhängigkeit vom Öl hemmt die Entwicklung
Der größte Flächenstaat hat die Finanzkrise gut überstanden. Doch das schlechte Geschäftsklima und die Rechtsunsicherheit bremsen die Wirtschaft des Landes.

Das große Ziel rückt in die Ferne. Sieben Prozent sollte die russische Wirtschaft nach dem Willen Wladimir Putins in den kommenden Jahren wachsen. Doch der Traum des neuen russischen Präsidenten wird sich nicht erfüllen. In diesem Jahr wird sich die Konjunktur merklich abkühlen. Das reale Wachstum wird unter dem Niveau von 2011 liegen, in dem das Plus 4,3 Prozent betrug. Die offizielle Prognose des Wirtschaftsministeriums liegt bei 3,7 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet nur noch mit 3,3 Prozent. Verantwortlich dafür ist die schwache Weltkonjunktur; die Schuldenkrise in Europa spürt Russland hingegen wenig.

(Foto: picture-alliance/ dpa)
Gazprom
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Zwar hat die russische Wirtschaft die Finanzkrise des Jahres 2008 gut überwunden. Die Erholung sei jedoch nur auf den hohen Ölpreis zurückzuführen, der Wirtschaft mangele es an dauerhafter Kraft, sagt Odd Per Brekk, Leiter des Moskauer IWF-Büros. Um konstant hohe Zuwächse zu erzielen, muss das Land die Wirtschaft modernisieren und diversifizieren. Gleichzeitig muss sich das Geschäftsklima verbessern. Vor allem die Schaffung eines unabhängigen Justizsystems und weniger Interventionen des Staates in die Wirtschaft sind notwendig. Eine weitere wichtige Aufgabe ist der Stopp des Kapitalabflusses. Fast 85 Milliarden Dollar schafften die Russen 2011 außer Landes. Der IWF warnt: Ändert Russland seine Wirtschaftsstrategie nicht, wird das Wachstum auf mittlere Sicht zwischen 3,5 bis vier Prozent liegen. Reformiert die Regierung das Land, könne das jährliche Plus sechs Prozent betragen. Nötig seien dafür Haushaltskürzungen, eine Kontrolle über die Inflation sowie ein besser entwickeltes Finanzsystem, heißt es. Experten hoffen außerdem auf einen weiteren Wachstumsschub mit dem WTO-Beitritt, der für diesen Sommer geplant ist. Damit käme Russland wieder näher an das von Putin ausgegebene Ziel heran. Oliver Bilger

(Foto: dpa)
PAC CONSTABLE
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Indien: Die Wirtschaft braucht dringend neue Impulse
Mit 6,1 Prozent ist die Wirtschaft des Landes im Schlussquartal 2011 so langsam gewachsen wie seit mehr als zwei Jahren nicht. Die Regierung will gegensteuern.

Das Besorgniserregende an den jüngsten Konjunkturdaten ist, dass sich ausgerechnet drei für das Land überaus wichtige Sektoren als Wachstumsbremsen erwiesen: Das produzierende Gewerbe schaffte nur ein Plus von 0,4 Prozent, nach 7,8 Prozent im Vorjahr. In der für Indien immens wichtigen Landwirtschaft sank das Wachstum von elf auf magere 2,7 Prozent, und die Produktion der Minen schrumpfte gar um 3,1 Prozent.

Hinzu kommt die hohe Inflation von zuletzt acht bis zehn Prozent, die der Binnenwirtschaft schadet. Die Notenbank RBI hat mit einer Erhöhung des Leitzinses auf inzwischen 8,5 Prozent gegengesteuert, damit aber die wirtschaftliche Dynamik gebremst. Ökonomen erwarten deshalb, dass die RBI bei ihrer nächsten Sitzung am 15. März den Leitzins zum ersten Mal seit März 2010 wieder senken könnte.

(Foto: ap)
Kokosnüsse gegen den Durst
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Mit anderen Stimuli tut sich die Regierung schwer. Sowohl die weitere Liberalisierung der Wirtschaft als auch höhere Subventionen erscheinen politisch kaum durchsetzbar. So zog Premier Manmohan Singh den Plan, größere Investitionen ausländischer Einzelhändler zu erlauben, nach landesweiten Streiks binnen weniger Tage wieder zurück. Auch bei den Subventionen steht die Regierung unter Druck. Eine schwache Rupie, hohe Ölpreise und die ausufernde Agrarförderung dürften das Defizit im aktuellen Haushalt von geplanten 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 5,5 Prozent treiben.

Um die Wirtschaft zu stimulieren, will die Regierung nun die großen Staatsbetriebe bewegen, Teile ihrer Cash-Reserven aufzulösen und im Land zu investieren. Rund 35 Millionen US-Dollar sollen so zusammenkommen. Auf mittlere Sicht dürften Regierung und Zentralbank zudem versuchen, die Rupie aufzuwerten, damit Unternehmen im Ausland billiger Energie und Maschinen einkaufen können. Stefan Mauer

(Foto: dpa)
Vorbereitungen für den chinesischen Nationalfeiertag
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China: Mehr qualitatives Wachstum wäre besser
Das Turbo-Wachstum der vergangenen Jahre hat zu verheerenden Umweltschäden geführt. Weniger Wachstum ist deshalb das Gebot der Stunde.

Chinas Kommunistische Partei plant gern von langer Hand. Schon in den 1990er-Jahren hatte die Partei die Devise ausgegeben, im neuen Jahrtausend die Wachstumsraten zu senken, damit Qualität Vorrang vor Quantität habe. Das gelang zwar in den Jahren 2006 bis 2011 nicht, statt der erstrebten 7,5 Prozent gab es ein Plus von zehn Prozent. Doch derzeit scheint das Wachstum wie geplant zu sinken.

Der aktuelle Wachstums-Zielwert für die Zeit bis 2015 beträgt sieben Prozent, 2012 sollen es 7,5 Prozent sein. „Wir passen derzeit unsere Wirtschaftsstruktur an“, gab Regierungschef Wen Jiabao jüngst zu Protokoll. Tatsächlich zeigen aktuelle Daten, dass Chinas Exporte zurückgehen und gleichzeitig die Importe stark steigen.

(Foto: dpa)

Umgekehrt nutzen Chiles Konzerne die Stabilität des Heimatmarktes, um zu wachsen. Die chilenische Fluggesellschaft Lan hat den größten brasilianischen Konkurrenten Tam übernommen und den lateinamerikanischen Marktführer Latam gebildet. Chiles Einzelhändler Cencosud besitzt Supermarktketten in Brasilien und Argentinien und dominiert in Peru und Kolumbien den Einzelhandel. Die Verbindungen nach Deutschland sind schon jetzt eng. Vier Prozent des Außenhandels treibt Chile mit den Deutschen. Prognos sieht in dem Land am Pazifik noch viele Gelegenheiten für Exportgeschäfte - weniger hingegen für Direktinvestitionen.

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    Lukrative Möglichkeiten böten sich etwa für die Elektroindustrie. Denn Chile hat weder Öl noch Gas und muss einen Großteil der für seinen Wirtschaftsboom benötigten Energie importieren. Als Lieferanten dürften deutsche Firmen auch am Megaprojekt Hidroaysén partizipieren - fünf neue Staudämme in Patagonien sollen 2020 ein Fünftel des nationalen Strombedarfs decken. "Auch der Nutzung von Sonnen- und Windenergie wird mittelfristig eine tragende Rolle zukommen", so Prognos. Gute Exportaussichten sehen die Forscher auch für die Hersteller von Nutzfahrzeugen.

    In den letzten Jahren investierten deutsche Unternehmen vor allem in der Agroindustrie, im Bergbau und auf dem Immobiliensektor. Obwohl Chile nur die sechstgrößte Wirtschaft Lateinamerikas ist, spielt das Andenland beim Bergbau in der internationalen Spitzenliga mit: Die Bergbaumesse Expomin ist die drittwichtigste Ausstellung der Branche weltweit - unter reger Beteiligung deutscher Aussteller.

    Ein Problem teilt Chile jedoch mit anderen lateinamerikanischen Ländern: die verbreitete Armut. Die Regierung hat die Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Versicherung von der Steuer befreit, doch davon profitieren vor allem wohlhabende Chilenen. Seit zwei Jahren protestieren deshalb immer wieder Studenten gegen die Privilegien der Oberschicht.

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