Deutschland-Bericht IWF warnt Merkel vor zu striktem Sparkurs

In der vergangenen Woche hatte die OECD höhere Löhne in Deutschland gefordert. Nun legt der IWF nach und warnt vor einer zu strikten Sparpolitik. Die wirtschaftlichen Aussichten sieht er pessimistisch.
34 Kommentare
IWF-Chefin Lagarde hält derzeit nicht viel von einer rigiden Sparpolitik. Quelle: dpa

IWF-Chefin Lagarde hält derzeit nicht viel von einer rigiden Sparpolitik.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschland polarisiert Ökonomen. Für die einen ist es mit seiner Sparpolitik ein Vorbild für die Krisenländer. Andere halten seine Politik für krisenverschärfend.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht seinem Deutschland-Bericht auf Distanz zu einem rigiden Sparkurs. Im derzeitigen Umfeld niedrigen Wachstums sollte eine Übererfüllung der Haushaltsziele unbedingt vermieden werden, heißt es darin.

Für dieses Jahr rechnet der IWF mit einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent in Deutschland. Vorrausetzung hierfür sei ein Abflauen der Euro-Krise und eine schrittweise Erholung der Wirtschaft zum Jahresende. Als Risiken sieht der IWF neben der Unsicherheit um die Euro-Krise auch die schwächere Weltkonjunktur und den Finanzsektor in der Euro-Zone. Insgesamt habe sich die Kapitalbasis der deutschen Banken verbessert. Nach wie vor schlummerten aber Risiken in ihren Büchern etwa bei der Schifffahrt und bestimmten ausländischen Vermögenswerten.

Um das Wachstum in Deutschland anzuschieben empfehlen die IWF-Ökonomen Reformen, die bei der Produktivität und dem Arbeitskräftepotential ansetzen. Dazu gehörten beispielsweise steuerliche Anreize, eine stärkere Förderung von Betreuungsangeboten und bessere Ausbildungsangebote. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerung sei zudem eine stärkere Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte nötig.

Vor dem IWF hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der vergangenen Woche eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur in Deutschland gefordert. In ihrem Ausblick empfahl die OECD höhere Löhne in exportstarken Staaten wie Deutschland.

"Mit höheren Löhnen und einer stärkeren Liberalisierung der Produktmärkte in den Überschussländern könnte für einen symmetrischeren und wirkungsvolleren Ausgleichsprozess gesorgt und zugleich das Wachstum gefördert werden", hatte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan gesagt. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Exportüberschüssen.

Startseite

Mehr zu: Deutschland-Bericht - IWF warnt Merkel vor zu striktem Sparkurs

34 Kommentare zu "Deutschland-Bericht: IWF warnt Merkel vor zu striktem Sparkurs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die heute wieder in Deutschland propagieren, nur sparen als das einzig richtige in der Krise befürworten, müssen Geschichtsvergessen sein? Wer den gleichen Fehler zweimal macht, ist entweder nur dumm, oder ignoriert die Ursachen. In den dreißiger Jahren, hatte der Reichskanzler Brüning folgende Äußerung gemacht ich zitiere:
    „Reichskanzler Brüning rechtfertigt seinen Sparkurs (1931). "Ich werde mich bis zum letzten dagegen wehren, irgendeine inflatorische Maßnahme irgendeiner Art zu treffen, und zwar nicht nur aus Gerechtigkeit, nicht nur zum Schutze der Schwachen, sondern weil ich der Ansicht bin, dass die ehrliche Bilanz in der deutschen Wirtschaft trotz aller Bitternisse wiederhergestellt werden muss und dass jeder Versuch und jedes Verlangen nach inflatorischen Maßnahmen letzten Endes nur den Zweck haben kann, diesen Prozess der klaren Bilanz der gesamten deutschen Wirtschaft zuschanden zu machen und wiederum einen Schleier über die Fehler der Vergangenheit zu ziehen“

    Zu welchem Desaster dies letztendlich geführt hat, weiß man doch noch oder? Kaputt sparen alleine, aller Brüning hatte noch nie in der Geschichte, in irgend einem Land auf dieser Welt aus der Krise geholfen, dass sei allen Unverbesserlichen ins Stammbuch geschrieben.

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde Deutschland nicht durch einen rigiden Sparkurs wieder aufgebaut, oder liebe Deutsche? Die Schulden mussten warten, und wurden erst in den Neunzigern getilgt? Sondern durch Investition Programme, welche auch noch per Gesetz vor den Gläubigern geschützt wurden. Trotz dieser Erfahrungen, hält eine Mehrheit in Deutschland an dem Irrglauben fest, nur sparen hilft in einer Finanzkrise? Warum will man die Fehler, welcher in der Geschichte weltweit noch nie funktioniert haben, wiederholen?

  • Dass der IWF in Europa jetzt zu bestimmen hat, haben wir der Zonen-Wachtel zu verdanken.
    Früher war der IWF ausschließlich für die Entwicklungsländer zuständig

  • 'hellboy'
    -------------
    Erzählen Sie diesen egoistischen Quatsch den hungernden Kindern in Griechenland!
    -------------

    2012 betrugen in Griechenland die Einkommen aus Löhnen, Gehältern und Sozialleistungen PRO KOPF 9,883 Euro - 31,0% mehr als 2001.

    Für eine kalorisch ausreichende und ausgewogene Ernährung ist ein Zehntel dieses Betrages ausreichend.

    Wenn da Kinder hungern, dann liegt das wohl an den Griechen.

    ...

    Erzählen Sie Ihren gutidiotischen Quatsch Ihrem Frisör.

  • Und wieder fordern sie Zuwanderung
    Man bekommt so das Gefühl, dass Deutschland mit aller Macht platt gemacht werden soll

  • lensoes
    Volle Zustimmung
    Völlig lebensferne Menschen plappern was wir zu tun haben
    Die gehören alle mal in die Fabrik und dann wissen sie wie das Leben funktioniert

  • @hellboy,

    w e n interessieren die schon ?

    Andere LÄnder, andere Sitten !!!

  • "symmetrischeren und wirkungsvolleren Ausgleichsprozess"

    Wenn man davon absieht, dass dieser Vorschlag mit anderen Worten schon einmal gemacht wurde und jetzt als neue Worthülse präsentiert wird, bedeutet das so viel wie:

    "Deutschland muss seine Leistungsfähigkeit reduzieren, damit die anderen daneben nicht so schlecht aussehen."

    Aber: Deutschland soll bitte weiterhin die Melk-Kuh spielen. Damit wir uns alle auch moralisch dazu verpflichtet fühlen, bitte nicht vergessen, dass wir in alle Ewigkeit für die Nazi-Greuel büßen müssen und dass schon wieder Kinder in Griechenland hungern, wegen der bösen überambitionierten und so schlimm effektiven Deutschen. Schlimm, richtig schlimm.

    Da wir aber alle schon gehirngewaschen sind und wie der Pawlossche Hund reflexartig reagieren, werden wir sicher diesen widersinnigen Vorschlag der anderen folgen. Da bin ich mir sicher.

  • Merkel ist ein politische Chameleon. Sie steht für alles - und für nichts. Hinter ihr steht niemand (mehr).

    Sie macht alles "ad-hoc" aus der Hüfte. Je nach Bedarf, so eigenwillig und unberechenbar wie die Flug-Route einer Stubenfliege im Wohnzimmer am Lampenschirm.

    SPD versucht mal die Fliege zu fangen ... viel Spass auch ! :--)

    Ihr Dauergrinsen hat schon etwas von einer Mischung aus speckbackiger Dreistigkeit, Ignoranz und Dekadenz.

    Ohne die deutsche Regierung wäre die "EU in Brüssel" schon lange (endlich) zusammengebrochen. Die Regierungen Europas mögen Brüssel nicht und die Völker Europas auch nicht. Nur Merkel und ihr EU-Dreigestirn (M.Schulz, Barroso, Rompuy) bilden die Zentralmacht, die ab Oktober wieder weiter ausgebaut wird. Bis dahin haben sie die Lautsprecher abgestellt oder Kreide gefressen.

  • Der IWF kann ja weitere Milliarden verschenken, ist deren Sache. Aber Deutschland ist nicht weiter die "Melk-Kuh" der "EU in Brüssel". Subventions-Politik verzerrt die gesunde Konkurrenz, die nicht-subventionierten Unternehmen brechen zusammen und führt zu "Subventions-Plan-Wirtschaften a la Sozialismus". Nur die Unternehmen, die sich Brüssel unterwerfen überleben dann. Das ist wohl auch deren Strategie !

  • @hellboy

    "Erzählen Sie diesen egoistischen Quatsch den hungernden Kindern in Griechenland!"

    Also zu Ende gedacht, viele Deutsche sind schuld wenn Kinder in Griechenland hungern. Die Griechen aber nicht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%