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Die Angst vor der Rezession Wie schlimm wird es wirklich?

Manche rufen „Rezession!“ Nur noch ein kleiner Schubs sei nötig, dann gerate die Weltwirtschaft aus der Balance. Deutschland aber könnte glimpflich davonkommen.
  • Uwe Jean Heuser, Kolja Rudzio, Mark Schieritz
15 Kommentare
Containerterminal im Hamburger Hafen. Quelle: dpa

Containerterminal im Hamburger Hafen.

(Foto: dpa)

Nicholas Bloom ist der neueste Held aller Schwarzseher. Europa zerstritten, die USA gelähmt, die Banken angeschlagen – ein "explosives Gemisch" für die Weltkonjunktur sei das, sagt Bloom. Er ist Wirtschaftsprofessor im kalifornischen Stanford, hat die Börsenturbulenzen der vergangenen hundert Jahre untersucht und befindet in aller Kürze: Die Kursausschläge heute sind so wild wie nach den Terroranschlägen des 11. September. Deshalb kommt im Westen jetzt das, was immer auf eine Zeit extremer Verunsicherung folgt – die Rezession.

Hat der Panikforscher recht? Ja, sagen die Börsianer, die den Dax aufs Jahrestief gedrückt haben. Es genüge noch ein kleiner Schubs, dann gerate die Weltwirtschaft aus der Balance, erklärt die Investmentbank Morgan Stanley ganz trocken.

Wenn es nur Börsianer und Banker wären, die jetzt Trübsal blasen. Aber das Wachstum ist längst dabei zu erlahmen. Zwischen April und Juni ist die französische Wirtschaft gar nicht gewachsen, die deutsche um mickrige 0,1 Prozent und alle Industrieländer haben im Durchschnitt um 0,2 Prozent zugelegt. So langsam bewegte sich die Industriewelt zuletzt vor zweieinhalb Jahren – als die Bankenkrise sich auf die Realwirtschaft ausweitete. Die Börsianer haben also allen Grund zur Angst. Der Westen lag beim Wachstum zuletzt auffällig nah an der Nulllinie und könnte schnell darunter sinken.

Wie in einer Reihe fallender Dominosteine kommt die Gefahr der Bundesrepublik, dem Wachstumswunderland des vergangenen Jahres, näher.

Der erste Stein, das war die Abschwächung der Dynamik in führenden Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas. Mit ihrem Hunger nach Rohstoffen, Maschinen und Konsumprodukten hatten China, Brasilien und Co. die Weltkonjunktur 2010 vorangetrieben. Dabei überhitzten sie, die Inflation stieg, ihre Zentralbanken erhöhten die Zinsen und dämpften auf diese Weise die Konjunktur. Erst zu Hause, dann über den Weg des Welthandels überall auf dem Globus.

Dann fiel der zweite Stein. Im Westen laufen die Konjunkturprogramme aus dem Krisenjahr 2009 aus. Das verlangsamt die Wirtschaft weiter.

Weil von Griechenland bis Irland viele Euro-Länder viel zu hoch verschuldet sind, fiel dann ein besonders dicker Stein: die Staatsschuldenkrise. Erst misstrauten die Kreditgeber an den Finanzmärkten nur Griechenland und Portugal, dann auch Spanien und Italien, am Schluss sogar Frankreich. Mehrfach musste sich Euroland in Rettungsaktionen der Welle der Angst entgegenstemmen. Und die Krisenländer müssen erstmals seit einem Jahrzehnt ernsthaft sparen. Das Leben auf Pump geht nicht mehr einfach so weiter, und die Wirtschaft reagiert wie ein Junkie auf Entzug.

Der vierte Stein: Die stets optimistischen Konsumenten in den Vereinigten Staaten sind zu Angstsparern geworden. Und wenn in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, die Wachstumslichter ausgehen, wird es nach allen bisherigen Erfahrungen in der gesamten Weltwirtschaft düster.

Als würde all das nicht genügen, verängstigen die Regierungen Europas und Amerikas ihre Verbraucher und Investoren noch zusätzlich. Und das ist ein gewaltiger Stein, der da fällt.

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Banken horten Geld, statt es zu verleihen
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15 Kommentare zu "Die Angst vor der Rezession: Wie schlimm wird es wirklich? "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Die Finanzminister der G20, ohne Beteiligung der Lobbyisten, hätte es in der Hand einen besseren "Markt" zu schaffen“. Korrekt.
    Bei der Lösung des Rätsels helfen Zahlen weiter.
    In den letzten 3 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 32,5 Billionen Dollar aufgewendet, das Jahres BIP der Weltwirtschaft, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen.

    Beides ist gründlich schief gegangen. Die Bankster sind immer noch genau so pleite wie anno 2007, weil die ganzen Rettungsbillionen schon wieder im Eigenhandel und an der Börse verzockt wurde. Und nachdem alle Konjunkturstrohfeuer wirkungslos verpufft sind, brechen die westlichen Industriestaaten zusammen. Einer nach dem anderen – eine unaufhaltsame Kettenreaktion.
    Wegbrechende Steuereinnahmen prallen auf explodierende Ausgaben für Soziales und Kapitaldienst, die Henkerschlinge für jeden Staat. Die Griechen kennen sich da bestens aus. Aber gerade wir in DE dürften mit unseren Produkten Made in Germany mit einem blauem Auge davon kommen, falls wir nicht alles an die PIIG/F(S verschenken müssen, wie in den letzten Jahren auch geschehen.

    18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken, das sind 44% ihrer gesamten "Geldanlagen"

    Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

    Auch der massive Aufschwung der Schwellenländer wurde mit zinslosem Zentralbankgeld der EZB, BoE und der Fed vorangetrieben. Das nächste Pulverfass!! Leben und schlemmen auf Kosten der Steuerzahler, das ist das Grundübel des nicht mehr all zu fernen Armageddons. Ohne einen Reset im Finanzsystem und einer Trennung von Geschäfts- und Zockerbanken wird es keinen Aufschwung in den westlichen Industriestaaten geben. So sicher wie das Amen in der Kirche.

  • @Pendler

    Die vergangenen 4 Wochen haben gezeigt, dass Aktionäre viel Geld verlieren können, ohne dass sich in der Realwirtschaft etwas verändert.

    Weder Merkel/Sarkozy noch Ben Bernanke ist auf die Forderungen der Finanzmärkte eingegangen. Und? Nichts passiert. Das Kapital ergreift die Flucht und verkriecht sich in sichere Staatanleihen.

    Apropos immer Geld verdienen an der Börse.
    Wer hat denn die 25% Abschlag an der Börse verloren?

    Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass hier alle Zocker immer nur darüber schreiben, dass sie Geld an der Börse verdienen, aber niemals darüber schreiben, wenn sie Geld verzockt haben?


  • ein ängstlicher hosenscheisser wie sie, ohje im leben nichts auf die reihe gebracht und anderen die Bereicherung erklären wollen ein wicht der sich wichtig nimmmmt ein lacher für sie im Hamsterrad gehts unaufhaltsam vorwärts.

  • [email protected] Insider

    Merkel ist mehr die Kanzlerin für den Untergang.
    Wir werden sie erst dann ersetzen, wenn es weider nach oben geht.

    Mit der Ablösung von Frau Merkel wird auchdie Krise beendet sein.

  • [email protected] Brasso,

    bei allem Respekt, aber ihre süßen Träuemereien haben wirklich schon eine dicke Schicht Patina angelegt.

    Das Kapital hat IMMER Recht.

    Jeder weiß es und richtet sich danach. Egal, ob es sich um die Wirtschaft handelt, oder die von ihnen vorgeschobenen Politiker. Und inzwischen ist es so, dass schon gringen Veränderungen im Geldsystem über Wohlstand oder Katastrophe der Welt entscheiden.

    Aber in welche Richtung der Markt auch geht, man sollte daran verdienen können. Im Moment mit Short-Derivaten und nach Ende der Krise eben wieder in saubere Wachtumsaktien.

  • @GordonGekko

    BTW. Von mir aus dürfen sich die Hedgefonds und die Schwarzgelder in Singapur ruhig gegenseitig ruinieren. Mittelfristig würden sie zurück in den sicheren Hafen kommen.

    2008 hat "das Kapital" einen drittel ihres Kapitals verloren. Durch die Rettung haben sie es dann wieder bekommen. Nochmal bekommen sie es nicht wieder. Nächstes mal bekommen sie ihre Förmchen und Eimerchen abgenommen.

    Gruß aus den kühlen und rational denkenden Deutschland.


  • @ Brasso

    Sehen Sie, es macht gar keinen Unterschied, ob Schwarz/Gelb, Rot/Grün oder Schwarz/Rot.

    Das Kapital gewinnt immer !!!

    Gruß aus dem tropisch warmen Singapore.

  • @GordonGekko

    Aus ihrer Art der Argumentation lese ich, dass sie zwar meiner Meinung sind, nur eben pessimistisch.

    Ich bin da optimistischer. Auch die Investoren, die ihr Geld in deutsche Anleihen investiert haben wissen, möchten nicht dass gegen ihr Geld spekuliert wird.

    An der völlig unbegründeten Aktienkrise und die damit verbundene Flucht des Kapitals in amerikanische Anleihen sehe ich, dass die Sehnsucht nach Ruhe bei dem scheuen Reh sehr groß ist. Ganz zu schweigen von dem Wunsch der asiatischen Staatsfonds.
    Wenn es genug deutsche Anleihen geben würde, würden sie alle liebend gerne ihr Geld in Deutschland investieren. Obwohl auch die Märkte wissen, dass CDU/CSU/FDP ein Auslaufmodell ist.


    Das geringste Interesse an der Steinzeit hat der Finanzmarkt. Sie brauchen funktionierende Märkte. Das Reh wird nicht in die BRIC-Staaten flüchten, wenn die Absatzmärkte in Amerika und Europa fehlen.

  • @ Brasso

    Wenn Sie denken, dass sich bei einem Regierungswechsel in Deutschland etwas an der grundsätzlichen Politikrichtung ändert, sind Sie ein ziemlich naiver Traumtänzer.

    Diese darf dann vielleicht bei Hartz4-Empfänger oder bei der "Hundesteuer" eigenständig entscheiden, aber die "große" Politik ändert sich mit Sicherheit nicht.

    Bei über 52% Auslandsschulden, sprich ausländischen institutionellen Investoren denen Deutschland über gekaufte Staatspapiere quasi "gehört", schwer vorstellbar.

    Aber falls doch, Kapital ist heutzutage flexibel und mobil, und scheu wie ein Reh. Viel Spaß in der Steinzeit...

  • @GordenGekko

    Gerade weil ich den Kapitalismus kenne, sehe ich das Entsetzten der Kapitalisten in ihren Augen. Sie merken, dass sie den Bogen überzogen haben und fürchten die Guillotine.
    Die Springerpresse hat ihren Guttenberg nicht durchdrücken können, die Murdock-Presse ist auch aufgeflogen und auch das Handelsblatt wird bald die hand beissen die sie füttert.
    Der Kapitalismus frisst mittlerweile seine eigene Kinder und die Bevölkerung, nicht nur die Deutschen, werden sich in den nächsten Jahren bei Wahlen erinnern, wer ihnen den Mist ingebrockt hat. Die Deutschen werden meiner Meinung nach sogar die Vorreiter spielen.

    Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil, wenn sich die Deutschen für 5€ Steuererleichterung bei der nächsten Bundestagswahl (wann immer sie sein sollte), wieder die aktuellen Koalitionsparteien wählen.

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