Drohende Staatspleite Spitzenökonomen fordern „Plan B“ für Griechenland

Quo vadis Griechenland? Die EU ist überzeugt: der pleitebedrohte Staat wird sich weitgehend selbst aus dem Schuldensumpf ziehen. Doch Ökonomen glauben nicht an den Befreiungsschlag und fordern einen Plan B.
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Die Akademie in Athen. Quelle: Reuters

Die Akademie in Athen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDeutsche Spitzen-Ökonomen haben in eindringlichen Worten die Politik und die Europäische Zentralbank (EZB) aufgefordert, rasch Vorsorge für eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise und eine mögliche Griechenland-Pleite zu treffen. "Der Standpunkt der EZB, sich mit aller Macht gegen eine Umschuldung zu stemmen, kann sich als fatal herausstellen, wenn die Umschuldung Griechenlands unvermeidbar wird, ohne dass Vorkehrungen gegen eine Ansteckung anderer hoch verschuldeter Staaten in der EU getroffen wurden", sagte der Wirtschaftsweise Lars Feld Handelsblatt Online. "Ich hoffe daher sehr, dass die EZB sich Gedanken um den berühmten Plan B macht."

Feld zeigte sich überzeugt, dass vor allem Griechenland vor dem Hintergrund der verfügbaren Wirtschafts- und Haushaltsdaten ein "kaum zu bewältigendes Schuldenproblem" habe. Die anderen Länder könnten es mit einer geeigneten Konsolidierungspolitik schaffen. "Griechenland benötigt ein Umschuldungsprogramm, das dem Land genügend Anreize belässt, sich weiter um eine Verbesserung der Wachstumsbedingungen und eine Sanierung des Haushalts zu bemühen, zugleich aber diese Sanierungsanstrengungen mit einer geringeren Schuldenstandsquote glaubwürdig macht". Zudem sei es erforderlich, dass die EZB dieses Umschuldungsprogramm begleite.

Am Montag hatte die Regierung in Athen weitere Sparmaßnahmen in Höhe von sechs Milliarden Euro beschlossen, um das Haushaltsdefizit 2011 auf die mit dem IWF und der EU vereinbarten 7,5 Prozent zu drücken. Zudem sollen zügig Staatsunternehmen oder Staatsbeteiligungen veräußert werden. Ob das hilft, um eine Pleite des Mittelmeerlandes abzuwenden? Die EZB vertraut darauf, dass Griechenland seine Probleme in den Griff bekommt.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will derzeit keinen anderen Weg gehen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt warnte Schäuble gar vor unkontrollierbaren Folgen einer Umschuldung Griechenlands. Manchen Experteneinschätzungen zufolge könnten die Auswirkungen katastrophaler sein als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, sagte der Minister.. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sicherte Schäuble indes Unterstützung für eine eventuelle "sanfte Umschuldung" zu. Als Bedingungen dafür habe Schäuble unter anderem die Beteiligung privater Gläubiger wie etwa Banken genannt, sagte Brüderle. "Der Bundesfinanzminister hat die FDP-Fraktion an seiner Seite, wenn er eine sanfte Umschuldung hart aber fair umsetzt." Der ehemalige Wirtschaftsminister fügte hinzu, die griechischen Wirtschaftszahlen sprächen für sich. "Dafür braucht man nicht Pythagoras, da genügt Adam Riese."

Auch Ökonomen sehen angesichts der jüngsten Warnschüsse der Ratingagenturen in Richtung Belgien, Italien und Griechenland dringenden Handlungsbedarf. "Was fehlt, ist eine klare Strategie, ein Befreiungsschlag", kritisierte etwa Henrik Enderlein von der Berliner Hertie School of Governance. In den vergangenen 12 Monaten seien scheibchenweise viele Tabus gebrochen worden, aber immer zu spät und immer zu halbherzig, sagte Enderlein Handelsblatt Online. "Bis heute ist unklar, wohin die Reise geht." Wenn die Regierungen der AAA-Länder den Euro behalten wollen, , dann müssten sie für ihn einstehen und "gegen populistische Strömungen und Stammtischreflexe argumentieren und allen klar machen, dass sie bereit sind, zumindest einen Teil der Lasten der Stabilisierung in den Peripherieländern zu schultern". Die ökonomischen Argumente hätten sie auf ihrer Seite: "Die Kosten eines Zerfalls des Euroraums sind deutlich höher, ganz zu schweigen von den politischen Risiken."

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  • Ich mache mir keinen Hals mehr über die ganzen oberschlauen,sogenannten Entschuld(ig)ungsprogramme.Habe alles in SFr angelegt und nur noch ein kleines Taschengeld behalten,das bis zum Totalzusammenbruch reicht.Der Euro-Crash war nämlich schon gestern,wird aber tunlichst verschwiegen.Warum wohl tagten die Krisengipfel G8 in Frankreich und der in Athen.Der EURO verhält sich genauso zerfallspandemisch wie EHEC...und der Patient EU wird gerade zu Tode gepflegt.Sie versuchen es zwar noch mit einer Art programmatischer Euro-Blutwäsche,können aber nicht mehr verhindern,daß die Geduld der EU-Bürger (auch der in D) zerstört wird wie die roten Blutkörperchen durch den infektiösen,importierten Gurkensalat aller EU-Politiker.Die sind nämlich für die Fäkalisierung unseres Grundzahlungsmittel EURO verantwortlich und nicht die Bürgerschaften.Doch krepieren muß wie immer leider nur der "Kleine Mann".Bleibt die eine Hoffnung, daß sich endlich auch bei uns ein Sinneswandel auf breiter Front hin zu einem desinfizierenden,reinigenden "Basis-Wut-Bürgertum" entwickelt,nach dem Motto:wenn die Iren,Spanier,Griechen,etc. demonstrieren,dann dürfen wir das schon lange,denn wir sind schließlich die Zahlmeister der EU.Und die andere Hoffnung ist,daß es keine Wirtschaftsapokalypse im EU-Land geben möge und wir nur mit einer,wenn auch bitteren,Notlage davonkommen,denn unser einziges Ass im Ärmel ist die noch immer gut gebunkerte D-Mark Reserve.

  • Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.
    Nun ist die Zeit herum.Die Wahrheit über das verantwortungsvolle Wirtschaften einiger Partner im Euro-Währungsraum lähmt unsere Regierenden und überfordert die Staatskassen.
    Es wurde seinerzeit vor einem gemeinsamen Währungsraum ohne gemeinsame Regierung gewarnt, nun sind die schlimmsten Befürchtungen eingetroffen.
    Länder wie Dänemark und Schweden waren nicht weniger europäisch, aber nicht so blauäugig.

    Wie wird es weitergehen?
    Unsere Politiker denken in den Zeiträumen von Wahlperioden. Eine ständig weitere Alimentierung des ClubMed wird vom Wähler und Steuerzahler nicht mitgetragen. Die finanziellen Hilfen werden geringer und der Verschuldungsproblematik nicht gerecht. Der Euroraum zerbröselt von der Peripherie her. Im Ergebnis könnte sich ein Rest-Euroraum erfolgreich herausbilden.

  • Wir kriegen euch alle! Und wir werden es nicht vergessen, wem wir das alles zu verdanken haben!
    Jeder Abgeordnete welcher der potenziellen Enteignung des Deutschen Volkes - genannt "ESM" zustimmt, wird dafür später persönlich zur Rechenschaft gezogen werden.
    Wenn die Euro Lüge platzt, und jetzt mal ganz ehrlich - daran zweifelt doch niemand ernsthaft der logisch denken kann, dann werden noch sehr dramatische Zeiten kommen, und genau dann seit ihr alle fällig. Ihr werdet nicht mehr ruhig schlafen können, weil der zerfallende Systemapparat euch keinen Schutz mehr gewähren kann vor der gerechten Strafe.
    Berlin wird die Stadt der geschmückten Laternen sein.
    Noch könnt ihr gut lachen. Ein halbes Jahr, ein, zwei oder drei Jahre, völlig egal - den der Euro Crash wird kommen und den normalen Bürger am härtesten treffen, je länger es dauert desto lauter wird der Knall.
    Wir werden und das nicht gefallen lassen!
    "Wer zuletzt lacht ...".
    Das Analer Rundfunk Doffland und Zweites Dumm Fernsehen guckende BRD Schaf läßt sich noch ausbeuten und für dumm und dämlich verkaufen. Aber wenn die ganze verlogene Euro Lügengeschichte mit einem Knall auffliegt und es ans Eingemachte vom naiven BRD Blöd Schaf geht, dann wacht es ganz plötzlich auf und wird wie eine tollwütige Furie beißwütig und blindlings auf alles losgehen.
    Dann ist es vorbei mit der Pseudo Demokratie und der Mob wird auf den Strassen tanzen. Dann wird sich jeder selbst der nächste sein und zusehen müssen wo er bleibt. Dann holen wir uns zurück was unser ist und die Umverteilung wird von oben nach unten gehen. Und genau dann seit IHR fällig, direkt aus dem Reichstag an die Laterne oder hinter den PKW gekettet, wie auch immer - wir werden viel Spaß miteinander haben.
    Und Zuhause braucht ihr euch auch nicht zu verstecken, wir kriegen euch alle. Das asoziale Stasi Mistvieh im Hosenanzug und der verbitterte senile deutschenfeindliche alte Mann im Rollstuhl sind zuerst dran.

  • Die EUrokraten meinen, die Eurobonds wären die Lösung. Dass Deutschland also ganz gewiss die Schulden der anderen Europäer übernimmt.
    Für wie blöd hält der eigentlich die Steuerzahler? Da wähle ich lieber BRAUN!

  • Ein Plan "B" kann nur darin bestehen, sich von der bisherigen Linie weg zu bewegen und dafür zu sorgen, daß die Verusacher auch die Folgen zu tragen haben.
    Richtig ist, daß die unabwendbare Zwangsumschuldung per Staatspleite/-zahlungsunfähigkeit Griechenlands sich dann einstellen wird, wenn auch die Rahmenbedingungen am ungünstigsten sein werden. Man kann jetzt schon ausrechnen, wenn Belgien und Italien kurz vor dem Offenbarungseid stehen werden, es nicht zu tun oder die Ergebnisse zu verdrängen entspricht Politikerverhalten. Kritik und Appelle allein reichen nicht, um das Schlimmste abzuwenden, politisch relevate Taten sind erforderlich, vor allem von den deustchen Bürgern, sie werden später als die "Hauptschuldigen" wegen Mitläufertum und Duldung dieses Gesamtunrechtes beschuldigt werden!

  • Wie sagte Prof. Hankel???

    Es wird den Euro solange geben, bis als letzter Deutschland an der ihm durch Europa aufgebürdeten Schuldenlast zusammenbricht!!!

    Das Experiment Euro verläuft nach Drehbuch:
    Erst geht die Peripherie pleite, dann Deutschland.

    Der Euro wird mit dem Bankrott aller daran beteiligten Staaten enden - ob über eine Hyperinflation, indem die EZB Euro druckt ohne Ende, ober über ganz normale Kreditereignisse.
    Etwas Anderes ist politisch nicht gewollt. So sieht die europäische Schicksalsgemeinschaft aus:
    Leben auf Kosten anderer!

    Der Euro endet spätestens dann, wenn Deutschland insolvent ist!

    "Unsere" Politiker sind korrupt und verlogen.
    Sie arbeiten entgegen ihrem geleisteten Eid NICHT für das Volk - sondern dagegen!

    Wie lange werden die Menschen in Deutschland dem noch tatenlos zusehen?

  • Die Absturzhöhe wird gerade optimiert, damit bei den finalem Crash auch ja ein Großteil der vorhanden Vermögen vernichtet wird und das Schuldgeldzinssystem wieder starten kann.

    Wenn ich so ein Geseiere höre, .... die Folgen für die Weltwirtschaft wären schlimmer als bei Lehman.

    Die PIGS machen definitiv alle den Lehman. Die Frage ist nur wie viel wir noch zahlen müssen, bis es soweit ist.

    So wie Schäuble das angeht, ist unser Mindesteinzahlungsbetrag scheinbar noch nicht erreicht.

    Die griechischen uns spanischen Bürgerprotestler feuern sich gegenseitig per Twitter an wird.
    Die Holländer wollen auch nicht mehr zahlen. Die Dänen und jetzt auch die Österreicher machen mal probehalber die Grenzen dicht.
    Italien und Belgien werden jetzt auch ge- down ratet werden.
    Und Portugal ist bald Macao II, aber unter umgekehrten Vorzeichen.

    Der ganze EURO/EU - Hühnerhaufen explodiert demnächst oder der Dollar nippelt noch eher ab.

    Der Rest der Welt kauft derweil Gold. Insbesondere die Zentralbanken weltweit.

    Ein Schelm wer böses dabei denkt. Man das gibt einen gigantischen Knall.

  • Wieder einmal muss man theoretisches Gelaber Lesen ohne jeden Sinn u. Verstand. Immer wieder Worthülsen nach dem Motto "Die Rettung des Euro sei Alternativlos". Erbärmlich wenn man Bedenkt, dass diese "Experten" meist auch noch vom dummen deutschen Steuer-Michl bezahlt werden. Der Euro liegt in den letzten Zügen u. alles was jetzt noch an finanzieller Hilfe für irgendwelche überschuldeten Länder gegeben wird ist nichts anderes als "dem schlechten Geld (ausgeuferte Staatsschulden)noch mehr schlechtes Geld (durch eine Erhöhung unserer Schulden) hinterher zu werfen. Der Euro ist gescheitert, das gesamte Projekt liegt in Trümmern u. unsere Politikerschweine haben dermaßen braune Streifen in den Unterhosen das es "ZEIT WIRD FÜR´S SÄUBERUNGSKOMMANDO"!

  • Zitat: "Auch Ökonomen sehen angesichts der jüngsten Warnschüsse der Ratingagenturen in Richtung Belgien, Italien und Griechenland dringenden Handlungsbedarf. "Was fehlt, ist eine klare Strategie, ein Befreiungsschlag", kritisierte etwa Henrik Enderlein von der Berliner Hertie School of Governance. In den vergangenen 12 Monaten seien scheibchenweise viele Tabus gebrochen worden, aber immer zu spät und immer zu halbherzig, sagte Enderlein Handelsblatt Online. "Bis heute ist unklar, wohin die Reise geht." Wenn die Regierungen der AAA-Länder den Euro behalten wollen, , dann müssten sie für ihn einstehen und "gegen populistische Strömungen und Stammtischreflexe argumentieren und allen klar machen, dass sie bereit sind, zumindest einen Teil der Lasten der Stabilisierung in den Peripherieländern zu schultern".

    Wer sich informiert und auch die Meinung anderer Ökonomen einholt (z.B. von Renate Ohr, Okonomieprofessorin in Göttingen), weiß, dass nicht die Ablehnung einer endlosen Transferzahlung an Griechenland populistisch und stammtischmäßig ist, sondern dieses ewige Geschwafel, wer nicht für die Transferunion sei, sei eben populistisch. Wer ist eigentlich Herr Enderlein, welche wichtige Universität vertritt er? Es ist frech und unverschämt, den Menschen, die diesen wahnwitzigen Bail-out-Plänen kritisch gegenüber stehen, Populismus vorzuwerfen. Langsam reicht es, Herr Enderlein.

  • Wird es wohl irgwendwann wieder einen Tag geben an dem im Handelsblatt mal ausnahmsweise nicht die "Pleite-Griechenland-geht-unter-und-mit-Ihm-der-Euro"-Sau durchs mediale Dorf getrieben wird?

    Im übrigen entsteht der Eindruck das hier bewusst Stimmung für eine "Umschuldung" (lies: Sozialisierung spekulativer Alnageverluste) gemacht wird. Klar ist, dass anglo-amerikanische Spekulanten erhebliche Summen auf diesen Ausgang gesetzt haben und sicher gerne Medienarbeit in diese Richtung betreiben.

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