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Eigentor durch die WM Brasilien rutscht in die Rezession

Brasilien hat sich mit der Fußball-Weltmeisterschaft ein Eigentor geschossen: Fabriken drosselten an den Spieltagen ihre Produktion, da Städte Feiertag ausriefen. Nun ist Konjunktur des Landes auf Schrumpfkurs geraten.
29.08.2014 - 16:49 Uhr Kommentieren
„Public Viewing“ in Rio de Janeiro: Die Fußball-Weltmeisterschaft hatte einen Bremseffekt für die brasilianische Wirtschaft: Quelle: dpa

„Public Viewing“ in Rio de Janeiro: Die Fußball-Weltmeisterschaft hatte einen Bremseffekt für die brasilianische Wirtschaft:

(Foto: dpa)

Sao Paulo Brasilien ist überraschend in eine Rezession geraten. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte im ersten Halbjahr, wie aus den am Freitag vorgelegten Daten des Statistikamtes hervorgeht. Demnach gab das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Monaten April bis Juni um 0,6 Prozent nach. Zu Jahresbeginn lag das Minus bei 0,2 Prozent. Die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli hatte sogar einen Bremseffekt für die Wirtschaft: Fabriken drosselten an den Spieltagen ihre Produktion, da Städte wegen der Partien Feiertage ausriefen. Die Behörden wollten damit Verkehrsstaus und andere logistische Probleme rund um die WM-Stadien vermeiden.

Dass die Konjunktur nun auf Schrumpfkurs geraten ist, kommt für das Land dennoch überraschend. Schließlich war in einer ersten Schätzzahl für den Jahresbeginn noch ein Plus beim BIP von 0,2 Prozent veranschlagt worden. Da die Wirtschaft nunmehr zwei Quartale in Folge geschrumpft ist, sprechen Volkswirte von einer technischen Rezession. Zuletzt war die Wirtschaft während der Finanzkrise zur Jahreswende 2008/09 so stark abgerutscht.

Die eingetrübte Konjunkturlage dürfte die ohnehin schwindenden Aussichten der linken Präsidentin Dilma Rousseff auf eine Wiederwahl im Oktober schmälern. Ihrer zentristischen Herausforderin Marina Silva werden bessere Chancen auf den Sieg eingeräumt, falls es zu einer Stichwahl kommt.

Unter Rousseffs Regierung hat das einst kräftig wachsende Schwellenland konjunkturell einen Gang zurückgeschaltet. Als Alarmzeichen gilt, dass die Investitionen im Frühjahr um 5,3 Prozent einbrachen und die Industrie nunmehr vier Quartale in Folge schrumpft. Nach Ansicht des Ökonomen Eduardo Velho vom Investmentfonds INVX Global muss Brasilien seine Anstrengungen verstärken, wettbewerbsfähiger zu werden und die Produktivität zu steigern.

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