Euro-Konjunktur Euro-Zone schrammt an Rezession vorbei

Die Euro-Zone ist nur durch das deutsche Wirtschaftswachstum noch einmal haarscharf an einer Rezession vorbeigeschrammt. Aber Sorgen um die Zukunft der Euro-Zone lassen nicht nur den ZEW-Konjunkturindikator einbrechen.
Update: 15.05.2012 - 12:00 Uhr 22 Kommentare
Ohne Deutschland sähe es düster aus für die Wirtschaft in Europa. Quelle: dpa

Ohne Deutschland sähe es düster aus für die Wirtschaft in Europa.

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Brüssel/MannheimNur das kräftige Wachstum seiner größten Volkswirtschaft Deutschland hat die Euro-Zone vor einer Rezession bewahrt. Das Bruttoinlandsprodukt in der Währungsunion stagnierte von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Ende 2011 war es noch um 0,3 Prozent zurückgegangen. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von Rezession. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang um 0,2 Prozent erwartet. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpft. Für 2012 traut sie ihr wieder ein Wachstum von 1,0 Prozent zu.

Die Währungsunion bleibt wirtschaftlich aber tief gespalten: Ihre Konjunkturlokomotive Deutschland schaffte trotz der Schuldenkrise mit 0,5 Prozent ein kräftiges Wachstum. Nach einem kurzen Zwischenstopp Ende 2011 ist die deutsche Wirtschaft unerwartet rasant ins neue Jahr gestartet. Experten hatten ein kleineres Plus von nur bis zu 0,2 Prozent zum Vorquartal erwartet.

Damit ist die deutsche Konjunktur wieder auf Wachstumskurs, während die Wirtschaft in den Euroländern insgesamt auf der Stelle tritt. Auch Deutschlands Nachbar Frankreich kam im ersten Quartal nicht vom Fleck. Schlimmer sieht es in den Krisenländern aus: Die spanische Wirtschaft schrumpfte wie schon am Jahresende um 0,3 Prozent und steckt damit wieder in einer Rezession. Ebenso erging es Italien, wo das Bruttoinlandsprodukt sogar um 0,8 Prozent einbrach. Das war der dritte Rückgang in Folge. Auch Portugal findet nicht aus der Rezession: Hier gab es ein Minus von 0,1 Prozent.

In Deutschland lieferte vor allem der Export positive Impulse lieferte von Januar bis März, obwohl die Nachfrage aus einigen Krisenländern im Euroraum schwächelte. „Entscheiden für den Konjunkturzyklus ist nicht die Eurozone, sondern die USA und China“, betonte Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud. Die USA wüchsen relativ kräftig, auch China werde im Laufe des Jahres wieder mehr an Schwung gewinnen: „Davon wird Deutschland besonders profitieren, da China mittlerweile mit zu den wichtigsten Abnehmermärkten zählt.“

Auch der private Binnenkonsum lag über dem Niveau des Vorquartals und konnte so das Minus bei den Investitionen teilweise kompensieren. Experten führen die schwache Investitionstätigkeit vor allem auf den frostigen Februar zurück, der die Bautätigkeit gebremst haben dürfte.

Privater Konsum kann Deutschland noch stärker tragen
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22 Kommentare zu "Euro-Konjunktur: Danke, Deutschland!"

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  • Zerocarbon,

    "Mir sieht die ganze Stimmungsmache gegenüber Griechenland eher wie der Wunsch nach Bestrafung aus."

    So ist das, "der Deutsche" liebt es nun mal zu bestrafen oder bestraft zu werden - und ist, wie Sie aus den Antworten auf Ihren Beitrag (dem ich zustimme) erkennen können, nicht in der Lage, das naheliegende zu verstehen. Für den ist "DER" Euro Schuld, daß er so blöd war, sich seit Jahren seinen ihm zustehenden Lohnzuwachs zu bekommen.

    Das kennen Sie schon?

    http://manifest-europa.eu/?lang=en

  • Der permanente Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands (17 Milliarden Euro im MONAT im Schnitt seit XX Jahren) muss zwangsläufig zu Verwerfungen führen.
    Dieser Überschuss erzeugt zwangsläufig und mathematisch einen Defizit in anderen Ländern (auch Griechenland und Spanien).
    Lange ging es gut weil keiner bemerkt hatte dass dieser Defizit zur Überschuldung vielen Ländern führte, jetzt müssen wir für unsere Exportgier bestraft und müssen zahlen.
    Hätte man die Löhne in Deutschland erhöht und die Agenda 2010 nicht gehabt, wäre dieser enorme Überschuss über den Konsum und Import zurückgeflossen und wir hätten etwas davon gehabt, so müssen wir es umsonst zurückgeben. VW und Konsorten investieren in der ganzen Welt die Gewinne die in der Eurozone erwirtschaftet wurden, also Kapitalflucht in enormen Ausmaßen aus dem Euroraum, VW will auch größter Autoproduzent der Welt werden. Schön für die Aktionäre aber nur für sie.
    Wir sind es nicht gewesen, VW ist es gewesen, wird es dann heißen wie vor 65 Jahren.

  • ... wir sind die in Deutschland lebenden und arbeitenden Menschen, die gemeinsam ein Bruttosozialprodukt erarbeiten.

    Ja, warum hilft man anderen Ländern? Warum hat uns auch Griechenland nach dem 2. Weltkrieg Schulden erlassen? Warum haben uns die USA mit einem Marshalplan geholfen? Warum helfen wir Ländern der 3. Welt? Warum unterstützen wir innerhalb Deutschlands seit 20 Jahren die neuen Bundesländer?

    Wenn Sie mal von der humanitären Seite absehen, dann sehen Sie es von der rein ökonomischen Seite: Arme Länder in unserer Umgebung bringen uns nicht weiter, weil wir armen Ländern nicht unsere Produkte verkaufen können!!

    Mir sieht die ganze Stimmungsmache gegenüber Griechenland eher wie der Wunsch nach Bestrafung aus. Die haben sich in die Währungsunion geschummelt und jetzt sollen sie büßen.
    Dass wir uns dabei zunächst mal ins eigene Fleisch schneiden, sehen die Wenigsten. Ich sehe das in Echtzeit an meinem Depot. Wird der Austritt Griechenlands wahrscheinlich, verliere ich Geld, weil der DAX sinkt. Wird die Stabilität der EU für jedermann eindeutig, gewinne ich Geld, weil der DAX steigt. Das ist ein absolut sicheres Signal, dass die Wirtschaft es als Nachteil ansieht, wenn die Eurozone destabilisiert wird.

  • @ZeroCarbon
    "Wir...."
    Definieren Sie "Wir".
    Wir ist nicht der normale Arbeiter, der hat seit Euro-Einführung massive Reallohnverluste.

    "Wir" sind vielmehr die Banken, Reichen, Hedgefonds und Investoren.
    Auf dieses "Wir" können die meisten gerne verzichten.

    Vor dem Euro, war die D-Mark auch sehr stark und es hat funktioniert, der Normalbürger hatte sogar ein steigendes Einkommen. Die Südländer waren damals schon schwach und konnten unsere Produkte sogar noch bezahlen. Heute kaufen sie und können es nicht bezahlen. Was bitte ist daran ein Vorteil, dass über 600 Mrd Target2-Ausstände vorhanden sind, dass wir jedes Jahr ein 100 Mrd-Rettungspaket für Griechenland schnüren müssen (das geht noch 20 Jahre so mit steigenden Summen). Dass wir immer länger arbeiten müssen, die anderen das aber nicht vorhaben. Wir immer mehr Niedriglohnjobs haben. Dazu kommt noch, dass wir immer mehr die Schulden der Südländer bedienen sollen. Wo ist denn da der Vorteil?
    Erst wenn der Euro zur Lira verkommen ist, werden alle erkennen, was wir an der D-Mark hatten. Erst dann werden auch die letzten Euro-Verblendeten erkennen, dass Europa am Euro zerbrechen wird.

    Wieso sollen wir denn jedem helfen? Wo waren die ganzen anderen Länder anfang des Jahrhunderts, als es Deutschland schlecht ging. Weshalb gab es da nicht ein paar Euros von den anderen. Nein, man hat Deutschland beschimpft, geschmäht und wir waren in dieser Zeit trotzdem noch größter Netto-Zahler. Das hat nichts von einer Geminschaft, wenn wenige ständig geben sollen und der Rest immer gieriger die Hände aufhält.

  • ... @Dagmar, 40% unserer Exporte gehen in den Euroraum. Was glauben Sie, wieviel davon übrig bleibt, wenn die nationlen Währungen eingeführt würden mit einer starken DM und schwächelden Währungen in anderen Ländern? In Europa könnte uns kaum noch jemand bezahlen.

    Der Gedanke, dass wir so gut und bequem wie heute auf einer Insel der Glückseligkeit leben könnten, während um uns herum alles den Bach runter geht, sollte Ihnen doch auch etwas naiv vorkommen, oder?

  • @ Ecke:

    Schön, daß wenigstens einer (Sie) begriffen hat, daß die notleidenden EURO-Länder auch attraktive Urlaubsländer sind, und daß man mit einem Urlaub dort die dortigen Probleme wenigstens ein bißchen lindert.

    Ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub!

  • Und in diesem heiteren Szenario vergisst man völlig, dass es für D wirtschaftlich nur ein kleines Argument war, um den Euro einzuführen. Jeder, der damals im Aussenhandel tätig war, kann das bestätigen.
    Aber sollen Sie recht haben, ich sehe da gerade Leute in Griechenland, Spanien und Italien fröhlich Ringelreihen tanzen. Ja, die Inflation wird die Schulden zahlen und gleichzeitg den Kaufwert der Währung vermindern. Bei einem Szenario ist es schon wichtig, sich die verschiedenen Seiten der Medaille anzuschauen, will man eine ausgewogene Betrachtungsweise der Situation.

  • Hurra... die Gehirnwäsche hat eindeutig funktioniert.

    Wer im Euroraum soll mit dem Sparzwang denn noch irgend etwas aus Deutschland kaufen? Ups, ich vergaß, das geht ja über die Target2-Salden doch noch. Blöderweise liefern wir dann erst die Waren und die Abnehmer zahlen per Dispokredit (vereinfacht ausgedrückt). Und diesen Dispokredit werden sie nie bedienen.

    Wir könnten ohne Euro deutlich preiswerter an Rohstoffe kommen und die Welt ist groß. Da gibt es viel zu Exportieren und wir bekommen es soagr noch bezahlt.

  • Das ist aus einem ganz einfachen Grund ein Ding der Unmöglichkeit: die Sprachbarriere. Bei 17 Staaten und zig verschiedenen Sprachen ist es unmöglich. Da kann sich im nach hinein jeder damit heraus reden, das seine Übersetzung nicht fehlerfrei war.

    Und zur USA: Die sind zwar ein Staatengebilde mit einer gemeinsamen Bank (und Sprache) aber dort wird kein einziger Pleitestaat unterstützt. Und Schulden haben die auch bis weit über die Hutschnur. Und wann hat jemals ein großes Staatenbündnis dauerhaft überlebt?

  • ... kein verantwortlicher Politiker in Europa denkt ernsthaft daran, den Euro abzuschaffen oder gar die EU aufzulösen. Und wir in Deutschland werden die letzten sein, die an so etwas denken. Wir sägen doch nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen.

    Wir sind ein Exportland und wir sind darauf angewiesen, dass unsere Waren im Ausland gekauft werden. Wir sind es, die den größten Nutzen aus der aktuellen Schuldenkrise ziehen. Wir sind es, die Geld zu negativem Zins aufnehmen (die Inflation zahlt unsere Schulden) Wir sind, die durch die Krise an wirtschaftlicher und politischer Macht innerhalb Europas gewonnen haben. Wir sind, deren Wirtschaft brummt und so ein ausgeglichener Staatshaushalt in greifbarer Nähe ist. Wir sind es, die auch in der Energiepolitik vorangehen und die in wenigen Jahren über die Klimmzüge unserer Nachbarländer lästern, wenn die fossilen Rohstoffe unbezahlbar werden.

    In wenigen Jahren wird es eine europäische Regierung mit den Kompetenzen der heutigen Staatenregierungen geben. Die Staatenregierungen werden die Kompetenzen der heutigen Länderregierungen haben. Die Länderregierungen bei uns fallen weg und die Kommunen sorgen für den Kleinkram.

    Ich freue mich auf die Zukunft.

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