Euro-Krise Sinn verlangt von Merkel klare Kante

Im Prinzip ist Ifo-Chef Hans-Werner Sinn mit dem Euro-Kurs der Bundesregierung einverstanden - die Kanzlerin müsse Deutschlands Gewicht aber noch stärker in die Waagschale werfen und häufiger ein klares Nein aussprechen.
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Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts. Quelle: dapd

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts.

(Foto: dapd)

FrankfurtDer Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat unmittelbar vor dem EU-Gipfel die Bundesregierung von Angela Merkel aufgefordert, einen entschiedenen Kurs zu verfolgen: „Deutschland kann sich mit allem durchsetzen, wenn es nur will“, sagte er dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Da die Entscheidungen einstimmig sein müssten und es um das deutsche Geld gehe, müsse Deutschland nur nein sagen, wenn ihm das Ergebnis nicht passe.

Über den Kurs von Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich Ökonom Sinn positiv: „Ich nehme mit Interesse zur Kenntnis, dass der Bundesfinanzminister eine entschiedenere Gangart hinsichtlich der geplanten europäischen Bankenunion wählt und dass die Bedenken, die von den Fachökonomen und dem Sparkassenverband vorgebracht wurden, in seine Entscheidungen einfließen“. Er wolle eine Repräsentanz der Länder nach ihrer Größe im Entscheidungsgremium der Bankenaufsicht und die Bankenaufsicht von der EZB trennen. „Beides beruhigt mich etwas“, so Sinn.

Die Finanzkrise hat sich aus Sicht des Ifo-Chefs „erst einmal etwas gelegt“. Die Krise habe aber eine zweite, ungelöste Dimension: die fehlende Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder. „In der Hinsicht kommt noch einiges auf uns zu“, warnte Sinn.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe den Anlegern erklärt, dass die Steuerzahler Deutschlands und anderer gesunder Länder für die Rückzahlung der Krisenländer einstehen werden, denn sie stünden ja hinter ihr. „Diese Beruhigung beunruhigt mich“, sagte Sinn.

„Das Wettbewerbsproblem der Krisenländer wird durch Draghis Schutzversprechen nicht gelöst“, meinte Sinn. Langfristig könne sich die EZB-Politik in einer europäischen Inflation entladen. „Man wird speziell in Deutschland mit Inflation rechnen müssen, weil das Kapital im sicheren Heimathafen bleibt und die Zeichen mittel- und langfristig auf Wachstum stehen“, so Sinn

Derzeit sehe es danach aus, dass die konjunkturelle Schwächephase der deutschen Wirtschaft nur kurz anhalte. „ Deutschland ist strukturell besser aufgestellt als der Rest Europas“, sagte er. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten sei nach wie vor hoch.

Ob die Bundestagswahl die Konjunktur beeinflussen werde, sei schwer zu prognostizieren – allein schon deswegen, „weil die Regierung meist das Gegenteil von dem macht, was sie ankündigt, um der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.“

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44 Kommentare zu "Euro-Krise: Sinn verlangt von Merkel klare Kante"

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  • Otto 936 - sind Sie sicher, daß Sie mit ihrer Beurteilung, Merkel sei ein Unglück für Deutschland, nicht auf dem Holzweg sind, allenfalls den Sack schlagen, wenn Sie den Esel meinen? Der Esel ist nämlich ihr Mentor Kohl, der die Sache mit der Währungsunion eingeebnet und abgesegnet hat und das mit einer Idiotie in ökonomischen Fragen, die nun wirklich nicht mal von Adenauer überboten worden ist. Damit will ich aber nicht sagen, daß Merkel ein Glück für Deutschland ist, denn dazu fehlen ihr nun sämtliche Voraussetzungen. Aber sehen Sie sich mal ihre Herausforderer an, die "Bänkelbändiger" Steinbrück und Trittin. Ersterer ist schon unter dem Stichwort "Steinbrücks Lustgarten" in die Geschichte der Geldschöpfung eingegangen, als er 2007/2008 mit seinem Sekretär Asmussen die Serie amerikanischer "Undertaker-Kreditgeschäfte" unter Bezeichnungen wie Collaterralized Debt Obligation (CDO) und Asset Backed Securitys (ABS) mit öffentlichen Banken, die sie kontrollieren sollten, zu Lasten des deutschen Steuerzahlers hier zu Lande einführten. An der Pleite von KfW; IKB; Landesbanken etc. wird der deutsche Steuerzahler noch lange zu tragen haben.
    Steinbrücks Lustgarten deshalb, weil solche Schurkenstücke schon Goethe im Faust (Teil II; Lustgarten im Kaiserschloß) beschrieb: „Der Zettel hier ist tausend Kronen wert. Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand, Unzahl vergrabenen Guts im Kaiserland". – könnte auch von Schäuble sein.
    Wenn Sie Alternativen für 2013 suchen, sehen Sie sich mal die Wahlalternative 2013 an, die Plattform für alle, die von CDU/CSU und FDP die Schnauze gestrichen voll haben und Trittin und Piraten als Untergangspropheten deklarieren.

  • "„Deutschland kann sich mit allem durchsetzen, wenn es nur will“, sagte er (Sinn) dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Da die Entscheidungen einstimmig sein müssten"

    Das kann jedes Euroland tun, ob mit Geld oder ohne Geld! Da die Entscheidungen einstimmig sein müssten
    Es kommt nicht darauf an dass sich Deutschland durchsetzt, es kommt darauf an dass die Entscheidung im allgemeinen Interesse der EU und der Währungsunion ist. Nicht aber ob es im Interesse von Deutschland allein ist. Und das werde die Mehrheit entscheiden und nicht D.
    Herr Sinn ist ein kranker alter deutsch-national-gesinnte Fachidiot, denke ich!

  • Herrn Sinn gebührt Respekt und Zustimmung, ich war immer sehr kritisch mit seine Ausführungen, aber ich muss sagen ich habe mich getäuscht.
    Herr Sinn geht den unbequemen Weg auf Misstände hinzuweisen die von der EU bzw. CDU verursacht wurden.
    Merkel hat das Tafelsilber von Deutschland verscherbelt für eine EU der sozialen Feuer und Zesrstörungen von Hundertausenden von Existenzen.
    Diese Politik ist eindeutig neofeudalistisch wurden Gesetze doch gebogen dass es immer passt.
    Die Bürger wurden und werden angelogen um zu vertuschen dass die CDU mit dem Maulkorb der Finanzlobby durch Europa gezogen wird.
    Merkel und die CDU haben das Tafelsilber wie die Mittelschicht aus EU Egoismus verscherbelt.
    Wo doch jeder Bürger weiß dass dieser Schritt in die Verelendung und Verarmung der Bevölkerung führen muss.
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    Professor Otte heute im Pimco Bericht der Handelszeitung
    „Wir haben nicht den Euro gerettet oder Europa vor einem Krieg bewahrt. Griechenland hatte einen Einbruch von 20 Prozent der Wirtschaftsleistung zu verkraften. Die Arbeitslosigkeit nähert sich 30 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit 50 Prozent. Ebenso in Spanien. Sieht so eine Rettung aus? „Gerettet“ haben wir die Gläubiger und die Finanzeliten – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger im Norden UND im Süden. Und dafür haben wir unser Rechts- und Geldsystem zerstört!“ (7.12.2012)
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    Noch Fragen?

  • @ easyway
    Cool! Aber warum sollte es auch anders sein? Solange Michel Maurer und Otto Sparzwang jeden Tag zur Arbeit gehen, ohne zu merken, dass ihr Lohn vom Konto ihrer Kinder abgebucht wird, brutto selbstverständlich, läuft doch der Laden.
    Indianergäule geben sich seit Jahrhunderten folgenden Rat: Wenn du merkst, dass es in die falsche Richtung geht, stell dich tot! Die daraus entstandene Indianerweisheit kennen Sie sicher.

  • Aufgrund der Erfahrungswerte mit den Clowns und Kaspern der etablierten Politszene, darf oder sollte man sich durchaus darüber sorgen, ob nicht nur eine neue Truppe von Rattenfängern unterwegs ist, die dann im Olymp angekommen, nur als weitere Tempelhuren dem alten Götzen dienen.

    Ansonsten haben Sie nicht völlig unrecht. Immerhin hat Pr. Sinn mit seinen öffentlichkeitswirksamen Apellen vielleicht tatsächlich einige Mitbürger aufgerüttelt und davon überzeugt, daß etwas faul ist im gelobten Euroland.

    Wenn er die bisherige harte Haltung jetzt allerdings aufgibt, wird dies komplett negiert und die weniger interessierten Bürger schlafen sofort wieder ein. (Die Kernaussage: Ist ja nicht so schlimm und Mutti macht das ganz passabel.)

    Bei der Wahlkampfunterstützung kann ich mir die Beschäftigung mit der Wahlalternative 2013 dann sparen. Ist auch für bisher härteste und schärfste Kritiker wie Pr. Sinn alles im Lot auf`m Boot, wird die nämlich nicht mehr benötigt.

  • nein, die dinge gehen gerade vom ordnungspolitischen standpunkt aus gesehen, schritte vorwärts statt rückwärts. es is halt nicht doof - wie wir wissen - und nimmt dies somit klar zur kenntnis. die frage ist nur, wie er die details der gestrich3en nacht verarbeitet?

  • @Glaskugel: ich habe nicht geschrieben, dass ALLES was er sagt, Sinn, macht - meine Aussage bezieht sich auf den heutigen Artikel

  • Herr Sinn rudert zurück, weil es ja ganz offensichtlich keine "vernünftigen" Alternativen und auch keine Entscheidungskraft gibt, eine der größten politischen Fehlentscheidungen aller Zeiten, durchaus der Wahl Hitlers zum Reichskanzler vergleichbar, eine politische Union gegen alle Wissenschaftliche Erkenntnis und alle Regeln der Märkte in einer freiheitlichen Ordnung mit einer Währungsunion erzwingen zu wollen, zu korrigieren: Ich nehme mir die Freiheit, es der Wahrheit gemäß zu sagen, denn ich bin ja von "Staatsknete" nicht abhängig, wie Herr Sinn, dem man offensichtlich im Ifo auch gründlich den Kopf gewaschen hat. Und die hier abgegebene Versicherung, Frankreich sei an deutscher Unterstützung interessiert und könne durch ein deutsches Veto „domestiziert“ werden, ist weiter nichts als ein Ammenmärchen, denn Frankreich gehört zu den Schuldenländern mit kaputter Leistungsstruktur und weiss ganz genau, daß man das zum politischen Überleben nur mit der kräftigsten Geldspritze, hinter der alle Länder der Währungsunion stehen müssen, überbrücken kann. Und auch die „Investoren“ wissen das, denn wer würde sonst jetzt noch Anleihen der PIIGS+F-Staaten zu Zinsen von 2-3% kaufen? Mit der Entscheidung für die derzeitige Form der EZB, für EMS, Eurobonds und ähnliche Fazilitäten haben die deutschen Politiker ihnen nur geliehene Hoheitsrechte, ohne auch nur andeutungsweise jemanden zu fragen, zum Teil mit 7 Abgeordneten, an irgendwelche gesetzten Eurokraten und die internationale Finanzspekulation verschachert. Und wenn sich nunmehr Bankrotteure wie Steinbrück und Trittin hinstellen und die Banken „zügeln“ wollen, dann fehlt mir angesichts der Dringlichkeit sinnvoller Maßnahmen so recht die Lust zu lachen.

  • Ach da war doch was mit dem Herrn Sinn. hatten ihm nicht vor einiger Zeit sein Kompetenz in Frage gestellt? Was fuer eine Aufwertung im Handelsblatt. Na ist ja auch ein schoenes Lob fuer Frau Merkel. Das Handelsblatt ist ja mittlerweile zum Sprecher Organ fuer Frau Merkel geworden. Nichts ueber Merkels "zu wenig zu spaet, das die Krise des Euros verschaerft hat. Schoen wenn man solche Freunde hat.

  • Nun, er mag sich wohl den plötzlichen und völlig unerwarteten Tod von Norbert Walter zu Herzen genommen haben... Außerdem ist Sinn kein EURO-Gegner, sondern immer ofiziell "systemgläubig" gewesen. Seine Äußerungen lassen vermuten, daß er nichts vom bestehenden Schuldgeldsystem und der Einheitswährung und die ihm innewohnenden "Gesetzmäßigkeiten" versteht oder verstehen will. 50% Wahrheit sind eben auch eine halbe Lüge. Mir wird schlecht, was ich hier an Leserkommentaren immer noch zur Kenntnis nehmen muß: Politisch hirntote Schafsköpfe, die nichts vom Wesen der Krise, ihrer Steuerung und der gezielten Steuerung und Propaganda der scheinbaren Akteure zu wissen scheinen und immer noch alles für "Zufall" und das Werk "Unfähiger" und "Überforderter" halten...

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