Europäische Zentralbank Ratingagentur fordert EZB-Intervention

Die EZB belässt den Leitzins vorerst bei 1,5 Prozent. Die Zentralbank soll wegen der Turbulenzen an den Märkten wieder Staatsanleihen kaufen, fordert die Ratingagentur Standard & Poor's.
Update: 04.08.2011 - 13:57 Uhr 18 Kommentare
EZB-Chef Trichet und die Euro-Zentralbanker lassen den Leitzins unverändert bei 1,5 Prozent. Quelle: AFP

EZB-Chef Trichet und die Euro-Zentralbanker lassen den Leitzins unverändert bei 1,5 Prozent.

(Foto: AFP)

Frankfurt/ParisDie Zinsen im Euro-Raum bleiben vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank legte am Donnerstag eine Zinspause ein und beließ den Leitzins wie erwartet bei 1,5 Prozent. Das teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Der EZB-Rat hatte zuletzt die Zinsen im Juli um 0,25 Punkte angehoben. Volkswirte rechnen damit, dass der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld bis zum Jahresende noch einmal erhöht werden könnte. Dafür sprechen hohe Inflationsraten.

Schon Anfang des Jahres hatte die EZB damit begonnen, die Zinsen nach einer langen Niedrigzinsphase schrittweise anzuheben. Beobachter hatten damit gerechnet, dass die Zentralbank die Zinsen bis Ende des Jahres auf rund 1,75 Prozent anheben würde, um damit die Zeit der billigen Geldes nach der Finanzkrise zu beenden. Doch mit der Zinswende ist nun vorerst Schluss: Italien, Griechenland, Eurozone - zu viele Krisen beschäftigen die EZB. Zudem haben am Donnerstag bereits die Notenbanken in Japan und der Schweiz am Devisenmarkt interveniert, um den aufgewerteten Yen und Franken zu schwächen - auch das spricht gegen eine weitere Zinserhöhung in der Eurozone.

EZB-Präsident Jean Claude Trichet. Quelle: AFP

EZB-Präsident Jean Claude Trichet.

(Foto: AFP)

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) verlangt wegen der Turbulenzen an den Anleihemärkten einen Eingriff der EZB in den Bondmarkt. „Wir brauchen jemanden, der interveniert“, sagte der Chefökonom für Europa der Ratingagentur, Jean-Michel Six, am Donnerstag dem französischen Radiosender „Inter radio“. „Der einzige Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann, ist die EZB, die seit Beginn der Krise bei der Beruhigung der Märkte eine bewundernswerte Rolle gespielt hat.“  

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet darüber am frühen Nachmittag. Zuletzt waren wiederholt Forderungen laut geworden, die Währungshüter sollten wieder Staatsanleihen europäischer Schuldenländer kaufen. Eine Entscheidung wird mit Spannung erwartet. Am Anleihemarkt geraten derzeit Spanien und Italien immer stärker unter Druck.

Das Argument der Befürworter: Nur die Zentralbank mit ihrer theoretisch unbegrenzten finanziellen Feuerkraft sei in der Lage, entsprechend stark als Käufer aufzutreten und so die Märkte wieder zu beruhigen. Kritiker wie Deutschland sperren sich jedoch gegen weitere Staatsanleihenkäufe. Die EZB hat seit Mai 2010 für gut 74 Milliarden Euro Staatsanleihen von Schuldenländern gekauft. Seit 18 Wochen ruht das entsprechende Programm nun allerdings.  

Wo investieren, wenn die Märkte wackeln?
The DAX Index board is pictured at Frankfurt's stock exchange
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Der Dax hat seit Jahresbeginn herbe Verluste gemacht, mehr als viele andere Weltbörsen. Die Stärke der deutschen Wirtschaft wird ausgeblendet, zumal es von Seiten der Dax-Unternehmen in der vergangenen Quartalssaison einige Enttäuschungen gab. Unter dem Strich steht für den Dax seit Januar ein Minus von 21,2 Prozent.

Striking Greek taxis block roads for fourth straight day
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Die griechische Bevölkerung macht gegen den Sparkurs der Regierung mobil - im Bild streiken Taxifahrer. Eine Alternative gibt es jedoch nach Meinung von Regierung und EU-Kommission nicht. Ob eine Staatspleite verhindert werden kann, ist dennoch unsicher. Die EU betont immer wieder, dass Griechenland ein "Sonderfall" sei. Ein Kompliment ist das sicher nicht. Das gleiche gilt für die Nachricht, dass griechische Aktien sich seit Ende Juli "nur" wenig schlechter als andere Börsen der Euro-Zone entwickelt haben. Doch seit Jahresbeginn rutschte der ASE-Index um satte 52,4 Prozent ab.

Euro-Schuldenkrise ist Topthema bei Ministertreffen
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Italien ist in den Fokus der Krise gerückt. Die Sorge, dass das Land trotz Sparpaket noch stärker in den Sog der europäischen Schuldenkrise rutschten könnte, treibt die Anleger aus italienischen Aktien. Der Mailänder Leitindex MIB-30 hat seit Jahresbeginn 30,6 Prozent an Wert verloren. Die Regierung in Rom ist alarmiert und sucht nach Auswegen aus der Abwärtsspirale.

Euro-Gipfel in Brüssel - Illustration
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Wenn sich Anleger dieser Tage von Risiken trennen, dann tun sie das zunächst innerhalb der Euro-Zone. Zu groß ist die Sorge vor einer weiteren Zuspitzung der Schuldenkrise und immensen Belastungen für die Euro-Staaten. Die Konsequenz: Die Aktienkurse in den Euro-Staaten fallen. Der Euro-Stoxx-50 hat seit Jahresbeginn 24,8 Prozent eingebüßt.

FRANCE-ECONOMY-FINANCE-MARKETS-STOCKS
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Französische Banken sind über Staatsanleihen tief in die Griechenland-Krise verwickelt. Ratingagenturen drohen den Geldhäusern mit Herabstufung der Bonität. Das geht nicht spurlos an der Börse in Paris vorbei. Der CAC büßte seit Jahresbeginn 25,5 Prozent ein.

Spanien weiter in der Rezession - Kurse fallen an Madrider Börse
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Wenn es an den Märkten kracht, ist auch Spanien seit Monaten ein verlässlicher Kandidat für hohe Kursverluste. Im laufenden Jahr erreicht der Madrider Leitindex Ibex ein Minus von 21,5 Prozent.

Wall Street
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Ihren Ursprung hat die Abwärtswelle in den USA. Entsprechend ging es für die Leitindizes an der Wall Street zeitweise deutlich abwärts. Die Jahresbilanz liest sich besser: Der Dow-Jones-Index verlor seit Beginn des Jahres nur 2,8 Prozent. Damit halten sich US-Aktien um einiges besser als viele europäische Papiere.

Die EZB steht dennoch unter Druck: Zwar vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder vorvergangene Woche, dass in Zukunft der Euro-Rettungsschirm EFSF im Notfall Staatsanleihen kaufen darf. Diese Aufgabenerweiterung muss jedoch in mehreren Ländern noch von den Parlamenten genehmigt werden. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, kann nur die EZB am Markt aktiv werden.

Japan und die Schweiz haben bereits vorgelegt
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18 Kommentare zu "Europäische Zentralbank: Ratingagentur ruft EZB zu Hilfe"

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  • Absolut richtig! Der Barroso ist inzwischen gemeingefährlich; wird sein Ansinnen doch nur zu offensichtlich: alle sollen ganz schnell ja sagen zum ESM, und nicht auf Einwände der Parlamente hören. Leute, da stinkt was ganz gewaltig. Und alle Politiker, die da ohne Sinn und Verstand mitmachen, begehen Hochverrat.

  • Ich bin ja schon froh, dass die EZB die Zinsen nicht wie im August 2008 angehoben hat. Da waren diese meist Volkswirte, von den die meisten sich ein Leben lang nicht von ihrem schematischen Modelldenken befreien können, in ihre "Leerbücher" vertieft und kamen zu der Erkenntnis, dass die steigenden Benzinpreise (wie auch zur Zeit inflationstreibend)nur mit einer Leitzinserhöhung zu stoppen sind. Wie diverse Bankanalysten, sog. Sachverständige oder "Wirtschaftswaisen" usw. haben die EZB-Herren nicht gemerkt, was sich da draußen an den Märkten zusammenbraute. Stand ja nicht in den "Leerbüchern". Und dann kam er, der Schwarze Schwan!

  • NEIN! Ich war es NICHT!
    Wer die österreichische Schule der Nationalökonomie versteht, der hat es schon lange begriffen!

  • Ja, die Deutschen haben's immer noch nicht kapiert: Deren Politiker haben den deutschen Wohlstand schon verschenkt. Es ist nix mehr da.
    Die Eurobonds werden kommen. Kosten die Deutschen JEDES JAHR 44 Mrd. Euros zusätzlich an Zinsen - noch mehr, wenn die Schulden weiter steigen. Kapiert, was das heißt? Für eine nicht funktionierende Währung werden die deutschen Steuerzahler verbluten. Bedankt Euch schön bei Kohl, Schmidt und Genscher. Das sind die Verursacher. Und dann schön bei Merkel und Schäuble, die willigen Vollstrecker. Noch schlimmer das Pack in der Opposition, die rot-grün-lackierten Kommunisten, die von der EUSSR träumen.
    Die Deutschen sind so dämlich, sich nicht dagegen aufzulehnen. Es ist einfach nur abartig. Und noch abartiger sind diejenigen, die die Dinge nicht begreifen, die ZEIT-Leser und FR-Leser, die immer noch meinen, jetzt sähe man gerade nur die Geburtswehen der "Vereinigten Staaten von Europa". Es wird eine Wüste werden. Und Ihr werdet an diese Worte hier denken müssen...

  • Das ist ja allerliebst. Die Bewertungsagenturen die gleichzeitig Marktteilnehnmer sind und jetzt auch noch die Politik machen möchten. Und das alles mit dem Ziel der umassenden sozialisierung privater Verluste. Und wenn die Staaten dann die finanziellen Risiken schultern werden Ihre Ratings kräftig abgewertet. Damit liegt man im Zweifel immer richtig und die eigentliche Klientel kassiert umso mehr an Zinsen und Kreditabsicherung. Mit einer Aussnahme allerdings: Die USA. Die können machen was Sie wollen. Ratingagenturen: Warum fahrt Ihr nicht mal mit der ganzen Belegschaft zum Sommercamp auf eine norwegische Insel...?

  • Wiebitte????????????? Eine Rating-Agentur versucht, Einfluß auf EZB-Entscheidungen durch direkte Intervention zu nehmen? Es kann für uns Deutsche nur eine einzige richtige Entscheidung geben: RAUS AUS DEM EURO!!!! Beendigung des Einflusses des EURO- und EU-Klüngels auf die Politik der BRD!

  • @donolli Ach wissen Sie, die Situation ist nichts für Schönwetterkapitäne. Ich bin wirklich von vielen Kommentaren enttäuscht, die immer nur die Fehler der Vergangenheit anderen zuschreiben. Ein bisschen mehr Teamgeist würde ihnen gut stehen.

    Jeder darf sich mal an die eigene Nase fassen. Wer hat denn früher nach Arbeitszeitverringerung bei vollem Lohnausgleich gerufen? Wer hat denn beim Staat die Hand aufgehalten für ineffiziente Zuschüsse von Solaranlagen auf den Hausdach? Wir alle waren das. Fast jeder hat in guten Zeiten die Hand aufgehalten. Heute wettern die Leute gegen Banken ud den Staat und tun so, als könnten sie nichts dafür.

    Die, die heute laut schreien, sind ganau die, die auch schön früher immer laut nach ihren ganz persönlichen Vorteilen geschaut haben.

  • .....auch das noch. Was fällt denen noch ein. Was sind das für Betriebs-u. Volkswirtschaftler? Man sollte deren Abschlüsse genau so überprüfen, wie man es bei Guttenberg gemacht hat. Der gesamte Glaube ist dahin, wenn man diese Vorschläge hört. Es gibt heute nur noch Halbwissen. Die alten Strategen gibt es nicht mehr, Männer, die sich von unten nach oben gedient hatten. Was ist zu tun? Nun, im Moment garnichts. Das eigene Geld absichern. Also keine Aktivitäten am Markt. Ja, so ist es. Es ist davon auszugehen, dass das ganze Lügengebäude bald einstürzen wird. Wir stehen kurz davor. Der Crash steht vor der Tür.

  • Was bisher geschah:

    Haushaltsdefizite in guten Zeiten, Aufbau von Staatsverschuldung

    Exporte weniger Staaten (GER, NED) führen zu Handelsdefiziten bei anderen (GR, ESP, POR)

    Kostspielige Bankenrettungen und Konjunkturprogramme

    Geldpolitischer Stimulus (0% Zinsen); sinnlos

    Rating-Agenturen wachen endlich auf (Downgrades)

    PIIGS-Länder können keine Schulden mehr machen, da die Renditen steigen

    IWF/EU (sprich: die Steuerzahler) springen ein und ersetzen private Investoren

    Aktueller Stand unserer Systemkrise:

    Sparmaßnahmen führen zu sozialen Unruhen


    Was die Zukunft bringt:

    Unternehmen haben keinen Zugang zu den Kapitalmärkten

    Bankrott und Euro-Ausstieg verschiedener Länder

    Bank-Runs, Bankfeiertage (geschlossen für eine Woche)

    Versicherungsgesellschaften machen Bankrott

    Kapitalverkehrskontrollen (eingeschränkter Geldverkehr)

    Unendliches Geldrucken durch EZB/EU/IWF/Fed

    Super-Steuer auf Gold, um Spekulanten nach der Verdreifachung des Goldpreises zu bestrafen. Einige Zentralbanken stellen fest, dass ihr Gold weg ist. Run auf physisches Gold. Papiergold wertlos.

    Info: mmnews.de

  • Alles kein Problem.
    Wenn erst mal der Draghi dran ist wird Italien mit Geld zugeschüttet und Ruhe ist.
    Trichet hats schon vorgemacht mit der Rettung der französischen Banken.

    Klar, dass da Weber nicht zum Zuge kommen konnte, der hätte doch das Lieblingsspielzeug unserer CDU/CSU/FDP/SPD/Grüne-Euro-Träumer kaputt gemacht.

    Und ihr doofen Deutschen, bildet euch bloß nicht ein, dass ihr in diesem Spiel irgend eine Rolle spielt - euer Geld natürlich schon.

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