„Fehlentscheidung“ Ifo-Institut verdammt Euro-Rettungsschirm

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat das Euro-Rettungspaket in der Luft zerrissen. „Es handelt sich um eine der gravierendsten Fehlentscheidungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, sagte der Wirtschaftsforscher am Donnerstag in Berlin.
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Hans-Werner Sinn: "Deutschland ist über den Tisch gezogen worden." Quelle: ap

Hans-Werner Sinn: "Deutschland ist über den Tisch gezogen worden."

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HB BERLIN. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hat das milliardenschwere Euro-Rettungspaket als krassen Fehler bezeichnet. „Der Rettungsschirm ist für Deutschland ein unkalkulierbares Abenteuer und eine sichere Wachstumsbremse“, sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag in Berlin. Mit einem Anteil von bis zu 148 Mrd. Euro an dem Paket gehe Deutschland nicht nur unkalkulierbare Haushaltsrisiken ein und riskiere höhere Zinsen.

Sinn sieht trotz der Zuspitzung der Verschuldung in der Eurozone keine Systemkrise des Euro. Gemessen an der Kaufkraft sei die Gemeinschaftswährung „immer noch überbewertet“, sagte er. Der Ifo-Chef sieht den „fairen Kurs“ des Euros vielmehr bei etwa 1,14 $ und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund 1,24 Dollar. In der Spitze hatte der Euro 2008 fast 1,60 Dollar gekostet - der Tiefstand lag 2000 bei ungefähr 0,83 Dollar.

„Auch die Inflationsrate gibt keinen Anhaltspunkt für die Gefährdung der Währung“, sagte Sinn weiter. Die aktuelle Teuerung in Deutschland liege mit etwa 1,5 Prozent deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate in der DM-Ära. „Gefährdet war in der Krise nicht der Euro, sondern die Fähigkeit der europäischen Schuldensünder, sich weiterhin so günstig zu finanzieren wie Deutschland“, so Sinn.

Nach Einschätzung des Ifo-Chefs beschert die aktuelle Schuldenkrise vor allem den Bankhäusern, insbesondere in Frankreich, massive Probleme. Mit der jüngsten Verschärfung der Schuldenproblematik drohe der Marktwert der Staatsanleihen in den Banken-Portfolios weiter zu fallen. Deshalb hätten insbesondere die Franzosen Deutschland zu einem Rettungsschirm für finanziell angeschlagene Mitgliedstaaten der Eurozone gedrängt, sagte Sinn.

„Wird der Rettungsschirm Gesetz, übernimmt Deutschland de facto die Gewährleistung für die Schulden der anderen Eurostaaten“, kritisierte der Ifo-Chef. Die Devisenmärkte hätten bereits erkannt, dass durch den Rettungsschirm das Risiko für den Euro insgesamt eher gestiegen sei. Zuvor habe sich der Verkaufsdruck der Märkte noch eher auf die Wertpapiere der Schuldenländer konzentriert. Vor allem für Deutschland stelle der Rettungsschirm „ein unkalkulierbares Abenteuer“ dar und „eine sichere Wachstumsbremse“.

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26 Kommentare zu "„Fehlentscheidung“: Ifo-Institut verdammt Euro-Rettungsschirm"

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  • es sollten sich lieber Einige fragen, von wem Herr Sinn für die Panikmache bezahlt wird ! Mit Ängsten lässt sich ein Volk besser beherrschen und wird ruhig gehalten. Deutschlands Banken haben in 2-3 Jahren ca. 600 Milliarden aus Griechenland abgezogen. Was ist das schon der Rettungsschirm. Wie seltsam, dass er das nicht erwähnt nicht wahr ?.....

  • @ b. Seitz
    Die Einsicht besteht, aber was kann der bürger tun, außer in internetforen, Talkshows und ähnlichem sich über unsere seit Jahren unfähigen Politiker zu ärgern? Was bringen die vielen richtigen, aber nicht gehörten Diskussionsbeiträge? Der Rettungsschirm wird von unseren Abgeordneten demnächst - wider aller Vernunft - durchgewunken und vom Präsidenten unterzeichnet. Europa, insbesondere Frankreich, ist glücklich und Frau Merkel hat ihre Schäfchen sowieso im Trockenen. Nur der deutsche Normalbürger bleibt auf der Strecke und muss wie immer zahlen.

  • ..."Händler erklärten, vor allem die Sorge, dass auch finanziell solide Staaten der Euro-Zone wie Frankreich oder Deutschland durch die von ihnen geleistete Milliarden-Hilfe etwa für Griechenland belastet würden, ängstige die Aktienmärkte. "Es gibt die Sorge, dass sie in etwas hineingezogen werden, dass unvermeidlich Auswirkungen auf europäische Aktien und schließlich die weltweite Wirtschaft haben wird", sagte der Aktienstratege Nagayuki Yamagishi von Mitsubishi UFJ Morgan Securities.“ ... (http://www.handelsblatt.com/finanzen/marktberichte/boerse-tokio-alles-dreht-sich-um-europa-nikkei-faellt;2582069;0)

    Und bei unseren Politikern leuchten da nicht sämtliche Alarmglocken???? Nein, im Gegenteil – in Windeseile soll das Rettungspaket jetzt durchgepeitscht werden, ohne Rücksicht auf Verluste.

    Gibt es eigentlich nicht irgendwo noch ein paar Klardenkende, die diesem Treiben ein Ende setzen können? Die Entwicklungen sind besorgniserregend...

  • ich mag Sinn nciht besoners, aber wo er Recht hat, hat er Recht.
    Nur, warum rückt er damit erst jetzt raus?
    Diese ganzen Merkel-Füße-Küsser solle man in einen Schuppen sperren und so lange drin lassen, bis sie begriffen haben, dass sie alle mit Schuld sind

  • @von sinnen de spinner geister von auftritt zu auftritt,er hat alles vorrausgesehen,ein vonnnnnnn sinnnnnnnnnnnnnnnnnen was sollte auch von den kommen bis zum neustart,wer war eigentlich sudel-ede?der sagte nichts neues im westen jetzt behält der auch noch recht von schntzler eine kleine freude vor der geschichte

  • @mono Sie haben recht.
    Herr (Un)Sinn weiß immer besser, wie immer 2 Wochen danach.

  • @herbniza.

    Jetzt wo der letzte Hinterwäldler weiss, das der Rettungsschirm nonsens ist, kommt auch Sinn mit seinem Sprüchlein daher. ich bin beeindruckt.

    Jeder weiss seit über 1 Woche, das das kein bailout für Griechenland, sondern für die französischen und deutschen banken war und jetzt wo es opportun ist das zu sagen , tut er´s.
    ich brauch keinen Wetterfrosch der mir sagt das gerade draussen ein Wind weht.

  • Einen Euro gegen die erklärte Meinungsmehrheit der Deutschen einzführen war schon gewagt, die zu Grunde liegenden Verträge einfach mit dem Segen des bundesverfassungsgerichts zu brechen ist dreist. Aber es kommt noch besser, in Zukunft dürfen wir für die Schulden der anderen gerade stehen. Wieder wird jetzt beschworen, der bundestag möge dem 740 Mrd. Paket zustimmen, weil dies an ganz strenge Auflagen geknüpft ist und damit Europa gerettet wird. Was solche Erklärungen wert sind, haben wir doch eben erst gesehen. Verantwortungsvolle Politik fängt von hinten an: Zuerst wird festgelegt, was passiert, wenn der andere Vertragspartner sich nicht an die Abmachungen hält, dann erst wird gezahlt. Noch gibt es nur - praktisch unverbindliche - Erklärungen, ein EU Vertrag fehlt. Hoffentlich finden sich genügend Abgeordnete mit Mumm in den Knochen am Freitag, die auch mal Nein sagen können, weil sie unabsehbare Zahlungen der Deutschen ablehnen und sich ihrem Gewissen verpflichtet fühlen. DAS wäre ein Schritt hin zu einem ehrlichen Europa, in dem Deutschland nicht ständig übervorteilt wird.

  • "Eine der gravierendsten Fehlentscheidungen" trifft die Situation, in der wir jetzt stecken. Die Rettungsaktion lief wieder nach bewährtem Muster wie bei HRE u.a. ab. interessanterweise auch mit den gleichen Akteuren, sieht man vom kranken Minister ab.

  • Sinns Analyse ist glasklar und richtig. Die Erscheinung unserer Regierung ist unsaeglich. Wir schaufeln viele Milliarden in die verschuldeten Staaten ohne deren Probleme zu loesen. Wir machen Griechenland zum ewigen Schuldensklaven. Den banken, die fuer hohe Zinsen ein hohes Risiko eingegangen sind, nehmen wir jetzt das Risiko ab, die hohen Zinsen duerfen sie weiter kassieren. Die bundesregierung belohnt die Spekulanten waehrend sie vorgibt, diese zu bestrafen. ist das ein Einknicken vor der Lobby? ist das inkompetenz? ist das Schwaeche? Die franzoesischen banken sind mit 70 Milliarden, die deutschen mit 43 Milliarden in Griechenland engagiert. Vielen Dank Herr Professor Sinn, fuer die offenen Worte!

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