Gastkommentar Stoppt die Kernschmelze im System!

Nouriel Roubini hat mit seinem Pessimismus oft richtig gelegen. Jetzt warnt er eindringlich vor einer zweiten Depression. - und erklärt in acht Punkten, wie das Abgleiten in eine schwere globale Krise zu verhindern ist.
  • Nouriel Roubini
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Nouriel Roubini warnt vor einer weltweiten Kernschmelze im Finanzsystem. Quelle: Reuters

Nouriel Roubini warnt vor einer weltweiten Kernschmelze im Finanzsystem.

(Foto: Reuters)

Die jüngsten Wirtschaftsdaten deuten auf eine Rückkehr der Rezession in den meisten hochentwickelten Volkswirtschaften hin. Die Finanzmärkte stehen unter einem Stress, wie wir ihn seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers nicht mehr erlebt haben. Es besteht die akute Gefahr einer noch schlimmeren Wirtschafts- und Finanzkrise als 2008/09, die nicht mehr nur den Privatsektor betrifft, sondern auch Staaten. Was kann getan werden?

Zur Vermeidung eines fiskalpolitischen Desasters sind Sparmaßnahmen nötig, die aber das Wachstum dämpfen. Wenn also Staaten in der Peripherie der Euro-Zone zu Sparprogrammen gezwungen sind, sollten Länder, denen kurzfristige Stimulierungsmaßnahmen möglich sind, diese ergreifen. Zu diesen Ländern zählen die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland, der Kern der Euro-Zone und Japan.

Zweitens: Während Geldpolitik wenig ausrichtet, wenn es um exzessive Schulden und Insolvenz geht, kann eine Kreditlockerung durchaus hilfreich sein. Die Europäische Zentralbank sollte ihre fehlerhafte Entscheidung einer Zinserhöhung zurücknehmen. Eine weitere geld- und kreditpolitische Lockerung ist auch für die US-Notenbank Federal Reserve notwendig, für die Bank of Japan, die Bank of England sowie die Schweizer Nationalbank. Inflation wird bald die letzte Sorge sein.

Drittens sollten unterkapitalisierte Banken der Euro-Zone durch ein EU-weites Programm gestärkt werden. Um eine zusätzliche Kreditklemme zu verhindern, empfiehlt es sich, hinsichtlich der Kapital- und Liquiditätsanforderungen kurzfristig Nachsicht zu üben.

Viertens ist eine umfangreiche Ausstattung mit Liquidität für Staaten notwendig, um einen sprunghaften Anstieg der Risikoaufschläge sowie den Verlust des Marktzugangs zu verhindern. Trotz politischer Reformen dauert es seine Zeit, bis die Staaten ihre Glaubwürdigkeit wieder erlangen. Bis dahin verlangen die Märkte weiterhin hohe Risikoaufschläge, wodurch eine sich selbst begründende Krise wahrscheinlich wird.

Spanien und Italien laufen momentan Gefahr, den Marktzugang zu verlieren. Die offiziellen Ressourcen müssen verdreifacht werden, durch einen erweiterten Europäischen Stabilitätsmechanismus (EFSF), Euro-Bonds oder massive Interventionen der EZB, um einen desaströsen Run auf diese Staaten zu verhindern.

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13 Kommentare zu "Gastkommentar: Stoppt die Kernschmelze im System!"

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  • Bisher hatte Roubini eigentlich immer vernünftige Ansichten. Entsprechend erwartete ich wirklich neue Ideen von ihm. Dass selbst er nur die alten Hausmittelchen a la Gelddrucken auszupacken hat, zeigt, dass die Lichter tatsächlich ausgehen.
    Aber: Freuen wir uns auf den folgenden Neuanfang. Denn um etwas Neues zu beginnen, muss vorher das Alte vernichtet werden. So sind nun mal die universellen Regeln....

  • Hoffentlich führt das nicht zu persönlichen Depressionen. Zur Behandlung von Depressionen möchte ich auch auf die Biblische Krankenheilung (Aufklärung und Beratung) hinweisen. Grundlage sind Aussagen der Bibel.
    Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28:
    Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken.
    Psalm 146,8:
    Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.

    Mit guten Segenswünschen
    Claus F. Dieterle Heilpraktiker / Psychotherapie

  • Man kann Roubini auch so zusammenfassen:
    "Wir sind im Arsch, wissen nicht mehr weiter, aber wir haben Maschinen, die können Geld drucken. Vielleicht hilft's, wenn wir zusätzlich behaupten, dass wir sparen."
    Roubini weiß auch nicht weiter. Die Katastrophe entfaltet sich - einen Ausweg gibt's nämlich nicht! Das System ist vergiftet.

  • Für die individuelle Rettung ist es wahrscheinlich auch schon zu spät, was aber auch eine große Chance ist. Denn wenn eine kritische Masse wirklich erkennen würde, dass wir alle in einem Boot sitzen und dies verinnerlicht, sich also nicht mehr so verhält, als könne jeder beliebig mit seinem eigenen Boot, machen was er will, könnten sich daraus neuen Handlungs- und Lösungsoptionen ergeben. Diese Erkenntnis bedarf aber gerade für die, die sich im Besitz besonders großer Boote wähnen, noch einiger Schmerzen vermute ich.

  • Man muss ja nicht alles auf Null stellen aber könnte z.B. einfach alle Zinszahlungen auf Staatsschulden auf Null stellen. Denn im Gegensatz zu produktiven Investitionen bei denen Riskoprämien sinnvoll sind und die Investition sich real amortisieren kann, haben Staatsschulden ja offiziell nie ein Risiko gehabt und können sich auch nicht amortisieren, da sie meist unproduktiv verfrühstückt werden. Auf jeden Fall könnten mit den eingesparten Zinsen dann die Schulden abgebaut und die Haushalte konsolidiert werden.

  • Es ist, wie beim Untergang der "Titatnic", es bleibt nur noch wenig Zeit, um sich ein Rettungsboot zu suchen und möglichst schnell weit weg zu rudern. Der Schiffsrumpf ist schon weit aufegrissen und über die "Konstruktionsfehler" ist inzwischen auch schon ausführlich diskutiert worden... Rette sich, wer kann, für alles andere ist es real zu spät!

  • Richtig, die maroden Verhältnisse müssen beseitigt werden, alle Protagonisten des Schuldensytems sollten deshalb in die Pleite geschickt werden. Herzliche Grüße nach Paraguay.

  • Roubinis Gedanken sind überraschend phantasielos altbacken für die Existenzialität und Fundamentalität der Krise der Art zu produzieren und zu distributieren mit der wir konfrontiert sind. Ein "weiter so" garniert mit dem Drehen an einigen Schrauben wie von ihm unterm Strich geraten, wird vielleicht den Zeitpunkt des Kollapses noch etwas verschieben aber die Dynamik sicher nicht aufhalten. Mein Eindruck: die notwendige Analyse der Triebkräfte dieser Dynamik und daraus abgeleitet wirklich radikal neuen Paradigmen werden wohl nicht aus der etablierten Ökonomie kommen. Diese ist wohl zu verstrickt mit dem Bestehenden.

  • Ich bin immer wieder überrascht über die genialen Gedankenspiele von "Experten". So auch in diesem Falle. Herr Roubini schlägt Maßnahmen von vorgestern für übermorgen vor. Er hat noch immer nicht erkannt, daß die alten Rezepte nich funktionierten und auch in Zukunft nicht fubnktionieren können. Wer das Schuldgeldsystem nicht verstanden hat, sollte sich besser nicht als Experte bezeichnen lassen. Der Zinseszins frßt derzeit alles Geld auf und der Zinsanteil auf alles und jedes wächst dadruch von Tag zu Tag. Es kann nicht mit noch mehr Geld (also über eine Inflation) das System gerettet werden. Es ist Zeit zum Schnitt und zur Stunde Null für das gesamte Geldsystem. Stunde Null heitß am einfachsten: Alle Konten dieser Welt werden auf "Null" gestellt. Dann haben sogar die Milliadäre wieder einen Grund neu anzufangen.

  • Ich halte viel von Herrn Roubini, allerdings ist er bei seinen Ansichten derart konditioniert, dass ihm nichtmal in den Sinn kommt, dass unser eigentliches Problem die Privatisierung der Geldhoheit und der einhergehenden Zinswirtschaft ist. Entsprechend fordert er, weiterhin Banken zu subventionieren, statt diese zu verstaatlichen und das Schuldgeld abzuschaffen. Er hat allerdings damit recht, dass Inflation bald unsere geringste Sorge sein wird. Im Übrigen gilt: Geld ist Geld und Menschen stehen über diesem....diese einfache Einsicht scheint uns allen zunehmend verloren zu gehen.

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