Ifo-Geschäftsklimaindex Inlandsnachfrage schiebt Wirtschaft an

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar deutlich verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg kräftig - zum vierten Mal in Folge. Ifo-Präsident Sinn führt dies auf die gute Inlandsnachfrage zurück.
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Eine Frau geht mit vollen Einkaufstüten durch die Innenstadt von Düsseldorf. Quelle: dapd

Eine Frau geht mit vollen Einkaufstüten durch die Innenstadt von Düsseldorf.

(Foto: dapd)

Berlin/MünchenDie Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im Februar den vierten Monat in Folge verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 109,6 von 108,3 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Die 47 von Reuters befragten Analysten hatten nur einen leichten Anstieg auf 108,8 Zähler erwartet. „Die deutsche Konjunktur wird derzeit von binnenwirtschaftlichen Auftriebskräften getragen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Firmenchefs blicken optimistisch auf die kommenden sechs Monate. Das Barometer für die Geschäftsaussichten legte von 100,9 Punkten auf 102,3 Zähler zu. Hier hatten Analysten mit 102,0 Punkten gerechnet. Auch die Geschäftslage wurde besser bewertet. Dieser Index stieg auf 117,5 von 116,3 Punkten und übertraf ebenfalls die Erwartungen.

Volkswirte werteten die Zahlen positiv bis euphorisch. „Das ist ein fulminanter Anstieg, der in dieser Größenordnung nicht zu erwarten war, “ sagte Christian Melzer von der Dekabank. „Die Anzeichen verdichten sich, dass es nicht zu einem zweiten, negativen Quartal kommen wird. Das macht auch wieder Hoffung für den Euro-Raum insgesamt. Es würde auch den Nachbarn helfen, wenn Deutschland wieder Tritt fasst würde.“

Konjukturbarometer

Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex

von Mai 2012 bis Mai 2013 (Punkte)


Ähnlich äußerte sich auch Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. „Das ist ein positives Signal für Deutschland. Der Ifo zeigt heute, dass die deutsche Wirtschaft sich zu Beginn des Jahres stabilisiert
hat. Wir rechnen daher mit Wachstum für das erste Quartal. Deutschland ist in den letzten Jahren schon stärker gewachsen als der Euro-Raum und wird es auch dieses Jahr wieder tun.“

Rainer Sartoris, Volkswirt von HSBC Trinkaus, erwartet nun, dass die deutsche Wirtschaft wieder schrittweise zulegt. „Die Wirtschaft nimmt peu à peu wieder an Fahrt auf, auch wenn uns natürlich weiter Gegenwind aus Südeuropa und nun auch durch den seit Jahresanfang deutlich anziehenden Ölpreis entgegenweht. Insgesamt liefert der Ifo-Index aber ein sehr positives Bild, weil nicht nur die Erwartungskomponente gestiegen ist, sondern auch die Geschäftslage wieder besser bewertet wird.“

Basisdaten Deutschland

Quelle: Information Research

Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer. Es sagt die Entwicklung der kommenden Monate recht zuverlässig vorher. Ende 2011 war die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise um 0,2 Prozent geschrumpft und damit erstmals seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009. Auch für das erste Quartal 2012 erwarten einige Ökonomen noch einen Dämpfer, bevor es dann wieder spürbar bergauf gehen sollte. Die Bundesregierung rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, das sich 2013 auf 1,6 Prozent mehr als verdoppeln dürfte.


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16 Kommentare zu "Ifo-Geschäftsklimaindex: Inlandsnachfrage schiebt deutsche Wirtschaft an"

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  • Wer in Deutschland glaubt diese Sowjetpropagande eigentlich noch?

  • Sie sind wohl der letzte, der noch nicht begriffen hat, dass Börsendaten mit realwirtschaftlichen Entwicklungen nichts zu tun haben.

  • Dieser Index spiegelt die Absichten.

    Also, wenn ich könnte würde ich mir einen 7er anstatt eines 5er kaufen.
    Etwas ganz Anderes beinhaltet aber:
    Ich kaufe einen 7er.

  • Nimmt das wirklich noch einer ernst, was das Ifo-Institut da ausbaldovert. Tatsache ist nämlich, dass die gemessene Stimmung und die realwirtschaftliche Lage weiter auseinandertrifftet. In Q4 2011 sank das saisonbereinigte reale BIP um -0,2% zum Vorquartal, der Output der Industrieproduktion war zuletzt im Dezember den zweiten Monat in Folge rückläufig, die Exporte schwächelten und die deutschen saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken bereits den dritten Monat in Folge. Hier von einer die Wirtschaft schiebenden Inlandsnachfrage zu sprechen, ist albern. Aber das kennen wir ja von Herrn Sinn. Beim Ifo-Geschäftsklimaindex handelt sich ausschließlich um einen Stimmungsindikator, der aus den Antworten der befragten Unternehmen ermittelt wird. Die 7000 befragten Unternehmen geben Auskunft zur gegenwärtigen Geschäftslage und beurteilen ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate an Hand ziemlich simpler Abfragen. Sie können ihre aktuelle Lage mit “gut”, “befriedigend” oder “schlecht” und ihre Geschäftserwartungen mit “günstiger”, “gleich bleibend” oder “ungünstiger” bewerten. Mit wissenschaftlicher Prognose hat das nichts zu tun. Das ist und bleibt Kaffeesatzleserei eines Mietmauls der positivistischen Meinungsmache in Deutschland.

  • Dazu ein Sinnsches Zitat:

    "Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur. Der derzeitige Boom der deutschen Wirtschaft ist der beste Beweis dafür, dass es für eine gute Konjunktur auf eine sofortige Erhöhung der Konsumgüternachfrage gar nicht ankommt."

    Kein weiterer Kommentar.

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    alles Annahmen, die immer noch wieder der Korrektur bedürfen können.

  • Unsere Exporte gehen zu ca. 60% in die Länder der EU. Und diese Staaten wollen alle sparen. Länder können in der Hauptsache bei den Personalkosten sparen. Und deshalb wird die Binnennachfrage in diesen Ländern angekurbelt. Oder?
    Bei Börse fallen mir als erstes zwei Begriffe ein: Herdentrieb und Blasenbildung.
    Was mir grad noch einfällt: Wirtscahftswissenschaft ist eine Sozialwissenschaft mit verschiedenen Glaubensrichtungen. Die Betonung liegt auf "Glauben".

  • KÖnnen Sie mal an einem einzigen Tag, in einer einzigen Stunde mal was anderes tun, als hier im Handelsblatt sämtliche Spalten mit Ihrem Müll zuzutexten. Ihnen muß wahnsinnig langweilig sein ......

  • Als Börsianer weiß man das schon seit Monaten, dass die (kurzzeitige) Winterdelle längst durchschritten ist und es ab Q2 / Sommer wieder bzw. weiter bergauf geht.

    Das zeigte nämlich schon der DAX - als bester Früh-Indikator 6 - 9 Monate im Voraus zur Real-Ökonomie - seit Ende Nov. / Anfang Dez. an (DAX Stand damals ca. 5500 / 5750) !

  • Inlandsnachfrage schiebt deutsche Wirtschaft an
    Hm. Statistisches Bundesamt: Einzelhandelsumsatz im Dezember 2011 real um 0,9 % gesunken
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2012/01/PD12__035__45212,templateId=renderPrint.psml

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