Japans Handelsdefizit Japan führt mehr Waren ein als aus

Japan hat 2011 mehr Waren ein- als ausgeführt. Die Regierung begründet das mit den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis im vergangenen Frühjahr. Doch in Wahrheit hat der Niedergang schon viel früher begonnen.
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Japan verbucht erstmals seit 1980 Handelsdefizit

TokioJapan hat für das vergangene Jahr erstmals seit 31 Jahren ein Handelsdefizit ausgewiesen. Wie die Regierung am Mittwoch in Tokio mitteilte, beläuft sich das Defizit für das gesamte Jahr 2011 auf 2,49 Billionen Yen (rund 25 Milliarden Euro).

Die Exporte seien um 2,7 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich für die negative Bilanz seien unter anderem der starke Yen und hohe Energiekosten sowie die Folgen des Megaerdbebens und des Tsunami vom 11. März 2011, erklärte das Finanzministerium. Die Importe sind dagegen um zwölf Prozent angewachsen.

Für den Export vorgesehene Autos im Hafen von Tokio: Erfolge der Vergangenheit. Quelle: dpa

Für den Export vorgesehene Autos im Hafen von Tokio: Erfolge der Vergangenheit.

(Foto: dpa)

Experten werten das Defizit der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft als Wendepunkt der japanischen Geschichte. „Wir werden ab jetzt kontinuierlich ein Handelsbilanzminus erleben“, sagt Hiromichi Shirakawa, Chefvolkswirt der Bank Credit Suisse in Tokio.

In der Exportschwäche spiegelt sich der Niedergang einer Volkswirtschaft wider, der durch das Erdbeben und die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 nicht ausgelöst, wohl aber beschleunigt wurde. Der Walkman-Erfinder Sony, einst Weltmarktführer in der Konsumelektronik und in den 80er-Jahren so erfolgreich wie heute der US-Technologiekonzern Apple, ist ein Sanierungsfall. Hitachi, Japans ehemalige Elektronikikone, stoppt wegen anhaltend hoher Verluste die Produktion von TV-Geräten in Japan. Und der traditionsreiche Werkzeugmaschinenbauer Mori Seiki kündigte an, binnen fünf Jahren 40 Prozent der Produktion ins Ausland zu verlegen. „Diesmal erleben wir eine industrielle Aushöhlung an der Wurzel“, warnt Toshiyuki Shiga, verantwortlich für das operative Geschäft von Nissan und Präsident der Vereinigung japanischer Automobilhersteller. „Nie wieder werden wir den Bau einer Fabrik für Digitalkameras in Japan sehen“, sagt Zenji Miura, Präsident des traditionsreichen Kameraherstellers Pentax.

Japans Exporterfolge sind Vergangenheit
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13 Kommentare zu "Japans Handelsdefizit: Niedergang einer Industrienation"

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  • Die Wirtschaft Japans hat großes Pech mit der Tsunami-Katastrophe und ihrer aberwitzig nach oben spekulierten Währung. Andererseits muss ich sagen, als jemand der viel in den entwickelten Ländern Asiens herumkommt, sind sie auch nicht so energisch und qualitätsorientiert wie die Menschen in den früheren Tigerstaaten. Es ist kein Zufall, dass die besten Flughäfen der Welt, die besten Fluggesellschaften der Welt, die meisten Patente pro Einwohner, die leistungsstärksten Schulsysteme, die Autos mit der wenigsten Rückrufaktionen etc etc eben nicht (mehr) in Japan zu finden sind. Da wird man heute in Südkorea, Singapur & Taiwan fündig. Die globale Hackordnung von Wirtschaft und Wohlstand hat sich eben seit 1990 nochmal stark verändert.

  • An Japan kann man lehrbuchartig beobachten, wie Fehlentwicklungen vor Jahrzehnten ein erfolgreiches Land in den Abgrund reißen. Die Immobilienkrise vor fast 30 Jahrenhat hat Unmengen an Geld umgeleitet, die nun zur Rettung der dortigen Banken und Immobilienfirmen verwendet wurden. Diese fehlten der Wirtschaft und den Bürgern und schon atomisierte sich zu guten Teilen das Wirtschaftswunder Made in Japan. Wir in Deutschland sind gerade bei einem ähnlichem Wendepunkt. Kraftstrotzend meinen wir, dass Deutschland ganz Europa und den Euro retten könne und manövrieren uns durch die Schulterung von Millardenlasten und noch größeren Bürgschaften in eine schier ausweglose Situation.

  • Teil 3: Die lassen sich sogar in den sicheren Tod schicken, wie die von Tepco-Subunternehmen rekrutierten Aufräumarbeiter in den kaputten Atomkraftwerken Tepcos. Kadavergehorsam gegenüber Vorgesetzten und Obrigkeit! Damit kann man 1000-jährige Reiche begründen. Die grassierende Ausländerfeindlichkeit wird allenfalls noch von wenigen Regionen in unseren „Aufbaugebieten“ übertroffen. Die völlig überalterte Nation mit Geburtenraten nahe 1 % hätte dabei qualifizierte Einwanderer dringend nötig. Allerdings sind westliche großgewachsener Männer („Langnasen“) bei den japanischen Frauen heiß begehrt….Dann haben die Japaner noch ein international viel zu wenig beachtetes Hobby: sie geben Unsummen für die Wahlforschung aus. Und wenn die Forscher das Tier seziert haben, wird das Fleisch eingefroren, weil auch die Japaner das Zeug nicht mehr mögen. Interessant auch der hohe Lebensstandard vieler japanischer Schulmädchen: die können ein Schweinegeld verdienen mit dem Verkauf ihrer (mehrere Tage lang) getragenen Slips. Es geht bergab mit dieser Nation.

  • Teil 2: Urlaub gibt es in Japan nur wenig, dafür über 20 Feiertage – mehr noch als in Bayern! Und die Selbstmordrate überforderter Schulkinder ist international Top. Schon in den 70- und achtziger Jahren haben solche Politgrößen wie der vorbestrafte Graf aus der FDP Japan zum leuchtenden Vorbild erklärt. Das Wirtschaftssystem ist durch und durch korrupt, wird von der Mafia erpresst (warum finden wohl fast alle HVs an ein und demselben Tag statt?) und ist mit den seit über 60 Jahren mit den herrschenden Nationaldemokraten aufs engste verwoben, Beispiel Tepco. Hohe Beamte aus den sog. Aufsichtsbehörden wechseln in die Unternehmen („die, die vom Himmel fallen“), die sie kontrollieren sollten (z. B. wieder bei Tepco). Und wenn sich ein Unternehmen wie Olympus einen ausländischen Topmanager als Vorstandschef holt, um die verkrusteten Strukturen in japanischen Firmen aufzubrechen, wird er von über 80 Jahre alten Aufsichtsräten geschasst, nach dem dieser Topmanager Betrügereien im hohen 3-stelligen Millionenbereich (in €) aufgedeckt hat und damit gegen Unternehmensgrundsätze verstoßen hat.
    Japan scheint unfähig für Reformen, das Rentenproblem stellt das in Europa weit in den Schatten. Die Verschuldung (zum Glück nur wenig bei ausländischen Gläubigern) hat griechische Ausmaße erreicht: fast 10 Billionen € und rd. 200 % des jährlichen BSP. Die Zahlen sind schlimmer als die Griechenlands. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Von der Klientelpolitik der japanischen Regierungen kann selbst die FDP noch etwas lernen. Und der gemeine Japaner? Er kuscht! Das Individuum zählt nicht, nur das Kollektiv oder das Land. Es wird nicht aufgemuckt, wenn Tepcomanager (früher hätten sich diese Versager eine „Fünf“ in den Bauch geschnitten, heute heulen sie vor Millionen Zuschauern) und hohe Politiker die Menschen noch viel schamloser belügen, als wir Deutschen es von unseren politischen Flachpfeifen gewohnt sind (Wulff, Friedrich (ganz frisch), Koch, Barschel, Schäuble usw.).

  • Auf dem Weg in die 3. Welt? Teil 1
    Die Krise begann vor über 30 Jahren. Nach einer beispiellosen Immobilien- und Aktienblase begann der Niedergang Japans, flankiert von unfähigen Politikern, deren Durchschnittsalter damals allenfalls von der Mumienschaft in Moskau überboten wurde. Welch groteske Züge die Immobilienblase in Japan erreichte, zeigt sich u. a. darin, dass die Fläche des Kaiserpalasts in Tokio mehr wert war als ganz Kalifornien. Die KGVs der meisten Aktien waren dreistellig, was japanische Broker völlig normal fanden angesichts der gigantischen Wachstumsraten. Die in Frankfurt sitzenden, meist drittklassigen japanischen Broker, haben bei einem Stand des Nikkei-Index von rd. 40.000 Punkten das Kursziel 100.000 Punkte proklamiert. Die Kaufargumente für japanische Aktien waren geradezu sensationell:
    „You must buy now, am a Japanese, I know the Market. Als die Kursrückgänge ab 1991 immer dramatischer wurden, haben sie am Telefon geheult, weil ihnen keiner mehr die überteuerten Aktien abkaufen wollte. An der desaströsen Börsenentwicklung hat sich seit dem nichts geändert. Interessant auch, was Analysten von z. B. US-Brokerhäusern dort erlebt haben. Wenn zum Beispiel dem Finanzchef eines börsennotierten Unternehmens Fragen zur Unternehmensentwicklung gestellt werden, konnte es passieren, dass dieser seinen Gast stundenlang nur anlächelt. Die japanische Wirtschaft und deren Fähigkeiten werden dramatisch überschätzt. Da gibt es ein paar sehr gute international agierende Firmen wie Toyota, Honda und einige wenige mehr. Andererseits sind ehemalige Vorzeigeunternehmen wie Sony oder Hitachi längst zum Sanierungsfall geworden. Mittlere Betriebe als eigentliches Rückgrat der Wirtschaft wie in Deutschland? Fehlanzeige! Nach den Großen kommen gleich die Familienbetriebe, die gnadenlos ausgenutzt werden.

  • Wenn man den Mund so weit aufreißt wie Sie, sollte man auch etwas zu sagen haben. Haben Sie aber nicht, von Ihrer bodenlosen Rechtschreibung ganz zu schweigen.

  • Hallo lieber Japaner,

    von wem werden Sie denn bezahlt, dass Sie diesen Unsinn hier verbreiten? Die Stärke des Yen resultiert einzig und allein daraus, dass sich u. a. Hegdefonds zu Minizinsen im Yen verschulden, um dann z. B. vielleicht italienische Staatsanleihen oder deutsche Aktien zu kaufen. Warum wird denn der Yen immer dann besonders fest, wenn Börseneinbrüche stattfinden? Weil dann die Kredite zurückgezahlt werden und dafür $ und € in Yen getauscht werden müssen. Die Fundamentaldaten Japans sind grottenschlecht,die Politikerkaste noch schlechter als die amtierende Regierung hier, das Tripple A ist bald weg usw. Vielleicht sollte mal ein Teil der für die Erforschung der Wale verwendet Forschungsgelder umgeleitet werden.

  • es hat auch nur das Handelsblatt ein Problem damit. Und ein paar jap. Politiker nutzen die Schulden zur Stimmungsmache. Sonst hat niemand ein Problem mit 200, 300 oder 400% Staatsverschuldung. Der BOJ werden die Yen nie ausgehen.

  • Die Ursachen des japanischen Niederganges sind in den neunziger Jahren zu suchen als durch das Platzen der Kredite für die Tigerstaaten die japanischen Banken durch den Staat gerettet werden mussten. So kam es dass in nur einem Jahrzehnt Japan praktisch ohne Staatsschulden auf eine Verschuldung von über 200% des BIP gekommen ist. Und da selten ein Unglück alleine kommt und der Niedergang einer Gesellschaft viele Ursachen hat, musste Japan auch noch den Tsunami und Fukushima erleiden. Das der Yen gegenwärtig so überbewertet ist hat weniger mit seinen realen gegenwärtigen Problemen zu tun, die tatsächlich eigentlich zu einer Abwertung der Währung führen müsste, sonder vielmehr mit der Tatsache dass viele japanische Auslandsguthaben aufgelöst werden und diese wieder nach Japan zurück fließen um dort in den Wiederaufbau nach der Tsunami Katastrophe zu investieren.

  • Es ist ein Beispiel dafür, wie der Markt raffgierige Nationen durch aufwertung der Währung zur Raison bringt. Deutschland glaubt nun, dem durch die Weichwährung Euro entgehen zu können. Was die Exportfanatiker in deutschland nicht sagen ist, daß zwar unsere währung nicht aufwerten kann, dafür wird für uns die Rechnung aber keineswegs billiger, denn wir werden für den euro massiv bezahlen. Das alles nur, damit die raffgier der Kapitalbesitzer in Deutschland befriedigt werden kann. dafür wird alles getan. Die zeche wird nun dem steuerzahler untergeschoben. Wie lange werden wir uns noch von denen an der Nase herumführen lassen, die den hals nicht voll genug bekommen können, und die uns hier gegen den willen der Mehrheit den euro angedreht haben ? das ganze hatte doch nur ein Ziel: Die taschen der deutschen Exportindustrie und der ("Investment")Bankster zu füllen. Daß damit europa zerstört wird, ist denen vollkommen gleichgültig.

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