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Kapitalaufstockung EZB zapft nationale Notenbanken wegen Schuldenkrise an

Die Europäische Zentralbank wird ihr Grundkapital nahezu verdoppeln. Die Notenbank begründete den Schritt mit den gestiegenen Schwankungen an den Finanzmärkten und dem erhöhten Kreditausfallrisiko. Im deutschen Bundestag stößt die Entscheidung auf harsche Kritik.
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EZB-Tower in Frankfurt Quelle: ap

EZB-Tower in Frankfurt

(Foto: ap)

dne/HB FRANKFURT. Angesichts der zugespitzten Schuldenkrise in der Eurozone holt sich die Europäische Zentralbank (EZB) frisches Geld. In knapp zwei Wochen werde ihr Grundkapital von 5,8 auf 10,8 Milliarden Euro erhöht, teilte die Notenbank am Donnerstag nach einer Sitzung des Erweiterten EZB-Rats in Frankfurt mit.

Aufgebracht wird das Geld von den nationalen Notenbanken. Auf die Deutsche Bundesbank entfallen damit rund eine Milliarde Euro. Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, wird die Maßnahme den Gewinn der Bundesbank aber nicht verringern, weil die Zahlung in der Bundesbank- Bilanz ertragsneutral umgesetzt wird. Damit muss Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nicht mit einer geringeren Ausschüttung rechnen, der Steuerzahler wird somit nicht belastet.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, schlägt dennoch angesichts der Aktion Alarm. Die Strategie der EZB, den Markt für Pfandbriefe und für Anleihen der Schuldensünder Portugal, Griechenland und Spanien durch Ankäufe zu stützen, komme Deutschland teuer zu stehen. „Deshalb ist zu befürchten, dass der Kapitalhunger der EZB erst der Anfang ist“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Die monetarisierten Schulden von bislang 132 Milliarden Euro verschwinden nicht einfach, sondern fressen die Reserven der EZB und der Bundesbank auf.“ Dieser Vermögensverlust werde jetzt konkret. Schäffler fordert daher: „Die EZB muss die Sozialisierung von Schulden endlich beenden.“

Bislang lag das Grundkapital der Zentralbank bei knapp 5,8 Milliarden Euro, wovon jedoch nur ein Teil eingezahlt ist. Das Grundkapital besteht aus Einzahlungen der an der EZB beteiligten Notenbanken der 16 Euro-Länder sowie der Zentralbanken der weiteren elf EU-Länder, die bislang die Gemeinschaftswährung nicht eingeführt haben.

Über den Schritt der EZB war in den vergangenen Tagen bereits spekuliert worden, weil das Ausfallrisiko der Notenbank mit dem Aufkauf von Staatsanleihen klammer Euroländer gestiegen ist. Die EZB begründete die Entscheidung mit den gestiegenen Schwankungen an den Finanzmärkten und dem erhöhten Kreditausfallrisiko.

Die Bundesregierung hatte bereits Anfang der Woche erklärt, dass sie eine Kapitalerhöhung der EZB positiv begleiten werde. Die Bundesbank nahm auch am Donnerstag nicht offiziell zu der Entscheidung des EZB-Rats Stellung, in dem Bundesbank-Chef Axel Weber Sitz und Stimme hat.

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10 Kommentare zu "Kapitalaufstockung: EZB zapft nationale Notenbanken wegen Schuldenkrise an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • im Grunde ist das alles doch etwas merkwürdig und seltsam. Die EU-Staaten spannen einen Rettungsschirm in Höhe von 750 Mrd. Euro. Geld, welches die Staaten bekanntlich gar nicht haben, sondern vom wem letztlich bekommen? Und dann haben wir da die EZb. Die flutet den Markt seit Monaten mit billiger Liquidität, kauft in Milliardenhöhe Staatsanleihen auf und hatte ein Grundkapital von etwas mehr als 5 Mrd. Euro, welche nun auf etwas mehr als 10 Mrd. aufgestockt werden soll. ich stelle mir jetzt gerade mal eine private Aktiengesellschaft vor, die Ausgaben in derartiger Höhe tätigt und mit diesem lächerlichen Grundkapital ausgestattet ist. Und da fällt mir dann nichts mehr zu ein!

  • @ Profan
    Sicher, Sie haben recht. "ertragsneutral" ist ja auch ein nettes Wort. Machen wir's mal physisch :
    ich besitze und habe die Verfügungsgewalt über 10 Äpfel, die ich nun essen könnte. Einen Apfel gebe ich weg (und unterstelle, daß der Empfänger nun besitzer ist und die Verfügungsgewalt über diesen einen Apfel hat). Kann ich jetzt noch 10 oder 9 Äpfel essen ?
    Entweder, ich bekomme jetzt einen Apfel zurück, dann hätte ich mir die ganze Aktion "Geben-Nehmen" aus energetischen Günden sparen können, oder ich krieg ihn nicht, dann habe ich tatsächlich nur noch nur 9 Äpfel.
    Sehe ich das falsch ?

  • @[4] norbert,
    es muss nicht gefüllt werden weil die Milliarde nur verlagert wurde, in den bücher steht Sie immer noch auf der Aktiva.

  • @[6] Margrit Steer
    vielleicht sollten Sie öfter ausländische Zeitungen und Nachrichten lesen und hören.
    ihre Einsichten sind absolut einseitig und von der permanenten nationalistische berieselung, durch deutsche Medien, beeinflusst. Das große deutsche Kapital beherrscht die deutsche Medien. Sie werden nur benutzt, Sie sind so zu sagen nur Mittel zum Zweck. Der Nationale-Egoismus hat aber in Deutschland immer mittelfristig zur Katastrophe geführt.

  • Frau Merkel hat die EZb gezwungen, faule Papiere aufzukaufen.
    WErden wir ein zweites 1923 erleben, als man nur noch Geld druckte und ein brot billionen kostete?

  • Die Finanzmärkte werden jubeln. Seit der Griechenlandkrise geht Runde um Runde an die Finanzmärkte (siehe http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html ). Ob Rettungspaket für Schuldenstaaten, Anleihekäufe oder, was nun wohl der nächste Schritt sein wird, Erhöhung des Rettungsfondsvolumens.
    Und gerade aus diesem Grund wird immer weiter gezockt - mit Staatsanleihen und Versicherungen.
    So werden die Probleme niemals gelöst werden können. Außerdem wird die den Schuldenstaaten verordnete Austeritätspolitik die Probleme noch verschärfen. barry Eichengreen hat vollkommen Recht, wenn er dies - wie hier im Handelsblatt vor zwei Wochen - als "jämmerliches Versagen" deutet. in doppelter Hinsicht. Die EU hat nicht die richtigen Antworten, um das Spiel der Finanzmärkte zu beenden und ebenso wenig für die Lösung der Wirtschafts- und Schuldenprobleme der in Schwierigkeiten geratenen EU-Mitgliedstaaten.

    Allerdings: Die politiker im bundestag dürfen sich nicht über den Schritt der EZb beklagen. Sie haben sie durch ihre desaströse Finanzmarktpolitik erst in diese schwierige Lage gebracht!

  • Die bundesbank ist also um eine Milliarde ärmer. Wer füllt dieses Loch wieder auf ?

  • @[2]
    nicht traurig sein, denke nur an die viele Milliarden die über den permanenten deutscher Exportüberschuss in den Süden nach Deutschland fliesen! Die eine Milliarde bekommt Deutschland in einem Vormittag zurück.

  • Die Schrottanleihenkäufe waren unverantwortlich. Jeder wusste, dass Herr Trichet die Unwahrheit sagte mit seiner Erklärung,die Käufe seien nur vorübergehender Natur und würden als Puffer wieder abgebaut. Allen war klar, dass die PiiGS-Anleihenbegeber garnicht in der Lage sein würden, den Schrottpapieren eine höhere Wertigkeit zu verschaffen. Dass sie folglich bei der EZb liegen bleiben würden, war von vorne herein evident. Die angebliche Summe von 72 Mrd. Euro muss nach den kennengelernten Salami-bekanntgabemethoden wohl eher auf tatsächliche 200 Mrd. Euro "aufgestockt" werden.
    .
    Eingestielt zum Herauspauken französischer, schweizerischer (und deutscher) banken vom Trio Trichet, Strauss-Kahn und Sarkozy, sind diese Leichenberge im Keller der EZb die bankrotterklärung glaubwürdiger EZb-Politik .
    .
    Nun folgt das blankziehen: Man braucht frisches Geld. Die deutsche Milliarde entspricht genau den Einnahmen aus der neuen Luftverkehrssteuer auf unsere (Urlaubs-) Flugtickets. beim Einsteigen ins Flugzeug kann man also ein Memento nach Süden ablegen ...


  • Die Finanzmärkte werden jubeln. Seit der Griechenlandkrise geht Runde um Runde an die Finanzmärkte (siehe http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html). Ob Rettungspaket für Schuldenstaaten, Anleihekäufe oder, was nun wohl der nächste Schritt sein wird, Erhöhung des Rettungsfondsvolumens.

    Und gerade aus diesem Grund wird immer weiter gezockt - mit Staatsanleihen und Versicherungen.

    So werden die Probleme niemals gelöst werden können. Außerdem wird die den Schuldenstaaten verordnete Austeritätspolitik die Probleme noch verschärfen. barry Eichnegreen hat vollkommen Recht, wenn er dies - wie hier im Handelsblatt vor zwei Wochen - als "jämmerliches Versagen" deutet. in doppelter Hinsicht. Die EU hat nicht die richtigen Antworten, um das Spiel der Finanzmärkte zu beenden und ebensowenig für die Lösung der Wirtschafts- und Schuldenprobleme der in Schwierigkeiten geratenen EU-Mitgliedstaaten.

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