Kommentar Euro-Schwäche stärkt die deutsche Wirtschaft

Der Euro hat zu Jahresbeginn seine Talfahrt fortgesetzt und deutlich an Wert verloren. Für Deutschland und seine Exporteure ist das ein Glücksfall. Deshalb ist nur fair, wenn wir zur Beilegung der Euro-Krise beitragen.
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Ein Finger hält eine Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

Ein Finger hält eine Ein-Euro-Münze.

(Foto: dpa)

Der Winter 2011/12 mag bisher sehr mild sein, aber für die europäische Wirtschaft fällt er frostig aus. Spanien, Griechenland, Irland und Portugal ächzen unter den harschen Sparprogrammen, mit denen die Regierungen der Schuldenfalle zu entrinnen suchen. Auch in Italien hat das Konsolidieren begonnen. Viele dieser Länder hängen schon in der Rezession fest. Bald könnten die dortigen Volkswirtschaften sogar schrumpfen. Auch die Euro-Zone insgesamt dürfte bereits in einer milden Rezession stecken.

Die konjunkturelle Frostperiode in Verbindung mit Zweifeln am Krisenmanagement der europäischen Regierungen belastet auch den Euro, der sich lange Zeit erstaunlich gut gehalten hatte. Gegenüber dem Anfang Mai erreichten Jahreshoch von 2011 ist er im Vergleich zum Dollar schon um 14 Prozent gefallen. Im Vergleich zum Yen hat der Euro gegenüber dem Höchststand sogar schon 20 Prozent eingebüßt.

Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen

Quelle: Information Research

Das Misstrauen der internationalen Investoren wächst, und wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen, wie von vielen Analysten erwartet, bald unter ein Prozent senkt, dann dürfte der Euro weiter nachgeben. Weiterer Abwärtsdruck würde entstehen, wenn sich die Wirtschaft in den USA und Japan 2012 deutlich besser entwickelte als in Europa - auch dafür spricht manches.

Doch muss ein schwächerer Euro die Deutschen stören? Nein. Im Gegenteil, er wird der deutschen Wirtschaft helfen, ihre Exporte in Länder außerhalb des Euro-Raums zu steigern. Die Devisenkurse entwickeln sich zu einem weiteren Beleg für eine wenig diskutierte Tatsache: Erst hat die deutsche Wirtschaft ein Jahrzehnt lang vom Euro profitiert, jetzt profitiert sie auch von der Euro-Krise. Zwar hat die Schuldenkrise in Europa im Herbst 2011 auch Deutschland in den Abschwung getrieben - doch ihre Begleiterscheinungen werden 2012 helfen, den nächsten Aufschwung zu erzeugen.

Der schwächere Euro hilft der deutschen Industrie im Wettbewerb mit amerikanischen, chinesischen und japanischen Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Aber auch die niedrigen Zinsen nützen. Sie helfen dem deutschen Staat, sich so billig wie noch nie an den Kapitalmärkten zu refinanzieren. Für eine zehnjährige Bundesanleihe musste er zuletzt weniger als zwei Prozent Zinsen bieten. Im vergangenen Jahrzehnt waren es bis zu 5,3 Prozent. Dadurch sinken die Zinslasten des Staates, und das hilft ihm, den Staatshaushalt zu konsolidieren, ohne - wie die Euro-Partner - massiv Ausgaben kürzen und Steuern erhöhen zu müssen. Der Staat belastet die Wirtschaft also nicht.

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20 Kommentare zu "Kommentar: Euro-Schwäche stärkt die deutsche Wirtschaft"

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  • die Argumentation ist reichlich vereinfacht, um es noch wohlwollend auszudrücke. Die BRD besteht nicht nur aus Exporteuren, die die Nichteuroländer beliefern.

    Außerdem dürfen auch gern aller anderen Euroländer nach Herzenslust in andere Währungsgebiete exportieren; niemand hindert sie daran.

    Weiterhin hat nun sicher nicht die BRD die Talfahrt des Euros zu verantworten. Irgendwelche Verpflichtungen oder Gebote der Fairneß für die BRD herzuleiten ist völlig absurd.

  • @RD1
    "Hat wohl doch nicht so viele Kommentare (Klicks) eingebracht wie gedacht?"

    Das liegt wohl daran, das der Kommentar recht schnell wieder von der Hauptseite verschwunden ist. ;)

    Aber man muss dem Handelsblatt zugute halten kritische Meinungen nicht zu zensieren, wie das teilweise bei anderen Online Medien (zB: Zeit) passiert.

  • Pech gehabt Herr Chefökonom, Entschuldigung Chefpropagandist.

    Hat wohl doch nicht so viele Kommentare (Klicks) eingebracht wie gedacht ?

    Wollten Sie mit Ihrem Artikel Kommentare (Klicks) provozieren oder glauben Sie selbst an den Unsinn den Sie schreiben ?

  • Schwach ist nicht nur der Euro, sondern auch Ihr Artikel, Herr Heilmann!
    Die Niedrigzinspolitik der EZB führt in Verbindung mit der hohen Inflationsrate (nein, nicht die von der EZB, sondern die echte) zum Dahinschmelzen der kapitalgedeckten Altersvorsorgen. Wovon sollen denn die Menschen in Deutschland später einmal leben, wenn die staatliche Rente nicht mehr reicht und gleichzeitig Riesterrenten, Kapitallebensversicherungen usw. eine negative Rendite einfahren. Es werden sich noch manche wundern, wenn sie im Alter nicht mehr genügend Geld haben, um die Miete an den griechischen Hauseigentümer überweisen zu können.

  • Dann warte ich nun darauf, dass die Deutsche Industrie die Rettungskosten des Euros bezahlt. Mein (Angestellten-)Gehalt ist seitdem (real) nicht nach oben gegangen.

  • Jede echte schwäbische Hausfrau weiß mehr über ökonomische Zusammenhänge von Geld, Schulden, Verantwortung, Sparen und Ausgeben als der Chefökonom einer deutschen Wirtschaftszeitung. Ist das ein von Merkozy gekaufter Artikel? Deutschlands Mainstreammedienlandschaft wird ihrer Verantwortung für die Zukunft dieses Landes nicht gerecht. Möglicherweise will man auch keine Zukunft für Deutschland, wie es in der noch gültigen Verfassung vorgesehen ist. Einfach trostlos!

  • "Beilegung der Eurokrise"?
    Wer träumt denn bei den gegebenen Realitäten von so etwas ?
    Da müssten erst mal die paar Billionen Staatsschulden der Europäer beigelegt werden.
    Einfach nur lächerlich.

  • Was wollen sie uns damit suggerieren? Stärkt das die der anderen Euro Länder, oder die an dem Euro gekoppelt sind etwa nicht?
    Oder soll es sogar ein Hohelied auf dem Euro werden?

  • Sehr gut die Drei-Punkte Analyse dieses hinrnrissigen Artikels. "Erst hat die deutsche Wirtschaft ein Jahrzehnt lang vom Euro profitiert, jetzt profitiert sie auch von der Euro-Krise." Krise ? Nix-Krise ? Ist doch eh egal, oh Gott, Herr Chefökonom. Haben Sie Ihren Titel von der Uni-Bayreuth ?

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