Konjunkturbarometer stürzt ab Warum der Baltic Dry Index diesmal lügt

Der Transportkostenindex Baltic Dry gilt als aussagekräftiges Signal für die Entwicklung der Weltwirtschaft. In den vergangenen Wochen ist er um 60 Prozent eingebrochen. Experten warnen jedoch vor Panik.
Update: 01.02.2012 - 14:36 Uhr 18 Kommentare
Ein Containerschiff im Hafen von Wismar. Quelle: ap

Ein Containerschiff im Hafen von Wismar.

(Foto: ap)

DüsseldorfIn Finanzkreisen sorgt seit einigen Wochen ein Index für großes Aufsehen, der eigentlich als Vorbote für die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft gilt. Der Baltic Dry Index gibt die Verschiffungskosten für Rohstoffe - in erster Linie für Eisenerz und Kohle - wieder. Da beide Rohstoffe der Grundstoff für sämtliche Stahlprodukte sind, vom Auto bis zur Maschine, gilt der Index als guter Frühindikator für die Weltwirtschaft.

Nun ist der Baltic Dry Index (BDI) in den vergangenen Wochen dramatisch eingebrochen: Seit Mitte Dezember hat er über 60 Prozent seines Wertes verloren. Noch Mitte Dezember lag er bei fast 2000 Punkten - jetzt steht er bei 662 Punkten. Damit liegt er unter dem Tiefstand 2009 von 670 Punkten auf dem niedrigsten Stand in diesem Jahrzehnt.

Während sich das Angebot an Schiffsraum auf kurze Sicht kaum ändert, schlagen Schwankungen der Nachfrage sofort auf den Preis durch. In der Finanzkrise brach der Index zum Beispiel von über 11000 Punkten im Mai 2008 auf 670 Punkte im Dezember ein. Einige Beobachter sehen die derzeitige Entwicklung nun mit großer Sorge. Auf Blogs und über den Kurznachrichtendienst Twitter warnen sie vor einem Absturz der Weltwirtschaft.

Experten sehen die Entwicklung allerdings gelassener. Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seewirtschaft und Logistik (ISL) führt die kurzfristigen Schwankungen vor allem auf das Verhalten chinesischer Produzenten zurück. „Bis Dezember hat es einen Sondereffekt gegeben,  weil die Chinesen vor allem ihre Eisenerz-Lager aufgefüllt haben,“ sagt er. „Dieses antizyklische Verhalten hat dazu geführt, dass die Preise für Frachtraten bis Dezember 2011 überraschend gestiegen sind. Seit Januar ist dieser Zwischenboom zu Ende,“ sagt er.

Der Effekt ist vor allem bei großen so genannten Capesize-Schiffen zu spüren - mit einem Ladevolumen von über 80.000 Tonnen. Gerade in diesem Segment hat sich der Baltic Dry Index im Jahresverlauf 2011 überraschend positiv entwickelt. Die schlechtere Stimmung durch die Verschärfung der Euro-Krise machte sich hingegen bis Dezember nicht bemerkbar.

Für Lemper kommt der abrupte Absturz des Index nicht überraschend. „Es war absehbar, dass der Baltic Dry Index fallen würde. Die Angebotsseite macht im Moment den Markt kaputt. Durch den starken Zubau von Tonnage gibt es massive Überkapazitäten im Markt,“ sagt er. Neue Schiffe lassen sich nicht in wenigen Monaten bauen. Oft liegen zwischen dem Auftrag und der Auslieferung eines Schiffs Jahre. Wenn eine Reederei wegen voller Auftragsbücher ein neues Schiff bestellt, kann die Wirtschaftslage zum Zeitpunkt der Auslieferung schon wieder ganz anders aussehen - und dies bringt dann den Markt durcheinander. Allein 2012 sollen 20 Prozent zusätzliche Schiffraumkapazitäten hinzu kommen. Demgegenüber steht ein geschätztes Wachstum der Nachfrage nach Frachtraum von drei bis fünf Prozent.

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Aussagekraft des Baltic Dry Index als Frühindikator für die Weltwirtschaft. Lemper sieht dies im Moment kritisch: „Der Baltic Dry Index funktioniert als Frühindikator für die Weltkonjunktur nur dann, wenn sich der Markt einigermaßen im Gleichgewicht befindet. Im Moment ist das nicht der Fall.“ Auch Eric Heymann von der Deutschen Bank Research kommt zu einem ähnlichen Fazit.„Auf kurze Sicht ist der Baltic Dry Index viel zu volatil um daraus Aussagen über die Weltkonjunktur abzuleiten. Auf lange Sicht folgt er aber ungefähr dem Trend,“ sagt der Analyst.

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18 Kommentare zu "Konjunkturbarometer stürzt ab: Warum der Baltic Dry Index diesmal lügt"

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  • Jetzt mal völlig unabhängig von jeglicher Spekulation und reich werden.

    Der Index sagt uns unzweifelhaft, daß die Nachfrage von den Experten überschätzt wurde.

    Das wird ja gerne als Missmanagement an den Pranger gestellt.

    Das Problem der Wirtschaftskrise ist aber, daß man jegliche Bedenken niedermetzelt und am Ende keine Verantwortung übernehmen kann.

    Weniger Schuldenfinanzierung bedeutet weniger oder negatives Wirtschaftswachstum.
    Alles Lüge oder was?

  • Gratulation. Um Sie mache ich mir keine Sorgen.

  • Wieso? Denke ich nicht:

    2006: + 21,3%
    2007: + 31,6%
    2008: + 28,1%
    2009: + 17,2%
    2010: + 42,3%
    2011: + 6,7%
    2012: + 9,9%

    Sieht also nicht danach aus ...

  • @bolle: Haben Sie sich verspekuliert?

  • Moment, mit "Glauben" hat das hier nichts zu tun. Glauben ist Kirchenrecht und gehört nicht zur Analyse von Wirtschaftsdaten.
    Ich schaue mir vorurteilsfrei die Daten an und mache mir aus dem Gesamtgefüge ein Urteil.

    Ich (wir) habe nicht geschrieben, daß die Weltmärkte schon zusammengebrochen SIND !

    Die allgemeine Datenlage deutet derzeit aber sehr darauf hin, daß es allen Orten zu massiver Kontraktion kommt bzw. kommen wird - ergo daß wir gerade in einen Zusammenbruch reinlaufen (davor stehen) bzw. in Teilbereichen schon voll drin sind :

    - Baltic Dry sinkt (damit die Grundstoff-Nachfrage)
    - Rohstahlproduktion sinkt
    - HARPEX sinkt (damit der Transport von Fertigerzeugnissen)
    - PKW-Absatzzahlen sinken fast überall
    - Exportdaten kontrahieren
    - Verbraucherausgaben stagnieren (auf niedrigem Niveau)/ sinken
    - Schulden steigen weltweit weiter
    - Immobiliendaten stagnieren/ fallen

    Die Rahmenbedingungen sind absolut grottig - kein Wunder, daß die meisten Menschen das nicht glauben wollen oder können. Ist aber auch klar bei der Aufschwungs-Propaganda, die überall gefahren wird.

    Es sei jedem empfohlen, sich die WIRKLICHEN Daten VORURTEILS-FREI anzusehen und dann zu entscheiden was wirklich läuft. Es ist jedenfalls nicht das, was überall im Mainstream kommuniziert wird. Lies mal bei querschuesse oder markt-daten nach ...

    Und wenn man halbwegs gescheit ist und einen gesunden Menschenverstand hat (tiefgreifende Mathematik-Kenntnisse sind gar nicht erforderlich - es reichen die vier Grundrechenarten und Prozentrechnung), dann sollte jedem Interessierten auffallen, es irgendetwas nicht passt: Entweder die Meldungen sind falsch oder die realen Daten sind es.

    Und da verlasse ich mich lieber auf nackte Daten (unverfälschte, soweit möglich) und nicht auf Meldungen. Dann sind Prognosen auch mit ziemlicher Treffsicherheit (Abweichung max. 1 Quartal, Abweichung in ihrem Ausmaß maximal 25%) zu machen. Entsprechend sehen dann natürlich auch die Anlageerfolge aus.

  • @alex: Die Aussage verstehe ich nicht ganz.

  • keepcool, dazu müsste man wissen wann QE scheitert, ich könnt ne rating agentur fragen oder mit meinem hund spazieren und aus seinen exkrementen die zukunft lesen :-)

  • ja oder mehr frachtaufkommen :-)

  • Zitat kaielves: "Viel Glück im Crash! (meine ich ernst, sie werdens brauchen)"

    Vielen Dank. Glück kann man gar nicht genug haben.

  • Keine Sorge, vielleicht beginnt ihre neue Karriere ja schon diesen Sommer.

    Die Gläubigen kaufen derweil je nach "Erweckung" schon seit Jahren EM (Blase, kamma-ned-essen, nur Schmuck, volatil usw usf schon klar...) und glauben auch nicht mehr jeden Blödsinn den ein "Experte" oder "Insider" oder "Qualitätsjournalist" als Losung auspresst.

    Für Schuhputzer haben diese Leute aber auch keinen Bedarf, mehr dazu bei "Millionaire next door".

    Viel Glück im Crash! (meine ich ernst, sie werdens brauchen)

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