Krisenvirus breitet sich aus Rückschlag für die Euro-Optimisten

Die Euro-Zone ist noch lange nicht aus dem Schneider. Laut einer Studie grassiert der Krisenvirus weiter und befällt nun auch Nord-Länder. Griechenland entwickelt sich zum hoffnungslosen Fall. Die Politik ist alarmiert.
Update: 25.02.2014 - 16:07 Uhr 51 Kommentare
Akropolis in Athen: Griechenland bleibt Sorgenkinder Nummer ein der Euro-Zone. Quelle: ap

Akropolis in Athen: Griechenland bleibt Sorgenkinder Nummer ein der Euro-Zone.

(Foto: ap)

BerlinDas Freiburger Centrum für europäische Politik (CEP) hat eine Studie veröffentlicht, die Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker sein dürfte. Die Forscher haben die Kreditfähigkeit der Euro-Staaten analysiert und kommen zu ernüchternden Ergebnissen. Besonders bitter ist das Urteil zu Griechenland: „Trotz aller gegenteiligen Behauptungen der griechischen Regierung: Griechenland bleibt das Sorgenkind der Euro-Zone“, schreiben die Experten. Die Kreditfähigkeit des Landes verfalle weiter - und zwar „deutlich schneller“ als die aller anderen Euro-Länder. „Die Wiedererlangung der griechischen Kreditfähigkeit ist nicht absehbar.“

Die Analyse deckt sich teilweise mit den Zahlen aus dem am Dienstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick der EU-Kommission. Der griechische Schuldenstand sinkt der Prognose der EU-Kommission zufolge zwar von 177,0 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem auf 171,9 Prozent im kommenden Jahr, dies ist jedoch höher als noch in der letzten Analyse vom November erwartet. Der EU-Grenzwert liegt eigentlich bei 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Dass das krisengebeutelte Griechenland laut der EU-Prognose in diesem Jahr nach jahrelanger Rezession wieder ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent verzeichnet, bezweifelt das CEP. „Die Wachstumsprognosen der EU-Kommission sind nicht nachvollziehbar“, sagte CEP-Vorstand Lüder Gerken. Dies gelte insbesondere für Länder wie Griechenland und Italien. „Der von der Kommission erwartete teilweise rapide Anstieg der Investitionen ist in hohem Maße erstaunlich.“

Für das Jahr 2015 erwartet die Kommission für Griechenland sogar ein Plus von 2,9 Prozent. Das mit internationalen Hilfsprogrammen vor dem Bankrott gerettete Land verzeichnete letztmals im Jahr 2007 ein Plus des Bruttoinlandsprodukts. Hoffnung macht auch die Jobsituation. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in dem Land sinkt demnach von 27,3 Prozent im vergangenen Jahr schrittweise auf 26,0 Prozent in diesem und 24,0 Prozent im Jahr 2015.

Nichtsdestotrotz warnen die Forscher davor, die positiven Nachrichten über zu bewerten. Denn die Probleme, die zur Euro-Krise geführt haben, seien nicht nur weiterhin nicht gelöst, sie hätten sich sogar auf weitere Länder ausgeweitet: Demnach verfällt nicht nur die Kreditfähigkeit der Hellenen weiter ungebremst. „Die seit 2009 zu beobachtende Erosion der italienischen Kreditfähigkeit hat sich im ersten Halbjahr 2013 sogar noch beschleunigt“, konstatieren die Experten.  Und auch die Entwicklung in Frankreich gebe nach wie vor Anlass zu Besorgnis.

Das legt auch die neue Prognose der EU-Kommission für Frankreich nahe: Das Haushaltsdefizit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone wird sich demnach in diesem und dem kommenden Jahr auf 4,0 Prozent beziehungsweise 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung verschlechtern. Damit liegt das Land weiter deutlich über dem EU-Grenzwert von 3,0 Prozent. Die Regierung in Paris hatte hingegen angekündigt, das Defizit im Jahr 2015 wieder auf den Wert von 2,8 Prozent zu senken.

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51 Kommentare zu "Krisenvirus breitet sich aus: Rückschlag für die Euro-Optimisten"

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  • ....und die "noch" reichen Länder werden weiterhin ihre Bevölkerung mit Steuern etc. aussaugen müssen, damit das Geld transferiert werden kann...

    Das ist doch das Ziel, deshalb müssen wir handeln... was uns halt möglich ist, ein Kreuzchen halt.
    as möglich ist

  • Wenn Schäuble sagt, "Griechenland ist auf einem guten Weg" - dann ist das auch so!

    Leute, das war doch nur ironisch gemeint....

  • Die 1. Vorsitzende der Berliner Blockparteien samt ihrem ESM-Gouverneur und ihrem Geheimdienst-Intimus Thomas sind in dieser ekeligen Euro- und EU-Politik verfangen! Die Drei haben uns das am 9./10. Mai 2010 durch Rechtsbruch der Art 123 und 125 AEUV des Euro-Stabilitätspaktes von 1992 Maastricht eingebrockt! Weg damit im Mai. Deutschlands Bürger müssen einen Neuanfang mit neuen Köpfen wählen. Die alte Murksel macht Deutschland und Europa kaputt.

  • Der ESM-Schäuble ist das Schlimmste, was D seit Kriegsende widerfährt, samt der DDR-Merkel, die zusammen mittels der GroKo gegen das Votum von 62 Mio Wahlberechtigten vom 22.09.2013 endlich nach 85 Tagen am 17.12.2013 von nur 462 unautorisierten Abgeordneten an der Macht gehalten wurden.

    Wer ist eigentlich Oberster ESM-Gouverneur geworden ? Der ESM-Schäuble oder der Euro-Juncker, der Junker vom Grand Ducq de Luxembourg, Multimilliardär als größter Profiteur der EU/Eurozone ?

    Wer ist eigentlich Schäubles Chef in seiner Funktion als ESM-Gouverneur über Deutschland. Wieviel Millionen Judaslohn erhält er für diesen Job ? Zahlt er überhaupt deutsche Steuern dafür ?

  • Es geht doch weder um Inflation noch Depression - sondern um Umverteilung von Volksvermögen von D in die Periphere!!!

    Ich glaube an die Neutralitätstheorie des Geldes, aber nicht an die Neutralität der EU-Komission bei der Umverteilung. Deutschland (Schäuble) zahlt eben gern (aus fremder Tasche).

  • Joachim Nolte:
    Der Amerikaner Mr. N.N. meint im Börsenbrief "Kapitalschutz Akte"vom 26.02.2014 zur Euro-Rettung:
    Sicherlich fragen Sie sich des öfteren auch, warum der Wahnsinn der sog. Euro-Rettung bis jetzt ohne größere Proteste im größten Geber-Land, sprich in Deutschland, über die Bühne ging. Und wie immer liegt es sicher auch an der Mentalität des „Deutschen Michel“, der obrigkeitshörig, duldsam und leidensfähig sein Kreuz annimmt. Insofern haben die Euro-Retter wahrlich ein sehr, sehr leichtes Spiel.
    Vielleicht liegt es auch an der oftmals an der Unwissenheit, ja Naivität der Deutschen. Und in dem Kontext ist mir in diesen Tagen ein besonders gutes Zitat von Napoleon „zugeflogen“, das gerade in Sachen Euro-Rettung äußerst aktuell ist.
    Also, viel Spaß mit Napoleon:
    „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche.
    Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein.
    Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten, ihre Pflicht zu tun.
    Törichter ist kein anderes Volk auf Erden.
    Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie.
    Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“

  • Wie lange soll der Wahnsinn noch weitergehen? Wählt endlich im Mai andere Parteien - es ist zwar "nur das Europaparlament", aber es wird dennoch die Koalitionsparteien aufschrecken und ihren Kurs ändern!

  • Nahezu alle namhaften Wissenschaftler hierzulande hatten ja auch vor dem Euro als Gemeinschaftswährung gewarnt, die Politik hatten diese Warnungen ignoriert, Kohl hat seinen Namen unter die völlig hirnrissigen EU-Verträge geschrieben und damit das Unheil im Gang gesetzut. Das Bundesverfassungsgericht hat die Klagen der 5 namhaften und weltweit anerkannten Professoren, allen voran Prof. Hankel und Prof. Schachtschneider, gegen den Vertrag von Maastrich und der Einführung des Euro, "im Namen des Volkes" (!!!) abgeschmettert!
    War das wirklich ein Urteil "im Namen des Volkes" oder eher ein Urteil "auf Geheiß der Politik" oder gar "im Namen der Mafia"? Mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Kläger war das Urteil sicherlich nicht zu vereinbaren, und das aus mehreren Aspekten!

  • Ja, ja, die Europa-Wahlen kommen, und da passt es halt gar nicht, dass von unseren Regierenden zugegeben werden muss, dass GR, das seit Jahren auf einem ach so guten Weg ist, leider, leider doch wieder Geld braucht. Die Lage hat sich trotz Rettungsgeldern und Schuldenschnitt eher verschlechtert.

    Vor den Wahlen ziert man sich, und danach wird Frau Merkel wieder verkünden, dass kein Land aus der Euro-Zone gedrängt wird. Herr Schäuble wird wie immer beschwichtigende Worte finden und zahlen.

    Frau Wagenknecht hat ja recht, dass es so nicht weitergehen kann. Dass es nicht angehen kann, dass griechische (Multi)Millionäre keine Steuern zahlen, darüber sind wir uns sicher alle einig, von links bis rechts.

    Haben die Griechen selbst bis jetzt Anstalten gemacht, dies zu ändern? Leider ist es so, dass zum Teil auch der gehobene Mittelstand in Griechenland keine Steuern zahlt, und dass sich die Politiker und vor allem die vielen Staatsbediensteten sich Wohltaten gönnen, die sie sich nur leisten können wenn andere dafür zahlen. Nicht nur die Banken und die Reichen haben die Krise verursacht und aufrechterhalten ….

    Wie viele Schuldenschnitte und weitere Rettungsgelder sollen noch fließen? Und ist es gerecht, dass jetzt andere Länder und deren Bürger, hauptsächlich natürlich die reichen Bürger für GR zahlen sollen?

    Meiner Meinung nach werden wir leider so lange für GR und andere Euro-Länder zahlen müssen, solange die Gemeinschaftswährung besteht.

    Das sehen manche aus der Wirtschaft klarer, weil da logisches Denken und Sachverstand vor Politik geht, und rechts-links-Ideologien nicht im Vordergrund stehen.

    Das Interview mit Dr. Reitzle ist zwar schon über ein Jahr alt, aber noch immer aktuell.

    http://www.youtube.com/watch?v=3jw54ZR-Vl8

  • EU Mentizid und die Bekennung zur Euro Mihna

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