Länderanalyse 2010 Das Geheimnis des deutschen XXL-Aufschwungs

Das Gravitationszentrum der Weltwirtschaft verschiebt sich, viele Schwellenländer ziehen wirtschaftlich an den klassischen Industriestaaten vorbei. Aber gerade Deutschland hält in dem Wettlauf besser mit als Japan oder die USA. Denn die deutsche Exportindustrie hat sich perfekt auf den Aufschwung vorbereitet.
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Neuwagen von VW auf dem Weg in die Exportmärkte: Die deutsche Autoindustrie hat sich in der Krise behauptet. Quelle: Reuters

Neuwagen von VW auf dem Weg in die Exportmärkte: Die deutsche Autoindustrie hat sich in der Krise behauptet.

(Foto: Reuters)

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die deutsche Autoindustrie schwebt auf Wolke Sieben. "Wir werden Jahr für Jahr neue Produktions- und Absatzrekorde in der Automobilindustrie haben", prognostiziert Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. "Alle strahlen, weil sie wissen, dass der Boom in den Schwellenländern so schnell nicht nachlassen wird", beschreibt der Berater die Stimmung in der Branche.

Vor allem China stimmt die Automanager euphorisch. Im Reich der Mitte liegt die Fahrzeugdichte trotz immer neuer Verkaufsrekorde erst bei 59 Autos pro 1 000 Einwohner. Es ist darum für Daimler-Boss Dieter Zetsche der Wachstumsmarkt der Zukunft schlechthin. "Wir prognostizieren, dass wir im Jahr 2015 über 300 000 Autos in China verkaufen werden", sagt er. Das wären fast dreimal so viel wie im zuendegehenden Jahr. "Die Zahl liegt eher noch an der unteren als der oberen Kante der möglichen Entwicklung", schwärmt Zetsche.

Auch BMW-Chef Norbert Reithofer macht Wachstumschancen vor allem in China und in anderen Schwellenländern wie Argentinien oder Südkorea aus. BMW strebe beim Absatz ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Europa, Asien und Amerika an, sagt er. "Die Gewichte verschieben sich - und das ist kein vorübergehender Effekt", fügt der Chef des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, hinzu.

Solche Einschätzungen hört man in diesen Wochen auch aus anderen deutschen Exportbranchen, sei es der Maschinen- und Anlagenbau, die Chemie oder die Elektrotechnik. Die deutsche Industrie hat in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit auf die neuen Märkte in den Schwellenländern gesetzt - und ist damit ausgezeichnet gefahren. Exporte nach China, Indien oder Brasilien haben den Wegfall von Umsätzen in Nordamerika und den europäischen Nachbarländern ausgeglichen. Das ist ein Grund dafür, dass die deutsche Wirtschaft derzeit die stärkste unter den klassischen Industrieländern ist.

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27 Kommentare zu "Länderanalyse 2010: Das Geheimnis des deutschen XXL-Aufschwungs"

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  • Ziemlich zynisch diese Analyse. Die Vorbereitung besteht darin dem Lohnniveau in bRDien seit Jahren die gerechte Erhöhung und Anpassung an die Zuwachsraten der anderen EU-Länder vorzuenthalten. Dabei stützt sich bRDien als "sog. Musterschüler" auf die abstürzenden anderen EU-Länder, die als künstliche Negativbilanz des Euro aufgebaut wurden.

    Hochmut kommt vor dem Fall. Und mit der Verlegung von Konzernzentralen aus bRDien in die weite Welt hinaus ist in Kürze zu rechnen. Spätestens dann, wenn China die Abführung von Gewinnen der dort neu angesiedelten Werke ins Ausland kappt...

  • Lobbypresse ist der richtige Ausdruck für zynische Artikel in dieser Art. Zum Glück sehe ich aus dem fernen Ausland, wie dieser unverfroren genannte XXL Aufschwung an der gesamten bevölkerung vorbeigeht und dieser den letzten Euro Kaufkraft raubt. Aber die Rache folgt auf dem Fusse, während die Steuerlast den bürger umbringt und die " perfekt auf den Aufschwung vorbereitete " Wirtschaft noch feiert, stirbt Deutschland den einseitigen Export Wirtschaftstod. Wenn der Export stirbt, ist Deutschland tod. China arbeitet daran.
    Die einfältige deutsche Wirtschaft ist nicht besser, als die Feudal-Wirtschaft des lupenreinen Demokraten Putin. Er setzt auf Öl Gas ÖL Gas Öl und Gas. Kein Wunder, er war lange in Deutschland, dort hat er die wirtschaftliche Vielfältigkeit verlernt.

  • @[21] Devjo,
    "Gebäudereiniger, haben mit Sicherheit in der Jugend versäumt was für die zukünftige Karriere zu tun"
    und wenn sie es nicht versäumt hätten, wer würde jeztzt diese Aufgaben übenehmen?
    Oder meinen Sie dass es diese Aufgaben dann nicht mehr gäbe?
    ich vermute da ein Denkfehler.

  • "die deutsche Exportindustrie hat sich perfekt auf den Aufschwung vorbereitet"
    Das war aber nur möglich weil Deutschland eine reservierte Exportzone (EU) hatte.
    Nur durch die Größe des Absatzmarktes ist es für Deutschland möglich gewesen so gut mit zu halten.
    Dafür aber haben sich andere Euroländer überschuldet, nicht um Deutschland zu unterstützen aber weil man es ihnen leicht, zu leicht gemacht hat. Der Erfolg einer Wirtschaft hängt zum Teil von der Größe des binnenmarktes. Die deutsche Wirtschaft hat sich auf Kosten der anderen EU-Länder entwickelt. Nur als Erinnerung und zu bedenken!

  • "Denn die deutsche Exportindustrie hat sich perfekt auf den Aufschwung vorbereitet...", freilich - das ist nicht übertrieben: Seit über 10 Jahre negative Reallohneinkommen, im 3. Quartal 2010 gab es sogar nomimal rückläufige bruttoeinkommen. Dazu kommt die gnadenlose Ausholzung des Sozialstaates und Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

    90% haben partout nichts vom sogenannten "XXL-Aufschwung", nur eine 10%-Elite profetiert nach Schätzungen des Makroökonoms Flassbeck. Und das gleich in so gewaltigem Maße, dass die Finanzcasinos heiß liefen - und Zockerverluste nun beim geschröpften bundesbürger zur Sozialisierung anstehen. Nicht nur das, ihm obliegt auch die Aufgabe, ganze Finanzcasinos zu sanieren - selbst auf europäische Ebene.

    Man kommt sich innerhalb Europas bereits als bürger 3. Klasse vor.

    Möglich wurde dies durch ein perfektes Zusammenspiel zwischen Lobbyistengruppierungen, Lobbykanzler und Lobby-Presse.

    Jetzt wirbt die Regierung bereits heute für Milliarden-Solidarität mit just diesen Eurozonenländern, dabei sind just Maßnahmen wie die oben genannten Ursache für Leistungsbilanzüberschusse und somit Eurokrise. Statt unsere bürger subventionieren wir somit künftig mit Multimilliarden den sozialen Wohlstand fremder Staaten der Eurozone - wobei uns sämtliche binnenmarkt-Effekte durch die Transferleistungen verloren gehen.

    Für den Geldadel macht das fortgesetze Lohndumping daheim und die Schulden-Sanierung der Abnahmemärkte unserer Lohndumpingprodukte durchaus Sinn. Denn wofür die heimische bevölkerung an Gewinnen beteiligen, wenn es für das Export-Unternehmer- und Spekulantentum viel praktischer ist, Kaufkraft, Sozial- und Rentenstaat im Eurozonen-Ausland zu fördern, während man daheim ein zweites indien pflegt?

  • "Denn die deutsche Exportindustrie hat sich perfekt auf den Aufschwung vorbereitet...", freilich - das ist nicht übertrieben: Seit über 10 Jahre negative Reallohneinkommen, im 3. Quartal 2010 gab es sogar nomimal rückläufige bruttoeinkommen. Dazu kommt die gnadenlose Ausholzung des Sozialstaates und Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

    90% haben partout nichts vom sogenannten "XXL-Aufschwung", nur eine 10%-Elite profetiert nach Schätzungen des Makroökonoms Flassbeck. Und das gleich in so gewaltigem Maße, dass die Finanzcasinos heiß liefen - und Zockerverluste nun beim geschröpften bundesbürger zur Sozialisierung anstehen. Nicht nur das, ihm obliegt auch die Aufgabe, ganze Finanzcasinos zu sanieren - selbst auf europäische Ebene.

    Man kommt sich innerhalb Europas bereits als bürger 3. Klasse vor.

    Möglich wurde dies durch ein perfektes Zusammenspiel zwischen Lobbyistengruppierungen, Lobbykanzler und Lobby-Presse.

    Jetzt wirbt die Regierung bereits heute für Milliarden-Solidarität mit just diesen Eurozonenländern, dabei sind just Maßnahmen wie die oben genannten Ursache für Leistungsbilanzüberschusse und somit Eurokrise. Statt unsere bürger subventionieren wir somit künftig mit Multimilliarden den sozialen Wohlstand fremder Staaten der Eurozone - wobei uns sämtliche binnenmarkt-Effekte durch die Transferleistungen verloren gehen.

    Für den Geldadel macht das fortgesetze Lohndumping daheim und die Schulden-Sanierung der Abnahmemärkte unserer Lohndumpingprodukte durchaus Sinn. Denn wofür die heimische bevölkerung an Gewinnen beteiligen, wenn es für das Export-Unternehmer- und Spekulantentum viel praktischer ist, Kaufkraft, Sozial- und Rentenstaat im Eurozonen-Ausland zu fördern, während man daheim ein zweites indien pflegt?

  • @Siggi: Entschuldigung, aber Wach-und Sicherheitsdienste und Gebäudereiniger, haben mit Sicherheit in der Jugend versäumt was für die zukünftige Karriere zu tun, sprich zu lernen, aber auch im mittleren Alter kann man sich noch weiter bilden und durch gute Leistungen auf sich aufmerksam machen. Wenn natürlich der Feierabend aus TV besteht, wird es nichts mit nach oben arbeiten. ich habe so einen Weg hinter mir und durch sehr harte Arbeit und vielen Entbehrungen habe ich es in eine Position geschafft, mit der ich sehr gut leben kann. Ein wenig initiative und Engagement und man kann vieles erreichen. Man muss allerdings auch verzichten könnten....

  • @ Jonny Winter, Unterwasserexplosion, super klar und deutlich beschrieben, folglich, die ganze Sache summiert sich die richtige bombe aller Terrorisische banken ist die Derivatebombe, diese explosion hat die Welt noch nicht gesehen,je grösser die bank um so dreckiger die bilanz. Keiner kann diese entschärfen,das mus propagandistisch mit Ablenkung,rausgezögert werden. Davor haben die Verursacher echt Angst,diese bombe ist in der Lage samtliche Guthaben dieser Welt zu einen Nichts zu degradieren,da sind die 1.8 billionen Staatsschulden der bRD absolut kalter Kaffee. Das wissen die genau,Steinbrück/Asmussen ein traumpaar im Verdrängen von Verantwortung.Solange wie der Deutsch auf solche Sprücheklopfer herreinfällt,muss ich sagen ist wieder alles möglich auch ein Rückfall in eine Zeit wo Zivilisation ein fremdwort wird.Holt euch bitte einmal diese Zahl höhe der gesamten Giftpapiere in billionen Dollar und die hoffnung mit einen blauen Auge Davon zu kommen ist im nu weg kein Spass.

  • Könnte es rein theoretisch sein dass ein "Exportweltmeister" ständig mehr exportiert als importiert und daher zwar Geld ansammelt, aber verhältnismässig weniger Güter hat als er erarbeitet? Man fragt sich, wofür all die Arbeit? Geld an sich ist ja nichts wert, solange man nicht bereit ist es auch auszgeben.

  • @[11] Devjo: „Dazu muss ich sagen, wer wirklich will und bereit ist hart zu arbeiten, der bekommt auch einen Job, zu guten Konditionen und das weiß ich aus eigener Erfahrung“.

    http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Fast-jeder-Zweite-wird-nur-befristet-beschaeftigt;art4306,778753
    Fast jeder Zweite wird nur befristet beschäftigt
    Die Zunahme befristeter Arbeitsverträge kritisiert der Gewerkschaftsbund. Fast jede zweite Neueinstellung sei davon betroffen, sagte der DGb-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Noch 2007 habe ihr Anteil bei 41 Prozent gelegen. Auch Akademiker seien davon stark betroffen. Unternehmen nutzten diese Form der Anstellung, um beschäftigte beim Auslaufen der Arbeitsverträge wieder loszuwerden. Vor allem bei Wach- und Sicherheitsdiensten sowie bei der Gebäudereinigung gebe es befristete Jobs. Auch im Handel und im Gastgewerbe seien sie besonders verbreitet. Die befristungen führten bei jungen Menschen dazu, dass sie auf eine Familiengründung verzichten müssten. Außerdem trage es nicht dazu bei, den Fachkräftemangel zu beseitigen. dpa

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