Länderanalyse Das Ende des russischen Ölrauschs

Das Wohl und Wehe von Russlands Wirtschaft hängt an den Rohstoffpreisen. Das Ende des Booms im Sommer 2008 stürzte das Land in eine tiefe Krise. Die goldenen Zeiten mit kräftigem Wachstum dürften passé sein, Russlands Führer müssen sich ein neues Geschäftmodell suchen.
  • Florian Willershausen
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Abschiedsstimmung: Russland braucht ein neues Erfolgsrezept nach dem Öl. Quelle: Reuters

Abschiedsstimmung: Russland braucht ein neues Erfolgsrezept nach dem Öl.

(Foto: Reuters)

MOSKAU. Im französischen Badeort Deauville hat sich Gazprom-Chef Alexej Miller mal zu einer gewagten Prognose hinreißen lassen: Binnen acht Jahren werde der Ölpreis auf 250 Dollar pro Barrel steigen, meinte Russlands mächtigster Industriekapitän. Der Börsenwert von Gazprom könne auf eine Billion Dollar klettern - und den Energieriesen zum weltgrößten Unternehmen machen.

Das war im Juni 2008. Damals war die Welt für Russland in Ordnung: Der Ölpreis steuert gerade auf sein Allzeithoch von 144 Dollar pro Barrel zu und manche Analysten hatten bereits die 200-Dollar-Marke ins Visier genommen. Wegen der Preisbindung folgte der Gaspreis fast im Gleichschritt. Bis zum Ende jenes Jahres sollten allein die direkten Einnahmen aus Steuern und Zöllen auf Rohstoffexporte rund 150 Milliarden Euro in die Kassen der russischen Regierung spülen - die Hälfte des Haushalts.

Dann brach die Finanzkrise aus und stürzte die Welt in eine tiefe Rezession - und der russische Traum löste sich in Luft auf. Wie ein Junkie hängt Russland am Rohstoffexport. Vom Jahr 2000 bis 2008 wuchs die Wirtschaft im Lichte steigender Ölpreise im Schnitt um sechs Prozent. Im Krisenjahr 2009 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7,9 Prozent. Seither hat sich der Ölpreis bei 90 Dollar pro Barrel eingependelt, und die goldenen Zeiten mit kräftigem Wachstum dürften passé sein.

Auf den ersten Blick sieht die Lage gar nicht so schlecht aus: Im laufenden Jahr wird die russische Wirtschaftsleistung um rund vier Prozent zulegen; die Krise scheint damit ausgestanden. Jedoch trägt Russland beim Wachstum im Vergleich der BRIC-Staaten die rote Laterne: China, Indien und Brasilien werden dieses Jahr deutlich schneller wachsen.

"Russland benötigt ein neues nachhaltiges Geschäftsmodell", schreibt der Ökonom Bert Rürup seinem Handelsblatt-Länderreport. "Ohne einen international wettbewerbsfähigen Industriebereich jenseits der Verwertung des Ressourcenreichtums" sei es wenig wahrscheinlich, dass Russland zu alter, jener weltpolitisch führenden Rolle zurückfinde, die es in den Jahren 1950 bis 1990 gespielt habe.

Tatsächlich hat Russland jenseits von Rohstoffen kaum etwas anzubieten, was auf dem Weltmarkt nachgefragt wird. Das hat mittlerweile auch die russische Führung erkannt; sie will das Reich aus dem "Fluch des Ressourcenreichtums" befreien, vor dem Rürup in seiner Analyse warnt. Ministerpräsident Wladimir Putin, mehr noch Präsident Dmitrij Medwedjew, unterstützen daher den Aufbau einer leistungsfähigen Nano-, Bio- und Pharmaindustrie mit staatlichen Fördermitteln. Aktuell bereitet der Unternehmer Viktor Wekselberg am Rande von Moskau die Errichtung des Innovationsparks Skolkowo vor, wo innovative Unternehmen ihre Forschungen in weltmarktfähige Entwicklungen umsetzen sollen - ohne störende Bürokratie und die Korruption, die im Rest des Landes die Wirtschaft fest im Griff haben.

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4 Kommentare zu "Länderanalyse: Das Ende des russischen Ölrauschs"

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  • "Europas Abstieg" – ein lesenswerter Artikel !!
    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57967

    Das Handelsblatt sollte sich bemühen, sich mit mehr sachlicher und zielorientierter Geo-Politik und Geo-Ökonomie zu beschäftigen.

    Ein enges bündnis zwischen Russland und China wäre ein Alptraum für West-Europa.
    Für die USA ist es jetzt schon eine äußerst miserable Gesamt-Situation.

    Eurasien ist die große Zukunft.
    Eine eurasische Landbrücke, mit allem was dazu gehört, würde viele Probleme lösen.

    Der Euro hätte dann vielleicht wieder eine Zukunft.
    Dazu braucht man aber viel Phantasie.


  • Die Zusammenarbeit sollte aber auf mehr als nur auf eine„Wirtschaftliche basis“ erfolgen. Eine Politische Zusammenarbeit ist wünschenswert.

    Warum nicht sogar einen Wirtschaftsblock bilden (bRD, Russland, Japan) dieser block hätte circa 343 Millionen Einwohner, wir wären zwar „Juniorpartner“ aber drei Regierungen können sich schneller einigen als der Klub der Verlierer (EU mit 27 Mitgliedern)

    Die Deutschen Staaten und das Russische Reich haben lange Zeit voneinander profitiert und eine Stabilisierung in Osteuropa erreicht.

    ich gehe aber davon aus das die Modernisierung „Russland“ genauso erfolgreich sein wird wie die „Australische“. Australien ist bis zum heutigen Tage eine Ökonomie die von Rohstoffen lebt und zuwenig in bildung investiert.

    Aber wer weis?

    Wir müssen aber darauf achten das wir nicht zu abhängig von Russland werden.

  • Neue "Projekte" mit Russland ändern nichts an der Tatsache, dass Russlands förderbare Reserven zur Neige gehen. Solange Deutschland keine Elektroautos baut, werden wir Öl importieren müssen. Der einseitge Verlass auf nur eine einzige Quelle ist ein schlechtes Geschäftsmodell.

  • Das Problem haben die Russen schon lange erkannt.
    Die Russen wollen erstens - einen anderen Weg als China gehen.
    Und zweitens – ist ein Teil der Menschen noch sehr technologieträge.
    Die Russen wollen und werden aber ihre eigenen Spitzen-Technologien wieder entwickeln.
    in den bereichen für Atom-, Weltraum-, Flugzeug-, Energie,- Medizin- und Nanotechnologien wird Russland enorm aufholen.
    Das innovationszentrum Skolkowo wird seinen beitrag dazu leisten.
    Diese Aufholjagd wird auch Konsequenzen für den Export des Westens haben.

    Hochnäsigkeit kommt vor dem Fall.

    Deutschland sollte sich Gedanken machen, mit Russland gemeinsame Weltraumprojekte zu entwickeln.
    Andere sinnvolle JV und Projekte hat ja Putin vorgeschlagen.

    Deutschland ist heute vom US-GPS abhängiger, als vom russischen Gas.
    Welche Konsequenzen das hat, verschweigt man lieber.
    Das EU-Galileo leidet zurzeit massiv an Unterernährung.
    Vielleicht helfen die Euro-bonds. :-)))

    Nach den letzten EU-Rettungsschirmen könnte man auch vom Ende des EU-Rausches sprechen.
    Mit einem Unterschied:
    Mit Russland geht’s nach oben und mit der EU nach unten.
    Man trifft sich.

    Neue bündnisse sind deshalb zeitgemäß und dienen der Souveränität.

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