Leitzins auf Null drücken OECD empfiehlt Draghi die nächste Zinssenkung

Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Tatsächlich liegt sie in der Euro-Zone nur bei 0,7 Prozent – trotz historisch niedriger Zinsen. Die Experten der OECD fordern EZB-Chef Draghi auf, einzugreifen.
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Am Donnerstag tagen die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi das nächste Mal. Quelle: Reuters

Am Donnerstag tagen die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi das nächste Mal.

(Foto: Reuters)

BerlinDie Industriestaaten-Organisation OECD legt der EZB wegen der sehr niedrigen Inflation eine Zinssenkung nahe. „Der Europäischen Zentralbank raten wir, neue Maßnahmen zu ergreifen“, sagte der stellvertretende Generalsekretär Rintaro Tamaki bei der Vorstellung des Wirtschaftsausblicks. Auch große Konjunkturrisiken, hohe Arbeitslosigkeit und enorme Staatschulden machten dies notwendig, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Der Leitzins – zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB mit Geld eindecken können – solle von derzeit 0,25 auf null Prozent gedrückt werden. Banken, die Geld bei der EZB parken, sollten zudem mit einem Strafzins belegt werden. Sowohl der sogenannte Einlagezins als auch der Leitzins sollten „bis mindestens Ende 2015 auf diesem Niveau belassen werden“. Das könnte dazu beitragen, „die Kreditzinsen der Banken zu verringern und somit das Wachstum anzukurbeln“.

Reiche das nicht aus, um die Inflationsrate näher an die gewünschte Zielmarke von zwei Prozent zu schieben, seien zusätzlich außergewöhnliche Maßnahmen notwendig. Vorstellbar seien Geldspritzen für Banken zu extrem günstigen Konditionen. „Ankäufe von Staats- oder Unternehmensanleihen oder Programme zur Förderung der Kreditvergabe der Banken an den privaten Nichtfinanzsektor wären ebenfalls denkbar.“

Derzeit liegt die Teuerungsrate in der Euro-Zone nur bei 0,7 Prozent, während die EZB einen Wert von knapp zwei Prozent anstrebt. Deren Chef Mario Draghi hat bereits grundsätzlich die Bereitschaft zu einem erneuten Eingreifen signalisiert. Mit einer Änderung der Geldpolitik rechnen die meisten Experten aber bei der nächsten EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag aber nicht.

Die OECD rechnet in diesem Jahr mit einer Teuerungsrate von 0,7 Prozent in der Euro-Zone. 2015 soll sie auf 1,1 Prozent steigen, aber immer noch weit unter der Zwei-Prozent-Marke verharren. Die Euro-Zone bleibt dabei das ökonomische Sorgenkind. Für die 34 OECD-Länder erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2015 ein Wachstum von 2,8 Prozent. In den Ländern der Euro-Zone sollen es 1,7 Prozent werden, in Deutschland 2,1 Prozent.

Erwartungen an Deutschland
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11 Kommentare zu "Leitzins auf Null drücken: OECD empfiehlt Draghi die nächste Zinssenkung"

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  • Das total verblödete Wahlvolk enteignet sich selbst.
    Gut so!
    Ich möchte nicht wissen, wieviele der Kommentatoren,
    bei der letzten Bundestagswahl den etablierten Parteien
    ihre Stimme gaben. Jammert nur weiter!

  • Jeder Bürger sollte sich vor der EU-Wahl im Klaren darüber sein, dass die Politik der Blockparteien über die EU und EZB die privaten Sparvermögen und Altersvorsorgevermögen massiv entwertet und somit beraubt haben. Das ist ein eiskalter, dummer und frecher Vorgang, der die Mitbürger massiv treffen wird. Allein das ist schon ein wichtiger Grund, keine der Blockparteien mehr zu wählen. Sie haben alle gemeinsam das Desaster zu verantworten. Bei der EU-Wahl gibt es gute Alternativen!

  • Es geht nicht allein um die Sparer. Es geht um die nicht weniger als um die Altersvorsorge schlechthin.

    Wenn es hier eine Solidarität gibt, dann ist ist sie einzufordern. Die Pensionäre sind ebenfalls zur Kasse zu bitten!

    Ausgerechnet die, die nie Altersvorsorge betrieben haben, sind die Gewinner des Systems.

  • Das ist weitere Enteignung von Kleinsparern.

    Aber so lange Oma Schmitz weiterhin die alternativlosen Blockpartien wählt, geschieht ihr das ganz recht. Im Gegenteil, ich empfinde sogar Schadenfreude über ihr schrumpfendes Sparbuch :)

    Dumm ist wer dummes wählt...

  • 1. hat die EZB nicht den Auftrag 2% Inflation zu erzeugen, sondern das Geld so stabil zu halten, dass maximal 2% Geldentwertung stattfinden

    2. hat die EZB nicht den Auftrag Kreditnehmer (z.B. Staaten), die sich so stark verschulden, dass von vornherein klar ist, dass sie den Kredit nicht oder nur mit entwertetem Geld zurückzahlen können, zu diesem Kreditbetrug zu animieren

    3. ist eine Aussage bezüglich Inflation für die gesamte Euro-Zone aufgrund ihrer kulturellen und substanziellen Heterogenität so sinnvoll, wie die Angabe einer Welttemperatur im Rahmen des Wetterberichtes. Dies hat die Eurokrise mehr als deutlich vor Augen geführt, die u.a. dadurch entstanden ist, dass es eine hemmungslose Kreditausweitung in Südeuropa mit zugehöriger Inflation gab, obwohl die mittlere (offizielle!) Inflationsrate immer im grünen Bereich war

  • Die Dame ist Französin und Ex-Goldmännin. Das sagt doch alles über sie.

  • @Eberfisch

    Völlig richtig. Wenn Draghi schlau ist, macht er gar nichts. Eine Zinspistole, die noch mit einer letzten Kugel geladen ist, macht nun mal wesentlich mehr Eindruck, als eine Zinspistole, die leergeschossen ist.

    Aber ich gebe zu: Ich bin kein Experte in diesen Dingen. Sonst könnte ich sicher erklären, wie sich ein globales Heer von Währungsspekulanten schon seit etlichen Monaten mit einer fast leergeschossenen Zinspistole in Schach halten lässt.

    Die Schlauberger behaupten, dass Hr. Draghi nach der Zinspistole noch weitere "unkonventionelle" Waffen aus dem Sack holen kann. Deshalb hält sich das Heer der Währungsspekulanten noch vorsichtig zurück.

    Und dieses Kalkül könnte für die EZB tatsächlich aufgehen. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass sich das Heer der internationalen Währungsspekulanten kollektiv totlacht, wenn der Draghi plötzlich mit der Steinschleuder in der Hand vor Ihnen steht... :-)

  • Frau Lagarde hat sich schon einmal bei Griechenland verrechnet. Jetzt empfiehlt sie eine weitere Zinssenkung statt eine Erhöhung des Zinses, um die Inflation zu steigern...Leidet die Dame schon an Demenz?

  • Da sieht man mal wieder, wie wenig "Ökonomen" von der Wirtschaft verstehen...

    In diesem Zusammenhang ist auch jener Artikel interessant:
    http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/05/06/studentenaufruf-wider-die-intellektuelle-monokultur-in-den-wirtschaftswissenschaften_7346

  • Ja du lieber Himmel!!!
    Was soll denn diese Zinssenkung um 0,25 % bewirken ???
    Machte bei 100.000 Euro pro Jahr gerade mal 250 Euro aus.

    Das wäre ungefähr so, wie wenn man einen Großbrand mit Fingerhüten voll Wasser löschen wollte.

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