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Arbeitsmarktstatistik Ende des „Corona-Effekts“: Der deutsche Arbeitsmarkt normalisiert sich langsam

Auch dank der Kurzarbeit steht die Bundesrepublik im internationalen Vergleich gut da. BA-Chef Scheele verteidigt das Instrument gegen Kritiker.
01.09.2020 Update: 01.09.2020 - 12:29 Uhr 1 Kommentar
Die Autoindustrie befindet sich in einem Strukturwandel. Laut BA-Chef Scheele ist es alle Mühe wert, die Unternehmen der Branche zu erhalten. Quelle: dpa
VW-Werk Wolfsburg

Die Autoindustrie befindet sich in einem Strukturwandel. Laut BA-Chef Scheele ist es alle Mühe wert, die Unternehmen der Branche zu erhalten.

(Foto: dpa)

Berlin Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) haben die vom Koalitionsausschuss beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergelds verteidigt. Wer jetzt das Instrument in Frage stelle, wolle eine „Hochrisikooperation am offenen Herzen“ durchführen, sagte Scheele bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten für August. „Ich möchte die nicht empfehlen.“

Vor allem dank der Kurzarbeit schlage sich der deutsche Arbeitsmarkt in der Coronakrise im internationalen Vergleich „nach wie vor sehr robust und wacker“, betonte Heil. So habe die Arbeitslosigkeit im August nur im saisonal üblichen Umfang zugenommen, sagte Scheele. Wie schon im Juli sei kein „Corona-Effekt“ mehr zu beobachten. Man könne von einer „gewissen Normalisierung“ sprechen.

Nach den BA-Daten waren im August 2,96 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – 45.000 mehr als im Juli und 636.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote ist gegenüber dem Vormonat leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent gestiegen.

Die Arbeitskräftenachfrage zieht ganz langsam wieder etwas an, allerdings registrierte die BA im August noch 210.000 Stellenangebote weniger als im Vorjahresmonat. Beim Insolvenzgeld berichtet die BA von deutlichen Mehrausgaben, auch wenn es bisher noch keine Pleitewelle gibt.

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    Die Kurzarbeit wird langsam zurückgefahren. So stellten die Unternehmen vom 1. bis zum 26. August nur noch Anträge für 170.000 Personen. Im April hatte die Zahl noch bei mehr als acht Millionen gelegen.

    Nach hochgerechneten Daten zählte die BA im Juni noch 5,36 Millionen Kurzarbeiter, nach 5,82 Millionen im Mai und 5,98 Millionen im April. Da die Unternehmen drei Monate Zeit für die Abrechnung haben, geht der BA-Chef davon aus, dass die tatsächliche Inanspruchnahme deutlich niedriger ausfällt und im Juli in Wahrheit eine vier vor dem Komma stand. Der durchschnittliche Arbeitsausfall liegt bei rund 40 Prozent.

    Die durch Kurzarbeit geretteten Arbeitsplätze bezifferte Scheele auf 2,1 Millionen. Deshalb verteidigte er auch die beschlossene Verlängerung der Bezugsdauer auf bis zu 24 Monate, auch wenn man bei der BA davon ausgegangen sei, dass irgendwann wieder die alten Konditionen gelten würden.

    Defizit der Arbeitsagentur geringer als erwartet

    Die Spitzen von Union und SPD hatten aber vor einer Woche beschlossen, nicht nur die Bezugsdauer zu erhöhen, sondern auch die Sonderregelungen zum erleichterten Zugang zur Kurzarbeit und die Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf bis zu 87 Prozent des Nettoeinkommens zu verlängern. Das entsprechende „Beschäftigungssicherungsgesetz“ soll das Bundeskabinett am 16. September verabschieden.

    Vorwürfe, die Politik schleppe nicht überlebensfähige Unternehmen durch und trage zu einer „Zombifizierung“ der Wirtschaft“ bei, wies Scheele zurück. Sicherlich gebe es an der einen oder anderen Stelle Mitnahmeeffekte. Man wisse aber beispielsweise nicht, wie sich die Situation im Gastgewerbe entwickele, wenn Außengastronomie wegen der Witterung nur noch eingeschränkt möglich sei.

    Auch sei es alle Mühen wert, im Strukturwandel steckende Unternehmen der Auto- oder Metallindustrie zu erhalten. Es gehe um oft tarifgebundene Unternehmen, die hohe Löhne zahlten. „Davon kann man eine Familie ernähren.“

    Man stütze den Binnenkonsum und den Sozialstaat, wenn diese Einkommen durch Kurzarbeitergeld stabilisiert würden. Außerdem sei niemandem gedient, wenn Industrieunternehmen in Niedriglohnländer abwanderten.

    Arbeitsminister Heil äußerte sich „vorsichtig zuversichtlich“, was die wirtschaftliche Erholung in Deutschland angeht. Sie hänge davon ab, inwieweit es gelinge, die Pandemie im Griff zu behalten und die Exportwirtschaft wieder anzukurbeln.

    Mit einem Impfstoff rechnet der Minister nicht vor der zweiten Hälfte kommenden Jahres. Auch der Ausgang der US-Wahl und die Gestaltung des Brexits könnten die wirtschaftliche Lage beeinflussen.

    Die Finanzlage der Bundesagentur für Arbeit entwickelt sich etwas besser als zunächst erwartet, auch weil der Arbeitsausfall bei der Kurzarbeit niedriger ist als gedacht. Für das laufende Jahr rechnet die Behörde mit einem Defizit von rund 27 Milliarden Euro, sodass die Rücklage von knapp 26 Milliarden Euro zum Jahresende aufgebraucht sein wird.

    Bis Ende kommenden Jahres entsteht so ein Finanzbedarf von rund zehn Milliarden Euro, den der Bund decken muss. Ins Jahr 2022 soll die BA dann wieder mit einem ausgeglichenen Haushalt starten.

    Mehr: Die Krise ist noch nicht ausgestanden. Daher verlängern Union und SPD unter anderem Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen für Unternehmen.

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    1 Kommentar zu "Arbeitsmarktstatistik: Ende des „Corona-Effekts“: Der deutsche Arbeitsmarkt normalisiert sich langsam"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Eine Arbeitslosenquote von 6,4 % ist doch nun wirklich kein Grund zur Panik, wenn wir uns mal in Europa und der Welt umschauen.
      Also - kein Grund hysterisch zu sein und in eine Depression zu verfallen.

      Nicht zuletzt dank der Klein- und Mittelständischen Arbeitgeber, die ihre Leute halten und Gemeinschaft zelebrieren. Wo die Mitarbeiter:innen nicht nur ein Kostenfaktor sind.

      Die Welt findet uns extrem gut und das sollten wir auch tun. Die Zahlen sinken auch wieder.
      Sicher um so schneller, je mehr die Politik endlich für wirklichen Bürokratieabbau und ein international konkurrenzfähiges Steuer- und Abgabensystem sorgt. Hier habe ich so meine Bedenken.

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