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Außenwirtschaft Wirtschaftswunder in Europa: Deutscher Osthandel trotz Krise gewachsen

Deutschlands Wirtschaft hat im ersten Quartal einen deutlichen Einbruch erlebt. Doch der Handel mit osteuropäischen Nachbarn geht weiter nach oben.
21.05.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Seit im März die Grenzen dicht gemacht wurden, litt der Warenaustausch – aber in Osteuropa machte die deutsche Wirtschaft weiter gute Geschäfte. Quelle: dpa
Geschlossene deutsch-polnische Grenze

Seit im März die Grenzen dicht gemacht wurden, litt der Warenaustausch – aber in Osteuropa machte die deutsche Wirtschaft weiter gute Geschäfte.

(Foto: dpa)

Berlin Ohne Europas Osten wäre die Lage in Deutschland wirtschaftlich noch schlechter als es wegen der Coronakrise schon jetzt ist. Denn während das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal mit einem Minus von 2,2 Prozent so stark wie nie seit der internationalen Finanzkrise 2008 in drei Monaten gefallen ist, legte der Osthandel im gleichen Zeitraum erneut um 1,7 Prozent zu.

Überraschend stark stieg der Handel mit dem Osten erneut um eine Milliarde Euro auf insgesamt 58 Milliarden Euro, ergab eine Auswertung der Handelsbilanzen durch den Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft.

„Zwar deuten sich in den Zahlen für das erste Quartal auch für unsere Region bereits Corona-Bremsspuren an, doch es lassen sich auch positive Effekte ablesen“, kommentierte Oliver Hermes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses, die überraschend guten Zahlen. Er erwarte für April und Mai zwar auch im deutschen Osthandel „desaströse Zahlen“, aber „die Chancen für eine Erholung verbessern sich von Tag zu Tag“, zeigt sich Hermes, der auch CEO des Dortmunder Pumpenherstellers Wilo ist, überzeugt.

Auch die Osteuropaförderbank EBRD sieht für den Osten Europas positive Signale: Mit einem Einbrechen der Wirtschaftsleistung um minus 4,3 Prozent im laufenden Jahr und einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent 2021 könnten die osteuropäischen EU-Staaten bis auf Bulgarien besser durch die Krise kommen als Westeuropa, heißt es in der vor einer Woche veröffentlichten Prognose.

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    Eine der Ursachen für einen möglichen schnellen Rebound des Wirtschaftswachstums dürften laut Experten die gewaltigen Stimuluspakete und Rettungsschirme in vielen osteuropäischen EU-Staaten sein. So haben Ungarn 13,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Tschechien 12,4 Prozent und Polen 11,3 Prozent des BIP für staatliche Investitionen gegen den Einbruch mobilisiert, wie Rafal Benecki von der ING Bank errechnet hat.

    Das ist gut für die deutsche Wirtschaft. Denn die vier so genannten Visegrad-Staaten Polen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn sind zusammen größere Außenhandelspartner deutscher Firmen als die USA oder China. Die Fabriken deutscher Unternehmen in diesen Ländern sind inzwischen wichtige Teile der Wertschöpfungsketten der Mutterfirmen. Allerdings leiden sie auch durch die Lage in Deutschland: So hat VW im polnischen Posen bereits erste Mitarbeiter entlassen, heißt es in lokalen Presseberichten.

    Wirtschaftsmotor Polen

    Dabei ist Polen inzwischen der wichtigste Antreiber der deutschen Exporte in den Osten: Allein der Wert der deutschen Ausfuhren nach Polen stieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres nochmals um gut eine Milliarde Euro an auf fast 17,1 Milliarden Euro. Polen ist damit der fünftgrößte Handelspartner Deutschlands – vor Italien und Großbritannien.

    Die Regierung in Warschau rechnet inzwischen sogar damit, deutlich besser als von der EBRD prognostiziert durch die Coronakrise zu kommen. Polens Vizepremierministerin Jadwiga Emilewicz widerspricht der Prognose der Osteuropaförderbank, die für den größten osteuropäischen EU-Staat einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3,5 Prozent vorhersagt. Ihr Land könne es schaffen, ohne Rezession durch die Coronakrise zu kommen, ist die für Wirtschaftsentwicklung zuständige stellvertretende Regierungschefin überzeugt.

    Sie habe „gute Gründe zur Annahme, dass wir an der Nulllinie landen werden“, meinte Emilewicz. Polen habe „große Puffer“ und durch die Ausreise von einer Million ukrainischen Gastarbeitern genügend Jobs für Polen, die jetzt arbeitslos würden. Polen war das einzige EU-Land, das ohne Rezession durch die Weltfinanzkrise 2008 kam.

    Hermes vom Ost-Ausschuss sieht die meisten Länder Mittelosteuropas wie Deutschland in einer Position der relativen Stärke: Die Haushalte seien weitgehend in Ordnung und die Infrastruktur sei vor der Coronakrise stark modernisiert worden. „Außerdem ist die Region krisenerprobt – das hat sie Westeuropa voraus“, ist Hermes sicher. Die osteuropäischen Staaten hätten bereits ganz andere Herausforderungen gemeistert. Und so prognostiziert der Verbands- und Unternehmenschef: „Es gibt deshalb realistische Aussichten, dass Mittelosteuropa im Verbund mit Deutschland die Krise hinter sich lassen kann.“

    Russland fällt deutlich ab

    Sorgenkind wird indes immer mehr Russland. Nicht nur, dass die Zahl der Corona-Infizierten weiter stark ansteigt und das Riesenreich mittlerweile hinter den USA weltweit auf Platz zwei rangiert. Auch wirtschaftlich ist die Lage äußerst schwierig. So erwartet das russische Finanzministerium in einer am Mittwoch vorgelegten Berechnung einen Rückgang des realen Wirtschaftswachstums im April um ein Fünftel. So stark war die russische Volkswirtschaft nicht einmal in der Finanzkrise eingebrochen, als das russische BIP 2008 um 7,5 Prozent wegbrach.

    Schon im ersten Quartal litt Russland unter den abgesackten Exporten: So sanken die russischen Ausfuhren nach Deutschland um 23,5 Prozent. Der Ost-Ausschuss führt zur Begründung den milden Winter an, der zu geringerem Gas- und Ölbedarf geführt hat, sowie den gleichzeitigen starken Einbruch der Rohölpreise. Der Ost-Ausschuss sieht sogar Osteuropa im Vorteil, wenn deutsche Unternehmen in der Folge der Coronakrise Werke aus Asien nach Europa zurückverlagern.

    Mehr: Osteuropa kommt besser durch die Krise.

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