Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Hafen

Allerdings beurteilen längst nicht alle Ökonomen die Aussichten für dieses Jahr pessimistisch. Der BDI etwa sprach keineswegs von Flaute, sondern nur von einem Abkühlen des Booms.

(Foto: AFP)

BIP-Zahlen Deutschland schrammt an einer Rezession vorbei

Das Bruttoinlandsprodukt hat im Jahr 2018 um 1,5 Prozent zugelegt – nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren. Vor allem die Exportwirtschaft hat geschwächelt.
Kommentieren

Nach zwei Boomjahren in Folge hat das deutsche Wirtschaftswachstum an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu, nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin anhand vorläufiger Daten mitteilte.

Die Frage, wie das vierte Quartal ausgefallen ist, wurde am Dienstag noch nicht mit konkreten Zahlen beantwortet. Nach einer ersten Schätzung gehe das Statistische Bundesamt jedoch von einem „leichten Plus“ im Vergleich zum Vorquartal aus, sagte Tanja Mucha vom Statistischen Bundesamt. Damit schrammt Deutschland an einer Rezession vorbei.

Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal noch um 0,2 Prozent gefallen. Wäre die deutsche Wirtschaft auch im vierten Quartal geschrumpft, wäre das technische Kriterium für eine Rezession erfüllt gewesen. Die Commerzbank geht nun davon aus, dass die Wirtschaft im Schlussquartal 2018 um 0,3 Prozent gewachsen ist.

Das neunte Wachstumsjahr in Folge

Insgesamt war 2018 war das neunte Wachstumsjahr in Folge seit 2010. Damals erholte sich Europas größte Volkswirtschaft von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise.

Grafik

Gestützt wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr dem Bundesamt zufolge abermals von der Kauflust der Verbraucher. Hinzu kamen gestiegene Investitionen vieler Unternehmen in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sowie der Bauboom. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge zu.

Von der seit Jahren positiven Konjunktur und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert weiterhin auch der Fiskus. Der deutsche Staat konnte nach Berechnungen der Statistiker 2018 zum fünften Mal in Folge mehr Geld einnehmen, als er ausgab.

1,7 Prozent Haushaltsüberschuss

Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 1,7 Prozent des BIP aus, nach 1,0 Prozent im Vorjahr. Ein minimales Defizit hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

Allerdings hatte sich über den Jahreswechsel die Stimmung vieler Konjunkturbeobachter eingetrübt. Ursache war die schwächelnde Exportwirtschaft.

Vergangene Woche hatte das Statistische Bundesamt die November-Zahlen zum Auslandsgeschäft veröffentlicht: 0,4 Prozent weniger als im Vormonat exportierte die Industrie in dem Monat. Die Importe verringerten sich gar um 1,6 Prozent. „Die guten Zeiten sind vorbei“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. Bundesfinanzminister Olaf Scholz schloss sich an: „Die fetten Jahre sind vorbei.“

Zusätzlich belasteten am Montag neue Handelszahlen aus China die Stimmung: Im Dezember sanken die Exporte um 4,4 Prozent zum Vorjahr, auch die Importe schrumpften um 7,6 Prozent, wie das chinesische Zollamt mitteilte.

Starke Exportentwicklung im Gesamtjahr 2018

Dabei ist die Bilanz 2018 eigentlich positiv: Über das gesamte Jahr wuchsen die Ausfuhren insgesamt um 9,9 Prozent, während die Importe sogar um 15,8 Prozent zulegen konnten.

Die Dezember-Zahlen deuteten aber darauf hin, dass die chinesische Wirtschaft schneller als erwartet abkühlen könnte. Deutsche Firmen dürften dann schlechtere Chancen haben, ihre Güter dort abzusetzen.

Erst vergangene Woche berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Quellen, dass die chinesische Regierung das Wachstumsziel für 2019 auf sechs bis 6,5 Prozent korrigieren dürfte. Das wäre der geringste Zuwachs seit 28 Jahren.

Nicht alle Ökonomen beurteilen die Aussichten für das deutsche Wachstum in diesem Jahr pessimistisch. Der BDI etwa sprach keineswegs von Flaute, sondern nur von einem Abkühlen des Booms. Er senkte seine Wachstumsprognose für 2018 von zwei auf 1,5 Prozent.

Damit liegt der Verband im Rahmen der Schätzungen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die im Mittel 2018 und 2019 zuletzt ein Wachstum von jeweils anderthalb Prozent erwarteten.

Zeitweise Konjunkturschwäche durch Sondereffekt

Das Kieler IfW-Institut geht zudem davon aus, dass das Schwächeln der Wirtschaft zu einem großen Teil auf Sondereffekte zurückzuführen ist: Im Sommer kamen die Autohersteller nicht mit der Zulassung ihrer Pkws nach dem neuen Abgasstandard WLTP hinterher.

Anschließend wirkte demnach auch die Trockenheit dämpfend, weil im August und September kaum Binnenschiffe den Rhein befahren konnten. Dies habe die Produktion wegen verspäteter Lieferungen in der Industrie, vor allem der Chemiebranche, verzögert.

Am stärksten habe dies die Wirtschaft im November gebremst, so das IfW. Das Ende dieser beiden Effekte könnte Anfang 2019 zu einem Nachholeffekt und wieder stärkerem Wachstum führen.

Als Wachstumsrisiko gilt neben der chinesischen Wirtschaftsentwicklung eine Abkühlung der Konjunktur in den USA und im Euro-Raum. Die Binnenwirtschaft dagegen läuft weiterhin rund: Die Bauwirtschaft boomt und sucht händeringend Leute. Aus dem Einzelhandel, der Gastronomie, selbst dem Tourismus kamen zuletzt positive Zahlen.

Nachdem die Nettolöhne 2018 um 3,2 Prozent zugelegt haben, sollen auch in diesem Jahr die Gehälter weiter steigen und neue Arbeitsplätze entstehen. Auch die Investitionen sollen weiter zulegen, wenn auch langsamer als bisher. „2019 wird ein verhalten gutes Jahr“, sagte der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, jüngst im Handelsblatt-Interview.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: BIP-Zahlen - Deutschland schrammt an einer Rezession vorbei

0 Kommentare zu "BIP-Zahlen: Deutschland schrammt an einer Rezession vorbei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%