Bruttolöhne Starkes Gehaltsgefälle zwischen West und Ost – und Mann und Frau

Die Bundesagentur für Arbeit hat die Durchschnittslöhne der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland erfasst. Die Statistik offenbart, wo die Schere auseinander geht.
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„Sag doch mal...“ – das verdienen deutsche Arbeitnehmer wirklich

DüsseldorfFast 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung gibt es noch viel, was Ost- und Westdeutschland trennt. Neben der vielzitierten „Mauer in den Köpfen“ sind das vor allem demografische und ökonomische Faktoren. Einer dieser Faktoren ist das Gehalt.

Die Bundesagentur für Arbeit hat aktuelle Zahlen zu den Arbeitsentgelten in Deutschland veröffentlicht. Die Statistik ist detailreich und zeigt viele Aspekte, einen Kernaspekt hat sich die Bundestagsfraktion der Linkspartei genauer angeschaut – das Gehaltsgefälle zwischen West und Ost.

Und tatsächlich bestätigt die Statistik den Verdacht, dass das Lohnniveau in den immer noch sogenannten neuen und alten Bundesländern weit auseinanderklafft.

Hamburg vor Baden-Württemberg

Der Durchschnittsverdienst von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten liegt mit 3.339 Euro pro Monat im Westen weit höher als im Osten mit lediglich 2.600 Euro. Stichtag für die Erhebung ist der 31. Dezember 2017, in die Berechnung einbezogen wurden auch Weihnachts- und Urlaubsgelder.

Die Statistik der Bundesagentur weist aber auch regionale Daten aus. So gehen auch die durchschnittlichen Bruttogehälter der einzelnen Bundesländer und ausgesuchter Städte daraus hervor. Am meisten verdienen – auf das Land gerechnet – die Hamburger.

Dort sind es monatlich 3.619 Euro. Es folgen Baden-Württemberg (3.546 Euro), Hessen (3.494 Euro) und Bremen. Berlin kommt als bestes ostdeutsches Bundesland auf einen Schnitt von 3.126 Euro. Insgesamt belegt die Hauptstadt damit Platz neun.

Die weiteren neuen Bundesländer belegen die letzten vier Plätze. Am wenigsten verdienen demnach die Vollzeitbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern, mit nur 2.391 Euro im Monat. Schlusslicht im Westen ist Schleswig-Holstein mit 2.958 Euro. Bei den Städten weist das bayerische Ingolstadt mit 4.635 Euro das höchste Durchschnittsentgelt auf, das sächsische Görlitz an der polnischen Grenze mit 2.183 Euro das niedrigste.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann nannte es „beschämend“, dass Ostdeutschland flächendeckend von niedrigen Löhnen gekennzeichnet sei. Aber auch im Westen gebe es abgehängte Regionen. „Wenn die Bundesregierung es ernst meint mit ihrem erklärten Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in allen Regionen zu unterstützen, darf es nicht bei Lippenbekenntnissen und Ankündigungen bleiben,“ sagte die Bundestagsabgeordnete der Nachrichtenagentur dpa.

Keine Aussagen kann die Statistik jedoch zu Nettolöhnen, Einkommen aus Finanzgeschäften und Anlagen sowie der Kaufkraft treffen. Dort spielen Mieten, Vorsorgeaufwände und Verbraucherpreise eine Rolle. Das heißt: auch in einer Region mit geringem Einkommen kann die Lebensqualität hoch sein, wenn die Lebenshaltungskosten entsprechend niedrig sind.

Frauen verdienen deutlich weniger

Die Bundesagentur hält sich an die bloßen Zahlen, eine Interpretation kann sie nicht liefern. So sind potenzielle Faktoren in Ingolstadt finanzkräftige Großarbeitgeber wie Audi, in Görlitz könnten die viel niedrigen Löhne in Polen Einfluss ausüben. Nicht erfasst werden auch die Einkommen aus selbstständiger oder Saisonarbeit, etwa in der Landwirtschaft.

Die Datenfülle geht weit über die Regionalität hinaus. So zeigt die Erhebung unter anderem auch, wie viele Vollzeitbeschäftigte im sogenannten unteren Entgeltbereich (weniger als 2.139 Euro brutto) tätig sind – und wer dort arbeitet. 18,2 Prozent aller Vollzeitkräfte fallen in diesen Niedriglohnbereich. Allerdings liegt der Anteil der westdeutschen Arbeitnehmer mit 18,8 Prozent über dem Median. Und deutlich über dem Wert Ostdeutschlands, der 15,7 Prozent beträgt.

Auffälliger ist die Differenzierung nach anderen demografischen Merkmalen. Deutschlandweit beträgt der Frauenanteil im unteren Entgeltbereich 25,9 Prozent (Männer: 14,5 Prozent). In den Einkommensbereichen bis 1.000 und 2.000 Euro sind mehr oder fast gleich viele Frauen beschäftigt. Im Spitzenbereich hingegen, einem Bruttolohn von mehr als 5.000 Euro, kommen auf 2,89 Millionen männliche Beschäftigte nur 638.534 Frauen.

Der Großteil der Vollzeitbeschäftigten mit einem geringen Entgelt ist jünger als 25 Jahre (41,6 Prozent). Das deutlichste Gefälle zeigt sich bei der Unterscheidung zwischen deutschen und ausländischen Beschäftigten: 39 Prozent der Ausländer im Arbeitsmarkt verdienen weniger als 2.139 Euro.

Die Statistik legt darüberhinausgehend nah, dass berufliche Ausbildung sich nach wie vor rentiert: mit 40,6 Prozent stellt die Gruppe der Beschäftigten ohne anerkannten Berufsabschluss die größte Gruppe der Geringverdiener. Nur 16,9 Prozent der Erwerbstätigen mit Ausbildung fällt in diesen Bereich – und nur 4,7 Prozent der Akademiker.

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Bundesland

Median des Brutto-Gehalts
Hamburg3.619 Euro
Baden-Württemberg3.546 Euro
Hessen3.494 Euro
Bremen3.397 Euro
Bayern3.345 Euro
Saarland3.323 Euro
Nordrhein-Westfalen3.306 Euro
Rheinland-Pfalz3.180 Euro
Berlin3.126 Euro
Niedersachsen3.087 Euro
Schleswig-Holstein2.958 Euro
Sachsen-Anhalt2.494 Euro
Brandenburg2.493 Euro
Sachsen2.479 Euro
Thüringen2.459 Euro
Mecklenburg-Vorpommern2.391 Euro
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