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Corona Entwicklungsländer stehen vor „verlorenem Jahrzehnt“: Weltbank befürchtet Schuldenkrise

Die Weltwirtschaft wird 2021 zwar wieder wachsen, erwartet die Weltbank in ihrer neuen Prognose. Doch die ärmsten Länder fallen noch weiter zurück.
05.01.2021 - 17:53 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise trifft Entwicklungsländer finanziell besonders stark. Quelle: Reuters
Geschlossener Markt in Lagos

Die Coronakrise trifft Entwicklungsländer finanziell besonders stark.

(Foto: Reuters)

Berlin Die ärmsten Länder der Welt werden am längsten unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Das befürchtet die Weltbank in ihrer neuen Weltwirtschaftsprognose. Anders als den reichen Industriestaaten fehlt ihnen Geld im Gesundheitswesen und für staatliche Investitionen.

Obwohl auch die Regierungen armer Staaten Konjunkturprogramme aufgelegt hätten, stünden viele Entwicklungsländer jetzt vor einem „verlorenen Jahrzehnt“, sagte Weltbank-Präsident David Malpass an diesem Dienstag. Denn Investitionen aus den Industriestaaten blieben aus. Viele Kinder gehen nicht mehr zur Schule, weil ihre Eltern weniger Geld verdienen und das Schulgeld nicht mehr aufbringen können.

Dabei sieht die Weltbank-Prognose für die Weltwirtschaft insgesamt nicht einmal schlecht aus: Die Weltrezession war mit einem Minus von 4,3 Prozent nicht ganz so tief wie befürchtet. Im Jahr 2021 soll die Weltwirtschaft wieder um vier Prozent wachsen, die Wirtschaft der Schwellen- und Entwicklungsländer sogar um fünf Prozent.

Allerdings gilt das für diese Ländergruppe nur, solange China mitgezählt wird. Ohne China kommen die übrigen Schwellen- und Entwicklungsländer 2021 wohl nur auf ein Plus von 3,4 Prozent.

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    Angesichts des in den meisten dieser Länder starken Bevölkerungswachstums reicht das nicht, die Folgen der Rezession in den nächsten Jahren wettzumachen. Ihre Wachstumsraten bleiben bis zum Ende dieses Jahrzehnts um fast einen Prozentpunkt unter der Vor-Corona-Prognose.

    Kommt die Entwicklungsländer-Schuldenkrise?

    Weltbank-Chefökonomin Carmen Reinhart fürchtet zudem, dass die Coronakrise in eine Entwicklungsländer-Schuldenkrise münden könnte. Denn die Corona-Schulden würden in vielen dieser Länder eine „Schuldenwelle“, die sich seit 2010 aufgebaut hat, noch vergrößern. Dabei sind die Staatsschulden nicht einmal das größte Problem: Vor allem die Privatwirtschaft steckt tief in den roten Zahlen.

    Ein Großteil dieser Schwellen- und Entwicklungsländerschulden allerdings betrifft Firmen in China. Und ein Großteil der Schulden der ärmsten Entwicklungsländer wiederum wird von chinesischen Banken gehalten. Diese Ausgangslage macht eine Lösung des Problems kompliziert.

    Die Weltbank befürchtet, dass die Coronakrise in eine Entwicklungsländer-Schuldenkrise münden könnte. Quelle: AFP
    Weltbank

    Die Weltbank befürchtet, dass die Coronakrise in eine Entwicklungsländer-Schuldenkrise münden könnte.

    (Foto: AFP)

    Das Schuldenmoratorium der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) für die ärmsten Entwicklungsländer etwa, beschlossen im Frühjahr 2020, hatte darum nur begrenzten Erfolg. Dieses Moratorium, Debt Service Suspension Initiative (DSSI) genannt, betrifft nur die Schulden, die Staaten gegenüber Entwicklungsländern halten.

    Private Institutionen beteiligen sich bisher trotz aller Mahnungen der G20-Staaten kaum an dieser Initiative. Und China zählt den Großteil der ausstehenden Schulden gegenüber Entwicklungsländern zu seinem Privatsektor.

    Das Schuldenmoratorium für arme Länder ist zwar bis zum 30. Juni 2021 verlängert worden, viele Schulden sind aber gar nicht davon erfasst.

    Die Angst der Regierungen vor Schuldenschnitten

    „Der Umgang mit Schuldenüberhängen wird die größte politische Herausforderung“, heißt es im Weltbank-Bericht. Viele Staaten dürften nicht darum herumkommen, „den Wert ihrer Schulden zu verringern“. Vor einem Schuldenschnitt allerdings schreckt jede Regierung zurück, aus gutem Grund: Danach fehlt der betroffenen Regierung nach allen Erfahrungen für lange Zeit der Zugang zu weiterer Finanzierung.

    Als Erstes, verlangt die Weltbank, müssten nun alle Staaten und Private offenlegen, wer bei wem wie hoch verschuldet ist. Denn das ist bisher alles andere als transparent. Wegducken sei keine Option: Denn frühere Schuldenwellen mündeten in schwere Krisen, mahnt die Weltbank und erinnert an die lateinamerikanische Schuldenkrise der 1980er-Jahre und die Ostasien-Schuldenkrise in den 1990er-Jahren.

    Was die Entwicklungsländer zusätzlich brauchen, um die Pandemieschäden zu überwinden, sind laut Weltbank Investitionen, bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und eine Bildungsoffensive. Dafür brauche es „politische Anstrengungen“ in diesen Ländern, aber auch weitere Hilfe von den reichen Ländern.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum die G20 nur noch ein Schatten einstiger Größe ist

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