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Coronakrise BIP bricht weniger ein als befürchtet, Chefs wieder optimistischer

Unsicherheit könnte die neue Normalität werden: Steuereinnahmen schrumpfen, Staatsausgaben steigen. Die Wirtschaft läuft aber langsam wieder an.
25.08.2020 Update: 25.08.2020 - 17:28 Uhr Kommentieren
Besonders in der Industrie geht es schneller bergauf. Quelle: dpa
Hamburger Hafen

Besonders in der Industrie geht es schneller bergauf.

(Foto: dpa)

Wiesbaden, Berlin, München Die Wirtschaft in Deutschland kämpft sich aus der Rezession: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im August erneut gestiegen, von 90,4 Punkten auf 92,6 Punkte. In der monatlichen Umfrage sagten die regelmäßig befragten 9000 Unternehmer und Manager, die Lage ihrer Unternehmen sei merklich besser, auch ihre Zukunftserwartungen hellten sich weiter auf. Der Index hat damit nach seinem schweren Einbruch im März und April das Vorkrisenniveau von knapp 96 Punkten fast wieder erreicht. Seit Juli sieht das Ifo-Institut die Wirtschaft im Aufschwung.

Die meisten Befragten in der Industrie schauten zwar so zuversichtlich wie lange nicht auf ihr Geschäft, aber es gab auch viele Industrieunternehmen, die ihre Lage nach wie vor als schlecht einschätzen. Bei den Dienstleistern dagegen ist der Optimismus durchgängig gestiegen. Im Handel wiederum blicken die Firmenlenker pessimistischer in die nahe Zukunft, während sich der Bau im Aufwind zeigt.

Lars Feld, Chef der Wirtschaftsweisen, hält die Jahresprognose des Sachverständigenrats weiter für plausibel: Demnach wird die Wirtschaft im Gesamtjahr 2020 um 6,5 Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr um 4,9 Prozent wachsen. „Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts für das zweite Quartal bestätigen unsere Einschätzung ziemlich genau“, sagte Feld dem Handelsblatt.

BIP geht um fast zehn Prozent zurück

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im ersten Quartal um zwei Prozent zurückgegangen und im zweiten Quartal regelrecht eingebrochen: Das Minus betrug nach den bereinigten Zahlen des Statistischen Bundesamts 9,7 Prozent. Das Amt korrigierte damit seine vorläufige Zahl – minus 10,1 Prozent – für das zweite Quartal vom 30. Juli, die noch viele Schätzungen enthalten hatte. Es bleibt auch nach der Korrektur der stärkste jemals gemessene Quartalsrückgang in der Bundesrepublik. Wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander schrumpft, befindet sich ein Land per Definition in einer Rezession.

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    Andere Frühindikatoren, wie die Einkaufsmanager-Umfragen des IHS-Markit-Instituts, hatten am Freitag im Vergleich zum Ifo-Geschäftsklima eine verhaltenere Stimmung in deutschen und europäischen Firmen gezeigt, vor allem bei den Dienstleistern. Nach drei Monaten kräftiger Erholung verliere „der Aufschwung in Deutschland wieder leicht an Dynamik“, so IHS-Markit-Direktor Phil Smith.

    Grafik

    „Dass Konjunkturindikatoren nach einer massiven, abrupten und weltweiten Unterbrechung wirtschaftlichen Handelns flattern, sollte nicht wirklich verwundern“, sagt er. Denn ein Betrieb könne generell schneller herunter- als wieder hochgefahren werden.

    Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sieht die Ifo-Zahlen zumindest als Beleg, dass die deutsche Volkswirtschaft wieder Tritt gefasst hat. „Das Geschäftsklima ist wieder auf dem Niveau des Herbstes 2019“, sagte er dem Handelsblatt.  

    Er wunderte sich allerdings über die auf breiter Front gestiegenen Erwartungen auf bessere Geschäfte. „Die Erwartungen sind aktuell besser, als sie vor der Pandemie waren“, sagte er. Dabei habe sich die Wirtschaft weder in Deutschland noch in der Welt strukturell auf einen höheren Wachstumspfad begeben. „Wir müssen uns im Gegenteil auf eine Insolvenzwelle gefasst machen“, warnte er. Die Konsequenzen einer zweiten Infektionswelle seien offenbar ebenfalls noch nicht eingepreist.

    Auch Feld betonte, alles hänge nun davon ab, wie sich die Infektionszahlen weiterentwickelten, wie die Politik darauf reagieren müsse – und vor allem: Was die Unternehmen selbst entscheiden würden.  

    Als starke Stütze für den Wiederaufschwung erweist sich die Bauwirtschaft. Für den Juni meldeten die amtlichen Statistiker am Dienstag eine Zunahme der Auftragseingänge um 12,4 Prozent gegenüber dem Vormonat.

    Sie lagen auch im Vergleich zum Juni 2019 um 1,2 Prozent real im Plus. Nominal betrug das Vorjahresmonats-Plus 9,2 Prozent – ein Indiz für steigende Baupreise. Laut Statistikern war der Auftragswert von 8,3 Milliarden Euro der höchste jemals gemessene Juni-Wert für diese Branche.

    Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen haben im ersten Halbjahr 51,6 Milliarden Euro mehr ausgegeben aus als sie eingenommen hatten. Quelle: dpa
    Finanzminister Olaf Scholz

    Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen haben im ersten Halbjahr 51,6 Milliarden Euro mehr ausgegeben aus als sie eingenommen hatten.

    (Foto: dpa)

    Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erwartet, dass sich die Konjunktur weiter aufhellen wird. Die Aussichten darauf, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Quartal wieder robust wächst, hätten sich deutlich verbessert. Aktuell gebe es keine akute Rezessionsgefahr mehr.

    „Im laufenden dritten Quartal dürfte nun ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts folgen, der ebenfalls Rekordcharakter hat“, erwartet IMK-Chef Sebastian Dullien. „Da der Einbruch allerdings so dramatisch ausgefallen ist, wird die Wirtschaftsleistung noch längere Zeit unter dem Vorkrisenniveau bleiben“, sagte er dem Handelsblatt.

    Er rechne nicht damit, dass das Vorkrisenniveau vor Ende 2021 wieder erreicht wird. Die Ertragslage vieler Unternehmen sei weiterhin kritisch, mit Entlassungen müsse gerechnet werden.

    Die staatliche Förderbank KfW rechnet daher in ihrem ebenfalls am Dienstag veröffentlichen Konjunkturkompass mit einer langsameren Erholung als in der Zeit nach dem Beginn der Lockerungen ab Mitte Mai. „Bei rapide steigenden Corona-Infektionszahlen bleibt die Unsicherheit enorm hoch“, so Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib.

    Staatsverschuldung steigt

    Um die Krise abzumildern, hatten Bund und Länder vor der Sommerpause historisch große Konjunkturpakete geschnürt. Die Kehrseite ist ein dickes Minus in der Staatskasse, die vergangenes Jahr noch Überschüsse erwirtschaftet hatte. Das Defizit im ersten Halbjahr betrug 51,6 Milliarden Euro oder 3,2 Prozent des BIP, meldete das Statistische Bundesamt. Den höchsten Anteil daran trägt mit 27,1 Milliarden Euro der Bund.

    Mehr: Wegen der Coronakrise dürften Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr bis zu 100 Milliarden Euro weniger einnehmen. Besonders der Bund steht vor schmerzhaften Einschnitten.

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