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Coronakrise So bewerten Deutschlands führende Ökonomen die Corona-Beschlüsse

Die ersten kleinen Schritte hin zu einer neuen Normalität bewerten Deutschlands führende Ökonomen unterschiedlich. Doch vorsichtig optimistische Konjunkturprognosen scheinen nun überholt.
16.04.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Michael Hüther (l.), Sebastian Dullien (3. v. l.) und Clemens Fuest (r.) mit ihren Kollegen Gabriel Felbermayr (2. v. l.), Peter Bofinger (3. v. r.) und Jens Südekum (2. v. r.). Quelle: dpa
Ökonomen

Michael Hüther (l.), Sebastian Dullien (3. v. l.) und Clemens Fuest (r.) mit ihren Kollegen Gabriel Felbermayr (2. v. l.), Peter Bofinger (3. v. r.) und Jens Südekum (2. v. r.).

(Foto: dpa)

Berlin Bekannte Ökonomen zeigen sich in ersten Stellungnahmen größtenteils einverstanden mit den Beschlüssen der Regierungen von Bund und Ländern, die Ausgangsbeschränkungen nur sehr vorsichtig zu lockern.

Bis auf einen der vom Handelsblatt befragten Experten: Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW), wirft Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer Mutlosigkeit bei der Lockerung vor.

„Ich verstehe nicht, warum die Bundesregierung so zögerlich ist. Es dürfen Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen, und sonst bleibt alles großenteils wie es ist“, bedauert Hüther. Er wirft den Regierenden vor, nicht genügend abgewogen zu haben, wie schwerwiegend die ökonomischen und sozialen Folgen des Lockdowns bereits jetzt sind.

Die Beschlüsse, Gesundheitsämter personell zu stärken, kämen zu spät: „Was ich der Politik vorwerfe ist, dass sie sich in den letzten drei Wochen nicht darum gekümmert hat, wie man aus dem Stillstand wieder herauskommen kann“, sagt Hüther. „Alles, was an Vorbereitungen für Schulöffnungen und mehr Personal in den Gesundheitsämtern in den nächsten zwei Wochen geschehen soll, hätte man längst systematisch vorbereiten können.“

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    Andere Ökonomen widersprechen der Kritik. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, hält das Vorgehen der Bundesregierung für nachvollziehbar. „Dass es nur zu einer sehr vorsichtigen Lockerung kommen würde, war zu erwarten, weil die Bundesregierung eine zweite Infektionswelle unbedingt vermeiden will, und die Datenbasis über das Infektionsgeschehen noch schlecht ist“, sagt Feld.

    Allerdings: Der große Nachteil der Vorsicht sei, dass die Wirtschaft sich jetzt noch kaum erholen kann. Vorsichtig optimistische Konjunkturprognosen, wie die Gemeinschaftsdiagnose von fünf Forschungsinstituten, hält er deshalb für überholt.

    „Jede Woche weiterer Beschränkungen kostet Wirtschaftskraft“, so Feld. Mit der Verlängerung der Kontaktverbote werde das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wohl mehr als fünf Prozent verlieren. Die Institute hatten vergangene Woche noch mit einem Minus von 4,2 Prozent kalkuliert.

    Ein Chef der an der Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung beteiligten Institute, Ifo-Präsident Clemens Fuest, kritisiert zwar, dass die Regierung nicht alle Läden bei Einhaltung des Abstandsgebots sofort wieder öffnen lässt, sondern nur solche bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche.

    Einen anderen Punkt unter den Beschlüssen lobt er aber ausdrücklich: Es sei sehr positiv, dass es bei der Bundesregierung einen Stab geben soll, der mittelständische Firmen beim Erhalt der Lieferketten unterstützt.

    „Bund und Länder tun gut daran, mit Bedacht zu lockern“

    „Man braucht da staatliche Koordinierung, weil aktuell jedes Land eigene Regeln hat, welche Firmen produzieren dürfen und welche nicht. Wenn es da keinen Austausch der Regierungen gibt, dann funktioniert auch hierzulande der Öffnungsprozess nicht“, sagt Fuest.

    Der Ifo-Chef zeigt sich zufrieden, dass die Politik viele Vorschläge einer vom Ifo organisierten interdisziplinären Wissenschaftlergruppe aufgegriffen habe, etwa einen starken Ausbau des Gesundheitswesens: Das sei die Bedingung für jede Öffnung. „Was mir noch fehlt, sind gezielte Verbesserungen der Statistiken“, sagt er. Noch fehlten Daten als Informationsgrundlage, um den Öffnungsprozess zu gestalten.

    Beim gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) schließt man sich Hüthers Kritik ebenfalls nicht an. „Bund und Ländern tun gut daran, die Kontaktbeschränkungen nicht übereilt, sondern mit Bedacht zu lockern“, sagt IMK-Chef Sebastian Dullien. Es sei richtig, für den Einzelhandel und Dienstleister wie Friseure eine Perspektive zur Wiedereröffnung zu schaffen. Er hoffe darauf, dass sie mit dieser Perspektive „hoffentlich zum Durchhalten motiviert werden“, so Dullien.

    Das IMK hatte am Montag vor einer schnellen Öffnung gewarnt. Käme es zu einem starken Wiederanstieg der Infiziertenzahlen, müssten Lockerungen zurückgenommen werden. Das würde die Rückkehr zur Normalität nur verzögern – und der Wirtschaft so schaden.

    „Um Menschenleben zu sichern, müssen wir behutsam vorgehen“

    Auch bei den Schulen hält er die beschlossene allmähliche Öffnung ab dem 4. Mai für richtig. „Was allerdings leider fehlt, sind Aussagen, wie in der Zwischenzeit die Beschulung der Kinder mit Online-Methoden verbessert werden könnte“, sagt Dullien und schlägt Crash-Kurse für Lehrer in Online-Lehre vor.

    Fuest treibt vor allem um, dass nicht alle Schüler zuhause gute Lernbedingungen vorfänden. „Was jetzt ganz schnell geschehen muss, ist, dass sich Lehrer wieder um benachteiligte Kinder kümmern, die zuhause schlecht lernen können und keine digitalen Zugänge haben“, sagt er. Die Gesellschaft müsse darauf achten, dass kein Schüler abgehängt werde.

    DIW-Präsident Marcel Fratzscher wiederum lobte, dass die Regierungen Entscheidungen auf Daten und Fakten basieren würden, und nicht auf Gefühlen und Forderungen. „Das stärkt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger“, sagt er.

    Dass ein Teil des Einzelhandels nun wieder seine Arbeit aufnehmen könne, sei ein ermutigendes Zeichen und sorge bei vielen für Erleichterung. „Doch auch der Wirtschaft dient ein zu schneller Ausstieg nicht, wenn es zu einer zweiten Welle von Ansteckungen kommt und dann weitere Maßnahmen notwendig würden“, grenzt sich Fratzscher von Hüther ab.

    Mehr: EU-Länder suchen nach dem Weg aus den Corona-Maßnahmen

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    1 Kommentar zu "Coronakrise: So bewerten Deutschlands führende Ökonomen die Corona-Beschlüsse "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Michael Hüthner, für solche unbedachten und nicht nachhaltigen Aussagen würde ich mich an Ihrer Stelle schämen. Von einem renommierten Top-Ökonomen hätte ich mehr Weitsichtigkeit erwartet. Wenn Sie die politische Macht und Verantwortung besäßen, dann würden Sie wohl anders reagieren und nicht einfach so zigtausend Tote durch eine zweite Infektionswelle riskieren. Wenn das Blut der Toten an ihren Fingern kleben würde bzw. sie auf Ihre Kappe gehen würden, dann wären sie wahrscheinlich nicht so verantwortungslos und nur auf den Profit bedacht.


      @Lars Feld und Clemens Fuest
      Wenn sich das Virus wie in dem Video (https://www.focus.de/wissen/simulation-aus-finnland-3d-modell-zeigt-erreger-koennen-noch-minutenlang-in-der-luft-nachgewiesen-werden_id_11872404.html) tatsächlich verbreitet, bräuchte man dann nicht eine Maskenpflicht in Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmittel, Schulen etc. ? Eigentlich überall wo Menschen länger in geschlossenen Räumen zusammen sind.

      Wenn wir die Schutzmaßnahmen einfach so lockern, dann wird die Neu-Infektionsrate stark ansteigen. Stellen Sie sich vor ein Schüler ist unwissentlich krank (also ohne Symptome) und sitzt 4h in einem Raum mit 30 anderen Schülern und schreibt sein Abitur. Die Wahrscheinlichkeit das die infizierte Person in diesem langen Zeitraum niesen muss ist meiner Meinung nach hoch. Das Infektionsrisiko für die Mitschüler ist über diesen langen Zeitraum in einem geschlossenen Raum dementsprechend hoch. (Das gleiche gilt für Erwachsene beim Arbeitsplatz oder beim Restaurantbesuch.)





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