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Coronakrise Stimmung ist katastrophal: Ifo-Geschäftsklimaindex stürzt auf Rekordtief

Die Coronakrise beeinträchtigt die Konjunkturaussichten erheblich. Der wichtigste Frühindikator zeigt: Die Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Rezession.
25.04.2020 Update: 24.04.2020 - 11:26 Uhr 4 Kommentare
Alle großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für 2020 mit einem heftigen Konjunktureinbruch. Quelle: dpa
Baustelle auf der A1 bei Gevelsberg

Alle großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für 2020 mit einem heftigen Konjunktureinbruch.

(Foto: dpa)

Berlin In Deutschlands Wirtschaft ist die Stimmung katastrophal. Der wichtigste Frühindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, ist im April von 85,9 auf 74,3 Punkte abgestürzt. Dies ist der niedrigste jemals gemessene Wert. Einen stärkeren Rückgang hat es noch nie gegeben.

„Das ist vor allem auf die massive Verschlechterung der aktuellen Lage zurückzuführen“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Freitag. Nach dem sehr starken Einbruch im Vormonat hatten Analysten einen weiteren Rückgang erwartet, allerdings nur auf 79,7 Punkte.

Die Unternehmen blickten zudem noch nie so pessimistisch auf die kommenden Monate. „Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht“, so Fuest. Die Krise schlägt inzwischen auf alle Branchen durch. Sogar das Bauhauptgewerbe blickt inzwischen sorgenvoll in die Zukunft. Es war bislang gemeinsam mit dem Konsum die Stütze der Wirtschaft.

Bankenvolkswirte sind überzeugt, dass die Rezession in diesem Jahr tiefer wird als in der Finanzkrise 2009. „Das Geschäftsklima ist endgültig im Corona-Tal angekommen“, sagte Kfw-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. „Wir müssen uns für das zweite Quartal auf den tiefsten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Bestehen der Bundesrepublik einstellen“, sagte sie.

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    Im zweiten Quartal erwartet sie nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen zehn und 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das zweite Halbjahr rechnet sie aber weiterhin mit einer Erholung. Ulrich Wortberg von der Helaba erwartet dagegen nun nicht mehr eine schnelle Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität. 

    Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe wiederum hofft auf eine weitere Lockerung des Shutdowns: Damit steige die Chance auf eine Stimmungsverbesserung. Weil aber wohl länger Schutzmaßnahmen zum Alltag gehören würden, glaubt er nicht mehr an eine schnelle Erholung. Dass der Konjunkturverlauf in diesem Jahr aussehe wie der Buchstabe V - schnell abwärts und wieder schnell aufwärts - hält er inzwischen für „eine Illusion“. 

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    Bereits seit Ostern war täglich deutlicher geworden, dass die Auswirkungen des Corona-bedingten Stillstandes die Unternehmen im April hart treffen würden. Am Donnerstag berichtete das Ifo, dass die Krise am Arbeitsmarkt angekommen ist: In der Industrie und bei den Dienstleistern will jedes fünfte vom Ifo befragte Unternehmen Mitarbeiter entlassen oder befristete Jobs nicht verlängern.

    Im Handel sind es 15 Prozent, auf dem Bau, der bisher vom Stillstand wenig betroffen ist, auch schon zwei Prozent. In fast allen Branchen wollen mehr als 40 Prozent der Firmen Investitionen verschieben – sogar auf dem Bau sind es 31 Prozent.

    Wie tief die Rezession im Jahr 2020 werden wird, ist aktuell allerdings schwer abzuschätzen. „Wir wissen nicht, wie sehr wir die Wirtschaft wieder hochfahren können, ohne die Infektionsgefahr zu befördern“, sagte die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer dem Handelsblatt. Die Lage sei mit keiner Rezession der Nachkriegszeit vergleichbar. Sie sei aber zuversichtlich, dass Deutschland in nächsten Wochen da weiterkommen werde, wenn Schutzmaßnahmen erhöht und Tracing-Apps erhöht würden.

    „Binnen- und Exportnachfrage regelrecht kollabiert“

    Auch der Einkaufsmanagerindex des Instituts IHS Markit war am Donnerstag auf ein Rekordtief gestürzt. In dieser Manager-Umfrage sagten 75 Prozent der Dienstleister und fast ebenso viele Industriemanager, dass ihre Umsätze deutlich geschrumpft seien. Bei den Dienstleistern fielen die Umsätze so stark wie noch nie in der 20-jährigen Geschichte dieser Umfrage.

    „Regelrecht kollabiert ist sowohl die Binnen- als auch die Exportnachfrage“, schreibt IHS-Markit-Ökonom Phil Smith. Im Servicesektor wurden mehr Stellen abgebaut als auf dem Höhepunkt der Finanzkrisenrezession im April 2009, auch in der Industrie beschleunigte sich demnach der Personalabbau – trotz Kurzarbeit.

    Führende Ökonomen beginnen jedenfalls, ihre Prognosen für 2020 weiter abzusenken. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, erwartet inzwischen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 mindestens um fünfeinhalb Prozentpunkte schrumpfen wird. Es könnte damit stärker schrumpfen als in der Finanzkrisenrezession von 2009.

    Vor dreieinhalb Wochen, als der Sachverständigenrat-Wirtschaft Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ein Sondergutachten zur Corona-Pandemie überreichte, waren ein Minus von fünfeinhalb Prozent noch das Worst-Case-Szenario. Der IWF erwartet allerdings, dass das deutsche BIP 2020 um sieben Prozent einbrechen wird.

    Auch in den großen Konjunkturforschungsinstituten, die vor zwei Wochen in ihrer Gemeinschaftsdiagnose ein Minus von 4,2 Prozent für 2020 voraussagten, wird von vielen erwartet, dass eine fünf vor dem Komma stehen wird. Mit Spannung wird daher an den Märkten erwartet, auf welche Rezessionsprognose sich die Bundesregierung in der kommenden Woche festlegen wird.

    Allerdings warnte Stefan Kooths, Konjunkturexperte des Kieler IfW, auch davor, sich nun in Horrorszenarien zu überbieten: Dass der April der Tiefpunkt des Jahres werde, und für das zweite Quartal mit einem Einbruch des BIP um zehn Prozent zu rechnen sei, habe man Anfang März schon erwartet. Die Frage sei nun, wie schnell eine Erholung einsetzen kann.

    Frankreich: niedrigster Stand seit 1980

    Das allerdings hängt auch davon ab, wie schnell die Wirtschaft in den am härtesten von der Pandemie betroffenen EU-Staaten Italien, Spanien und Frankreich wieder in Gang kommen kann. „So verflochten, wie unsere Wirtschaft zum Beispiel mit der in Italien ist, müssen wir ein hohes Interesse daran haben, dass die EU nicht auseinanderbricht“, sagte Schnitzer. „Es geht nicht nur um Solidarität, sondern es ist in unserem Interesse, wenn wir anderen EU-Staaten helfen“, betonte sie.

    Die Aussichten für die Wirtschaft sind allerdings in allen großen EU-Staaten derzeit katastrophal. So stürzte am Donnerstag der IHS-Markit-Einkaufsmanagerindex auch für die Euro-Zone auf ein Rekordtief. In Italien erwartet der IWF einen Rückgang des BIP um 9,1 Prozent in diesem Jahr.

    Auch die Stimmung in Frankreichs Wirtschaft hat sich im April durch die Coronakrise massiv verschlechtert. Das Geschäftsklima ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1980 gefallen, wie aus Daten des nationalen Statistikamtes Insee vom Donnerstag hervorgeht. Der Index sei um 32 Punkte auf 62 Zähler gefallen. Einen derart starken Einbruch hat es noch nie gegeben.

    Die wirtschaftliche Aktivität lag demnach in Frankreich im April um 35 Prozent niedriger als vor dem Herunterfahren der Wirtschaft im März. Insee erwartet auch keine baldige Erholung des Geschäftsklimas. In diesem beispiellosen Umfeld sei das Verhalten von Unternehmen und Verbrauchern kaum zu prognostizieren. Die französische Regierung erwartet im laufenden Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um acht Prozent.

    Mehr: Laut Ifo-Institut plant ein Fünftel der deutschen Firmen Stellenabbau wegen Coronakrise.

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    4 Kommentare zu "Coronakrise: Stimmung ist katastrophal: Ifo-Geschäftsklimaindex stürzt auf Rekordtief"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie kann es sein, dass einfach ein neues worst-case Szenario erstellt wird? Wofür gibts es denn dann worst-case Szenarien überhaupt?

    • ich sehe es nicht so, dass wir Gesundheit unüberlegt vor den wirtschaftlichen Folgen gesetzt wurde. Der Virus hätte viel früher durch überlegtes und nachhaltiges wirtschaften verhindert werden können. Wissenschaft aber auch einflussreiche Menschen wie Bill Gates haben gewarnt. Doch Warnungen werden weggewischt. Was wir doch jetzt lernen ist, das exponentielles Wachstum, in diesem Falle eines Virus, nicht beherrschbar ist. Für einen Ingenieur ist das übrigens eine Binsenweisheit, fast alle technischen Systeme werden so rückgekoppelt, dass sie in einem linearen Arbeitsbereich betrieben werden. Sowohl die Physik wie auch die dazu benötigte Mathematik sind wesentlich einfacher zu handeln als wenn Nichtlinearitäten auftreten. Es gibt nur eine Spezi von Experten, die das immer noch nicht glauben: Das sind Betriebs-und Volkswirte, die dem Geldsystem verfallen sind. Um exponentielles Wirtschaftswachstum zu erreichen reißen wir Bodenschätze aus dem Carbonium wie bescheuert aus dem Boden und beweihräuchern uns an den dabei gewaltigen Energiemengen, wovon wir bestenfalls 40% auch umsetzen können. Doch diese 40% reichen, um das Klima zu kippen und uns vollends in den Abgrund zu treiben. Diese Energien ermöglichen, dass in der Vor Corona Zeit zwei Millionen Menschen ständig in der Luft waren. Eine Millionenstadt, die in der Atmosphäre lebte. Allein in Deutschland verfuhren LKW+PKW ganze 2 Milliarden Kilometer pro TAG. Auch wenn das jetzt keine wissenschaftliche Aussage ist aber ich denke wir werden im Herbst nicht nur über Corona sprechen, wir werden auch über große Trockenheit, Hitze und Waldbrände reden. Nicht ganz so heftig wie in Australien aber heftig genug, um allen klar zu machen, dass wir in die sogenannte "Normalität" der Vor Corona Zeit nicht mehr zurückkehren dürfen....und das ist nicht nur ein Verlust sondern auch eine große Chance für einen Neuanfang.

    • Wir haben uns zum Teil bewusst und zum Teil unüberlegt entschlossen Gesundheit und Leben und Virenschutzprogramm vor Wirtschaft zu stellen. Damit ist es zunächst mal völlig klar, dass die Ausnahmemonate März/April/Mai erstens abgrundtiefe und aussagelose Katasrophalwerte bringen. Weiter ist klar, dass wir um da halbwegs wieder rauszukommen einen transparent diskutierten Plan brauchen was wir wie absolut schützen wollen und was wir dafür bereit sind zu bezahlen. Rechenbeispiel: Sterblichkeit 0,5%, worst case (den ich auch nicht will) 400.000Tote in Deutschland. Kosten für die Wirtschaft 400 Milliarden, macht eine Million pro Leben. Lebenserwartung der Betroffenen, meist älteren, angenommen 4 Jahre ohne Corona. Macht 250.000Euro pro gerettetem Lebensjahr. Klingt zynisch oder unethisch, ist aber das normale Habdwerkszeug jeder Rentenberechnung, Lebensversicherung, Krankenkasse etc... Für uns die gesellschaftliche, politische und ethische Diskussion muss sein wie wir mit dieser Rechnung umgehen. Am Anfang, als die Sterblichkeit nicht klar war und auch 3% oder 15% hätte sein können, war shutdown richtig. Jetzt ist 0,5% Sterblichkeit recht klar, also muss die schmerzhafte Diskussion der Verhältnismäßigkeit geführt werden. Frei von Zynismus oder ethischem Absolutanspruch. Ein Dilemma, sicher, und doch müssen wir uns ihm stellen.

    • Respekt: Das Handelsblatt übertrifft sich in der aktuellen Berichterstattung!

      Schon am Freitag, den 24.04.2020 gibt Artikel vom 25.04.2020 / 10.00 Uhr :-)

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