Die Weltwirtschaft schwächelt Muss sich Deutschland auf härtere Zeiten einstellen?

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist niedrig, die Verbraucher sind in Kauflaune. Das hält die Konjunktur trotz schwächelnder Weltwirtschaft am Laufen. Doch wie lange noch?
Viele Ökonomen sehen Deutschland trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur auch in diesem Jahr auf einem robusten Wachstumspfad. Quelle: dpa
Hafen Hamburg

Viele Ökonomen sehen Deutschland trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur auch in diesem Jahr auf einem robusten Wachstumspfad.

(Foto: dpa)

WiesbadenDer Gegenwind für die deutsche Wirtschaft nimmt zu. Wichtige Exportmärkte wie China schwächeln, auch aus den USA kommen derzeit wenig gute Nachrichten, zudem gewinnt der Euro wieder an Stärke. Erste Bremsspuren zeigen sich bereits. Der Außenhandel fiel im vierten Quartal als Wachstumsmotor aus. Am Laufen gehalten wurde die deutsche Konjunktur vor allem von der Konsumlaune der Verbraucher und den Ausgaben des Staates etwa für Flüchtlinge. Gegenüber dem Vorquartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent. Im Gesamtjahr stand ein Plus von 1,7 Prozent.

Der gestiegene Konsum im Inland schirme die deutsche Wirtschaft gegen Gegenwind aus dem Ausland ab, sagt ING-DiBa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. „Vor dem Hintergrund der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten wirken die Konjunkturdaten fast wie ein Relikt aus guten alten Zeiten.“

Viele Ökonomen sehen Deutschland trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur auch in diesem Jahr auf einem robusten Wachstumspfad. Die Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds gehen von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,7 Prozent aus. Pessimistischer ist der Deutschen Industrie- und Handelskammertag, der mit 1,3 Prozent rechnet. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verweist unter anderem auf die jüngsten Turbulenzen an den Börsen. „Wir fühlen uns wohl mit unserer weit unter dem Konsens liegenden 2016er Wachstumsprognose von 1,3 Prozent.“

Neben der Abkühlung des Megamarktes China und anderer Schwellenländer, sorgen auch die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den USA und der wieder stärkere Euro für Skepsis. Legt die Gemeinschaftswährung gegenüber Dollar & Co zu, werden Waren „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt tendenziell teurer. Das kann die Nachfrage dämpfen.

Für diese Produkte müssen Sie 2016 mehr zahlen
Preise für Gas
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Der neue Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes zeigt: Insgesamt wird es etwas teurer für die deutschen Verbraucher. Die Inflationsrate bleibt jedoch relativ gering. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 0,5 Prozent gestiegen.
Vieles wird allerdings auch günstiger: So etwa Gas, das im Januar 2016 2,4 Prozent weniger kostet als noch ein Jahr zuvor.

Günstige Preise für Superbenzin
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Die Anzeigetafel einer Tankstelle in Niedersachsen Mitte Januar zeigt: Auch Tanken ist günstiger geworden. Kraftstoffe allgemein sind 5,7 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat, Superbenzin tanken Verbraucher 3,3 Prozent günstiger.

Niedriger Dieselpreis
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Noch stärker gefallen sind die Preise für Diesel: Hier kostete ein Liter etwa 89,9 Cent an einer Tankstelle in Frankfurt. Dieselkraftstoff war im Januar 2016 ganze 12,4 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat.

Heizöl
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Ebenso stark wie die Kraftstoffpreise sind die Preise für Haushaltsenergie gesunken: Um 5,7 Prozent. Strom und Gas machen hier nur einen geringen Teil aus: Vor allem die Preise für leichtes Heizöl sind gesunken. Das Heizöl ist um knapp ein Viertel günstiger als noch im Vorjahresmonat.

Gesundheitspflege
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Aber nicht alles wird günstiger: Neben den Nettokaltmieten (1,1 Prozent Teuerung) sind auch die Preise für Freizeitbeschäftigungen (1,4 Prozent), Bildung (1,6 Prozent) und Gesundheitspflege, etwa für Arzneimittel, gestiegen.

Hotel und Gastronomie
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Noch deutlicher ist die Preissteigerung bei Dienstleistungen im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Sie kosteten 2,3 Prozent mehr als noch im Januar 2015.

Alkohol und Tabak
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Ähnlich steht es um alkoholische Getränke und Tabakwaren. Sie verteuerten sich um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Wichtige Konjunkturstütze bleibt nach Einschätzung von Ökonomen auch in diesem Jahr die Konsumlust der Verbraucher. Der Arbeitsmarkt boomt und von den Lohnabschlüssen 2016 dürfte dank niedriger Inflation mehr im Portemonnaie bleiben. Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK rechnet 2016 mit einem Anstieg der privaten Verbraucherausgaben preisbereinigt um 2,0 Prozent. Im Vorjahr war der private Konsum um 1,9 Prozent gewachsen.

Auch die Milliardengelder von Bund, Ländern und Kommunen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms stützen die Konjunktur - im vierten Quartal 2015 stiegen die Konsumausgaben des Staates nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt deutlich. „Erhöht die Bundesregierung aufgrund des Flüchtlingszustroms die Staatsausgaben im laufenden Jahr, kann der BIP-Zuwachs im laufenden Jahr sogar noch etwas zulegen“, erwartet Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe.

Der DIHK beziffert den Wachstumseffekt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 0,3 Prozentpunkte. Auf den Arbeitsmarkt wird sich die wachsende Zahl Job suchender Flüchtlinge nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten erst in der zweiten Jahreshälfte niederschlagen.

Als kostenloses Konjunkturprogramm gilt auch der niedrige Ölpreis. Er entlastet die Budgets von Verbrauchern und Unternehmen in Deutschland, weil sie weniger für Energie ausgeben müssen. Die Bundesbank erwartet bei anhaltend niedrigen Ölpreisen weiteren Rückwind für die Nachfrage im Inland. Eine Faustregel unter Volkswirten lautet: Ein zehnprozentiger Rückgang der Rohölpreise erhöht das Wachstum um 0,1 bis 0,5 Prozentpunkte.

Der Ölpreisverfall birgt allerdings auch Risiken. Er zwingt Förderländer zu einem Sparkurs, was Folgen für die Weltkonjunktur haben kann. „Wir haben nichts gegen billiges Öl - aber ganz so billig muss es nicht sein“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben jüngst. Der Absturz der Preise überfordere viele Volkswirtschaften, was neue Risiken hervorbringen könnte.

Der Internationale Währungsfonds senkte nicht zuletzt wegen der niedrigen Ölpreise im Januar seine globale Wachstumsprognose für 2016. „Wir haben wohl einen holprigen Weg vor uns“, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld damals. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther beschreibt die schwierige Gemengelage so: „Die Weltwirtschaft wackelt an verschiedenen Ecken“.

  • dpa
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