Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

DIHK-Konjunkturumfrage „Das ist ein Alarmsignal“ – Unternehmen blicken pessimistischer in die Zukunft

Die Geschäfte laufen schlechter, Handelskonflikte drücken die Stimmung. Dabei befindet sich die deutsche Wirtschaft nach wie vor in guter Verfassung.
1 Kommentar
Firmenlenker aus der Exportindustrie fürchten, dass der Welthandel wegen der Handelskonflikte weiter schwächeln wird. Quelle: dpa
Container am Hamburger Hafen

Firmenlenker aus der Exportindustrie fürchten, dass der Welthandel wegen der Handelskonflikte weiter schwächeln wird.

(Foto: dpa)

BerlinDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibt schlecht. Viele Unternehmenschefs blicken noch pessimistischer als zu Jahresbeginn in ihre wirtschaftliche Zukunft. „Das ist ein Alarmsignal“, sagte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). „Gerade die Industrieunternehmen spüren die deutlich langsamere Gangart der Weltwirtschaft.“

Beim Auslandsgeschäft seien die Erwartungen der Exporteure so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr, als Deutschland tief in der Finanzkrisen-Rezession steckte. Das geht aus der Frühsommer-Konjunkturumfrage hervor, die der DIHK am Dienstag vorgelegt hat. 25.000 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage.

Sehr viele von ihnen – vor allem aus der Industrie – fürchten, dass US-Präsident Donald Trump die weltwirtschaftliche Entwicklung längerfristig ausbremst. „Wachsender Protektionismus auf zahlreichen Märkten, zunehmende Handelskonflikte und der Brexit nehmen der Weltkonjunktur den Wind aus den Segeln – das spüren die Exporteure bei ihren Geschäften“, heißt es in der Umfrage.

Das drücke zudem auf die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen, die sich so stark eingetrübt hätten wie seit fünf Jahren nicht mehr. Für DIHK-Präsident Schweitzer ist die Abkühlung Anlass, die Bundesregierung zum Gegensteuern aufzufordern: Der angekündigte Bürokratieabbau müsse schnell umgesetzt werden.

Außerdem verlangt er eine Unternehmenssteuerreform. „Die letzte Steuerreform liegt schon mehr als eine Dekade zurück. In Deutschland werden die Unternehmen im Vergleich zu ihren Wettbewerbern in anderen Industriestaaten stärker belastet“, so Schweitzer.

Allerdings: Setzt man all diese pessimistischen Erwartungen in Zahlen um und ins Verhältnis zur Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, dann präsentiert sich die Wirtschaft auch nach dieser Umfrage noch immer in durchaus kräftiger Verfassung. Im Gesamtjahr erwartet der DIHK ein Wachstum von 0,6 Prozent, nach 0,9 Prozent zu Jahresbeginn. Das Plus liegt damit leicht über der Regierungsprognose von 0,5 Prozent.

Auch die Stimmung in der Euro-Zone hat sich in diesem Monat aufgehellt – zur Überraschung von Experten. Sie hatten ursprünglich mit einer Stagnation gerechnet. Das Eurobarometer stieg aber um 1,2 auf 105,1 Punkte, wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte. Vor allem in Frankreich, Italien und Spanien stieg das Barometer deutlich, in Deutschland immerhin leicht. In den Niederlanden fiel es hingegen.

Deutschland ist von einer Rezession weit entfernt

Die vorsichtigeren Beschäftigungsabsichten in der Industrie führen auch keineswegs zu breiten Entlassungswellen in der Gesamtwirtschaft. Im Gegenteil: Der DIHK erwartet unterm Strich einen Beschäftigungsaufbau um weitere 400.000 Stellen in Deutschland in diesem Jahr. Im Vergleich zum Boom bis 2018 befindet sich die Wirtschaft demnach in einem Abschwung mit langsamerem Wachstum, ist aber von einer Rezession weit entfernt.

Damit decken sich die Umfrageergebnisse mit denen der jüngsten Ifo-Umfragen aus der vergangenen Woche. Die befragten Manager gaben dort ebenfalls an, dass die Industrie schwächelt und dem Export „der Schwung fehlt“, wie Ifo-Chef Clemens Fuest sagte.

Nach allen Umfragen – auch der neuen des DIHK – stützt die Binnenwirtschaft weiterhin die Konjunktur. Der Bau boomt, und die privaten Verbraucher konsumieren dank steigender Löhne und Entlastungen bei den Sozialabgaben mehr als 2018.

Der DIHK etwa erwartet, dass die privaten Konsumausgaben mit 1,3 Prozent stärker wachsen als 2018 mit 1,1 Prozent. Bei den Investitionen wiederum sind die Firmen zwar zurückhaltender als 2018, als die Bruttoanlageinvestitionen um 2,6 Prozent zulegten. Sie wollen aber weiterhin ihre Investitionen steigern, wenn auch mit 2,2 Prozent etwas vorsichtiger.

Laut DIHK-Umfrage sollen die Importe mit 3,5 Prozent stärker steigen als die Exporte mit 1,2 Prozent. Und auch wenn die Unternehmen insgesamt ihre Geschäftslage schlechter beurteilen als auf dem Höhepunkt des Booms 2018, so liegt ihre Einschätzung noch immer deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

„Konsumlaune der Verbraucher ist ungebrochen“

Wie das Ifo stellt allerdings auch der DIHK fest, dass die Dienstleister ihre Lage und ihre Aussichten nun ebenfalls schlechter einschätzen als zu Jahresbeginn. Deshalb werden sie bei Einstellungen vorsichtiger.

„Bei den Dienstleistungen wurde der Höhepunkt der Einstellungsbereitschaft Ende 2018 überschritten“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe am Wochenende. „Zu erwarten ist, dass die Arbeitsplatz-Entwicklung mit Zeitverzögerung der Entwicklung in der Industrie hinterherläuft. Viele Dienstleistungen werden ja im Umfeld der Industrie erbracht“, sagte er.

Die Stimmung der Verbraucher trübte sich nach dem ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Konsumklimabarometer der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zwar leicht ein. „Die Konsumlaune der Verbraucher ist aber nach wie vor ungebrochen“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Dies ist angesichts der generellen gesamtwirtschaftlichen Verunsicherung eine überaus positive Nachricht“, betonte er.

Das GfK-Barometer – eine Umfrage unter 2000 Verbrauchern – sank leicht um 0,1 Zähler auf 10,1 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit gut zwei Jahren. Demnach schätzen die Konsumenten ihre künftige Finanzlage zwar noch etwas besser ein. Zugleich sitzt ihnen das Geld für größere Einkäufe aber nicht mehr ganz so locker wie bisher.

Mehr zum Thema:

Startseite

Mehr zu: DIHK-Konjunkturumfrage - „Das ist ein Alarmsignal“ – Unternehmen blicken pessimistischer in die Zukunft

1 Kommentar zu "DIHK-Konjunkturumfrage: „Das ist ein Alarmsignal“ – Unternehmen blicken pessimistischer in die Zukunft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Alle Verbandsgeschäftsführer malen jetzt schon schwarz.
    Diese Äußerungen verunsichern jetzt schon unbedarfte Mitbürger.

    Bitte nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Haben alle die Schule des Bauerverbandes besucht, der auch nur noch jammert?

    Dazu fallen mir die vier Erzfeinde des Bauern ein:
    Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Serviceangebote