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Einkaufsmanagerindex Deutsche Wirtschaft beendet Talfahrt – Aber von Wachstum weit entfernt

Die Stimmung bei den Unternehmen verbessert sich nach dem Rekord-Absturz im April leicht. Dennoch dürfte das zweite Quartal einen Negativrekord aufstellen.
21.05.2020 Update: 21.05.2020 - 10:23 Uhr Kommentieren
Der Einkaufsmanagerindex legt zu, bleibt aber weit von der Wachstumszone entfernt. Quelle: dpa
Handelsgüter im Hamburger Hafen

Der Einkaufsmanagerindex legt zu, bleibt aber weit von der Wachstumszone entfernt.

(Foto: dpa)

Berlin Die deutsche Wirtschaft hat ihren Corona-bedingten Rekordabsturz mit der Öffnung vieler Geschäfte und Fabriken im Mai abgebremst, bleibt aber weit von Wachstum entfernt. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – kletterte von dem im April erreichten historischen Tiefstand von 17,4 auf nunmehr 31,4 Punkte.

Das sei immer noch der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Datenerhebung 1998, teilte das Institut IHS Markit am Donnerstag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen stärkeren Anstieg auf 34,1 Zähler erwartet. Das Barometer signalisiert erst ab 50 ein Wachstum.

„Der Rückgang der Aktivität hat seit dem Höhepunkt der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus im April erheblich nachgelassen“, sagte Markit-Ökonom Phil Smith. „Aber wir sind noch weit entfernt von Normalität, und der Weg zur Erholung bleibt steinig.“ Die anhaltend schlechte Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutet darauf hin, dass ihr im laufenden zweiten Quartal wegen der Coronakrise ein Rekordeinbruch droht.

Die Ökonomen der Deutschen Bank etwa sagen einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 14 Prozent voraus – es wäre das größte Minus seit Bestehen der Bundesrepublik. Im ersten Quartal war das BIP um 2,2 Prozent gefallen, was der zweitgrößte Rückgang seit der Wiedervereinigung war.

Die Unternehmen berichteten im Mai erneut von ausbleibenden Neuaufträgen. Auch das Exportgeschäft schwächelte weiter. Deshalb wurden den dritten Monat in Folge Stellen gestrichen. „Da erwartet wird, dass die Nachfrage noch eine ganze Weile unter dem ,normalen‘ Niveau bleiben wird, fahren die Unternehmen fort, in besorgniserregendem Maße Arbeitsplätze abzubauen“, sagte Markit-Ökonom Smith. „Das Ausmaß der Arbeitsplatzverluste ist ein zentrales Risiko für die längerfristigen Aussichten.“

IWH erwartet kräftiges Wachstum im dritten Quartal

Unterdessen rechnet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle mit einer Konjunkturbelebung spätestens im Sommer. Im dritten Quartal könne das Wachstum bei überraschend kräftigen 10,7 Prozent verglichen zum Vorquartal liegen, berichtete die „Wirtschaftswoche“ am Donnerstag vorab unter Berufung auf einen Indikator zur Wirtschaftsleistung, den das IWH aus etwa 160 Einzelindikatoren errechnet.

Voraussetzung dafür sei, dass keine zweite Coronavirus-Welle auftrete und sich die Lage für Bürger und Wirtschaft weiter normalisiere. „Wenn das gesellschaftliche Leben wieder in Gang kommt, dürfte der private Konsum die Konjunktur etwas ankurbeln“, sagte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller dem Magazin. Eine nachhaltige Erholung sei aber erst dann möglich, wenn auch der Außenhandel anziehe.

Mehr: Deutschlands Wirtschaft hat im ersten Quartal einen deutlichen Einbruch erlebt. Doch der Handel mit osteuropäischen Nachbarn geht weiter nach oben.

  • rtr
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